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Anhänger der linken Szene demonstrieren kurz vor Weihnachten gegen die Brandserie.

Brandserie bei linken Projekten

Anschlag soll Verdächtigen an Pranger stellen

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Unbekannte greifen in Frankfurt ein Wohnhaus mit Steinen und Farbbeuteln an. Der Übergriff steht offenbar im Zusammenhang mit der Brandserie bei alternativen Wohnprojekten.

Unbekannte haben Steine und Farbbeutel gegen ein großes Wohnhaus in Seckbach geworfen und mit roter Farbe die Parole „Brandstifter“ an die Wand des Gebäudes gesprüht. Wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch der Frankfurter Rundschau bestätigte, hat sich der Vorfall gegen 22.10 Uhr am Dienstagabend ereignet. Im Umfeld des Hauses seien zudem Flugblätter verteilt worden. Die Polizei ermittele bereits wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung, Ermittlungen wegen anderer Straftatbestände würden derzeit noch geprüft, hieß es.

Die Sprecherin der Polizei bestätigte auch, dass der Übergriff allem Anschein nach im Zusammenhang mit der bislang nicht aufgeklärten Brandserie steht, bei der seit vergangenem September fünf alternative Wohnprojekte und zwei autonome Kulturzentren in Frankfurt, Schwalbach und Hanau von mutmaßlichen Brandstiftungen betroffen waren. Auf einem bekannten linken Internetportal ist ein längerer Text aufgetaucht, demzufolge sich der Übergriff gegen einen 46-jährigen Mann richten sollte, der kurz vor Weihnachten den bislang letzten Brand der Serie im linken Kulturzentrum „Metzgerstraße Acht“ in Hanau gelegt haben soll.

Besucher hatten damals das Feuer gelöscht, den Mann gestellt und der Polizei übergeben. Die Staatsanwaltschaft Hanau ermittelt gegen den 46-Jährigen wegen des Verdachts auf schwere Brandstiftung, in der Tatnacht war bereits seine Wohnung nach Beweismitteln durchsucht worden. Bei den Ermittlern gibt es zumindest den Anfangsverdacht, dass er auch mit anderen Feuern der Brandserie zu tun haben könnte.

In dem anonymen Schreiben im Internet, das mit „Antifa Frankfurt“ unterzeichnet ist, heißt es, man habe dem Mann „einen antifaschistischen Besuch abgestattet“. Da er mutmaßlich in die Brandserie verwickelt sei, bei der Menschen hätten zu Tode kommen können, stelle der Mann „eine Gefahr für die linke Szene im Rhein-Main-Gebiet dar“. Und es sei klar, „dass wir einen antifaschistischen Selbstschutz brauchen und uns nicht auf den deutschen Staat verlassen können.“

Um die Ermittlungen in der Brandserie hatte es in der Vergangenheit bereits Streit gegeben: Das Mietshäuser-Syndikat, dem mehrere der von der Brandserie betroffene Wohnprojekte angehören, hatte Polizei und Staatsanwaltschaft Anfang vergangener Woche scharf kritisiert. Nach eigenen Recherchen sei der tatverdächtige 46-Jährige kein Unbekannter, vielmehr habe er immer wieder versucht, Rechenfehler in den öffentlichen Bilanzen alternativer Wohnprojekte zu finden und diese dann den Behörden zu melden. Unter anderem habe er das Projekt „Knotenpunkt“ in Schwalbach angeschwärzt, das im September durch einen Brand schwer beschädigt worden war und jetzt unbewohnbar ist. Die Staatsanwaltschaft Hanau hatte als Reaktion betont, die Brandermittlungen würden durch mangelnde Kooperation der Geschädigten erschwert, dies betreffe auch die Betreiber des Zentrums „Metzgerstraße Acht“.

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