Landgericht Kassel

Mit Beil den Schädel zerschlagen

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Drei Männer sollen an einer Grillhütte in Hessisch Lichtenau einen Mann brutal erschlagen haben. Vor dem Landgericht Kassel hat der Prozess gegen sie begonnen. Als Motiv für die Tat vermutet die Staatsanwaltschaft Eifersucht.

Keiner der Angeklagten wandte den Blick ab, als ihr mutmaßliches Opfer auf die Leinwand im Gerichtssaal projiziert wurde. Interessiert, nur ein bisschen scheu vielleicht, betrachteten die Männer die Aufnahmen vom Tatort, Fotos von der blutüberströmten Leiche, dem gebrochenen Schädel.
Vor gut einem Jahr, Anfang Juli 2013, soll das Trio einen Bekannten in Hessisch Lichtenau brutal erschlagen haben. Angeblich, so steht es in der Anklage, weil einer von ihnen eine Liebesbeziehung zur Ehefrau des Getöteten hatte. Am Donnerstag begann der Prozess vor dem Kasseler Landgericht.

Es war zwar eigentlich bereits der zweite Verhandlungstag. Doch weil der erste wegen eines – letztlich erfolglosen – Befangenheitsantrags gegen die Strafkammer bereits enden musste, ehe er angefangen hatte, konnte die Verhandlung erst jetzt richtig beginnen. Und sie startete zunächst äußerst wortkarg. „Mein Mandant möchte sich schweigend verteidigen“, sagte Rechtsanwalt Mutlu Günal, der den 28 Jahre alten mutmaßlichen Haupttäter vertritt.

Auch der jüngste der drei Männer, 22 Jahre alt, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Nur der älteste Angeklagte – ein 35-Jähriger, dessen Liebschaft mit der Gattin des Opfers die Tat ausgelöst haben soll – ließ seinen Anwalt Bernd Pfläging für sich sprechen. Einen einzigen Satz, mit dem er seine Unschuld beteuerte: „Ich war zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt nicht auf dem Grillplatz und habe mit der Tötung des Mannes nichts zu tun.“ Gemeinschaftlichen Mord legt die Staatsanwaltschaft dem Trio zur Last. Gemeinsam hätten sie die Tat beschlossen, zusammen mit ihrem Opfer seien sie zur Grillhütte „Waldfrieden“ gegangen, wo die beiden Jüngeren dann zugeschlagen hätten.

Ehefrau erstaunlich gefasst

Erst, so die Vorwürfe, benutzten sie nur die Fäuste, dann einen Schlagstock. Schließlich habe der 28-Jährige ein Beil genommen und dem Mann die Schädeldecke zertrümmert. Am frühen Morgen fanden Spaziergänger die Leiche. Sie wollten Kaninchenfutter holen und waren dafür in den Wald gefahren.

Polizeibeamte hatten die Identität des Toten schnell ermitteln können, indem sie die Schlüssel des Getöteten auf gut Glück an den Haustüren einer nahen Wohnsiedlung ausprobierten. Erstaunlich gefasst, geradezu „relaxt“, berichteten sie, habe die Ehefrau des Mannes auf die Todesnachricht reagiert. Ihr Gatte, sagte die Frau damals, habe gesoffen, sich nicht um die Familie gekümmert und sei unter Alkohol immer wieder aggressiv geworden. „Mir kam es so vor“, erinnerte sich ein Beamter, „als ob er nicht unbedingt vermisst würde.“

Weil die Frau einen Trinkkumpan ihres Mannes als möglichen Täter genannt und ihm damit sogar einige Zeit in der Untersuchungshaft beschert hatte, läuft auch gegen sie ein Ermittlungsverfahren – wegen falscher Verdächtigung und versuchter Strafvereitelung. Sie hat deshalb bereits angekündigt, die Aussage vor Gericht verweigern zu wollen. Vorladen will man sie in dem Verfahren trotzdem. Insgesamt stehen 46 Zeugen und vier Sachverständige, die angehört werden sollen, auf dem Programm der Schwurgerichtskammer. Neun weitere Verhandlungstage bis zum 22. August sind bislang angesetzt.

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