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Justitia ist wachsam (Symbolfoto).

Amtsgericht Frankfurt

Dies Bildnis ist bezaubernd schön ?

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Das Amtsgericht verhandelt gegen Internet-Loreley, die einen spendablen Facebook-Freund mit falschem Foto becircte.

Im Oktober 2014 glaubte der damals 35-jährige Muhammed K., im Internet seine Prinzessin gefunden zu haben. Das Bildnis, das Melissa A. auf Facebook gestellt hatte, war auch bezaubernd schön: zart, blond, ein bisschen elfengleich. Und ein bisschen bedürftig: Immer wieder ließ K. seiner Prinzessin via Western Union kleinere Geldbeträge schicken. Und erst 2100 Euro später schwante K., dass da was faul sein könnte im Staate der Prinzessin.

Sinem H. vermittelt auf der Anklagebank des Amtsgerichts nicht zwingend das Bild einer Prinzessin. Höchstens einer, die dem Ritter auf seinem Weg zur Drachenhöhle auflauert, ihm einen Prügel über den Helm zieht und ihn dann – so er Glück hat – am offenen Feuer röstet. Mit einer echten Prinzessin hat sie nur eine Gemeinsamkeit: „Ich leb’ vom Staat“, antwortet die 25-Jährige, die sich wegen Betrugs verantworten muss, auf die Frage nach ihren Einkommensverhältnissen.

Melissa A., beteuert Sinem H., gebe es wirklich, Sie habe die Friseurin aus Hanau beim Shoppen auf der Ostzeil kennengelernt. Melissa A. habe leider ihren Personalausweis verloren gehabt, und darum habe oft sie das Geld abgeholt, das ihr Internetfreund Muhammed K. an Melissa A. geschickt habe. Manchmal habe das auch ihre Schwester Burcu Ö. übernommen – die 32-jährige Schwester sitzt ebenfalls auf der Anklagebank.

„Meine eigene Blödheit!“

Jedenfalls, sagt Sinem H., die wie ihre Schwester auf einen Verteidiger verzichtet, habe sie lediglich einen Freundschaftsdienst für Melissa A. geleistet und sich nicht bereichert. Und auch die 650 Euro, die Muhammed K. Anfang 2015 spendiert und mit der Sinem H. beim Amtsgericht eine Geldstrafe bezahlt hatte, seien lediglich eine Leihgabe ihrer lieben Freundin Melissa A. gewesen, der sie diese Summe auch längst zurückgezahlt habe. Was diese aber leider nicht bestätigen könne, da sie und Melissa A. irgendwie den Kontakt verloren hätten und sie über ihre ehemalige Freundin auch so gut wie nichts wisse.

Manchmal ist es eine gute Idee, sich einen Verteidiger mit auf die Anklagebank zu nehmen. Etwa dann, wenn man sich eine Verteidigungsstrategie ausgesucht hat, die so dermaßen an den Haaren herbeigezogen ist, dass selbst der schlechteste Anwalt von ihrem Gebrauch abraten würde.

Muhammed K. findet im Zeugenstand eine überraschend klare Erklärung seines damaligen Verhaltens: „meine eigene Blödheit!“ Möglicherweise habe auch das verlockende Facebook-Foto das Seinige dazu beigetragen. Als er jedenfalls seine Traumprinzessin Melissa A. bis in die Abendschule, die sie nach Facebook-Angaben besuchte, verfolgt hatte und dort nach langer Suche und langem Handybimmelnlassen auf Sinem H. getroffen sei, da habe er sich irgendwie betrogen gefühlt. Finanziell. Optisch. Und ganz allgemein.

So sieht das auch das Amtsgericht. Sinem H. wird zu einer Freiheitsstrafe von einem, Burcu Ö. zu einer von acht Monaten verurteilt. Beide Strafen werden zur Bewährung ausgesetzt. Zudem müssen Sinem H. und Burcu Ö. 150 beziehungsweise 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das immerhin dürfte für beide Frauen eine völlig neue Erfahrung werden.

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