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Polizisten sichern das Oberlandesgericht in Frankfurt bei einem Terrorprozess. (Archivbild)

Kriminalität in Hessen

2018 wird das Jahr der spektakulären Prozesse

Geplante Terroranschläge, Beihilfe zu Massenmord, Mord an Kindern: 2018 wird in Hessen das Jahr der spektakulären Prozesse. Hier eine Übersicht.

Geplante Terroranschläge und eine Reihe von Morden: Auf Hessens Gerichte kommt auch im kommenden Jahr viel Arbeit zu. Die wichtigsten absehbaren Prozesse und Verfahren 2018 im
Überblick:

Der islamistische Terrorismus hat vor dem Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) für drei neue  Anklagen gesorgt. Der Staatsschutzsenat muss jetzt entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Darunter ist der Fall des mutmaßlich rechtsextremen Soldaten Franco A., der auf Berliner Politiker Anschläge geplant haben soll. Der aus Offenbach stammende Offizier ist zwar wieder auf freiem Fuß, da der Bundesgerichtshof (BGH) keinen dringenden Tatverdacht mehr sah. Für
das Hauptverfahren würde jedoch auch ein hinreichender Tatverdacht reichen.

Prozess gegen ehemaligen KZ-Wachmann

In einem weiteren spektakulären Verfahren vor dem OLG wird einem früheren Doktoranden der TU Darmstadt vorgeworfen, sich für die Vorbereitung von Anschlägen entsprechende  Anleitungen zum Bau von Waffen besorgt zu haben. Die Belastung mit Staatsschutzverfahren
„bleibt außergewöhnlich hoch“, sagt OLG-Präsident Roman Poseck. Im Zivilbereich ist das OLG derzeit mit der Aufarbeitung der Diesel-Affäre in der Autoindustrie beschäftigt.

Das Landgericht Frankfurt wird voraussichtlich gegen einen ehemaligen Wachmann des  Konzentrationslagers Auschwitz verhandeln. Der Mann ist 96 Jahre alt. Außerdem geht es in Frankfurt um die geplante Hinrichtung eines Wettbürobesitzers sowie um die Hinterziehung von
Steuern und Sozialabgaben in Höhe von rund zehn Millionen Euro in einem Prozess gegen die sogenannte Frankfurter Baumafia.

Mordprozess gegen Sekten-Anführerin

Der Prozess gegen den Eschborner Bürgermeister Mathias Geiger könnte ebenfalls beginnen. Das Landgericht Frankfurt hatte bereits im Sommer 2016 eine Anklage wegen Verletzung des Dienst- und Steuergeheimnisses, Verleumdung und falscher Verdächtigung gegen den FDP-Politiker zugelassen.

Etwa 30 Jahre nach dem Tod eines Vierjährigen muss sich in Hanau voraussichtlich eine  mutmaßliche Sekten-Anführerin vor Gericht verantworten. Der 70 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, den Jungen mit einem über den Kopf zugeschnürten Leinensack im Badezimmer
zum Schlafen gelegt zu haben. Sie habe das Kind trotz seiner Schreie nicht befreit. Der Junge starb in dem Leinensack.

In Hanau wird nach rund vier Jahren auch mit dem Ende des Mammutprozesses gegen die Zigaretten-Mafia gerechnet. Fünf der zunächst 20 Angeklagten wurden bereits verurteilt, 6 stehen noch vor Gericht. Es geht um einen Steuerschaden von rund 17 Millionen Euro wegen Zigaretten- und Tabakschmuggels.

Mörder der kleinen Johanna vor Gericht

Fast 20 Jahre nach der Tat könnte vor dem Landgericht Gießen der Prozess gegen den  mutmaßlichen Mörder der kleinen Johanna beginnen. Die Achtjährige war 1999 im  Wetteraukreis entführt, missbraucht und getötet worden. Der Täter soll ein Mann aus Friedrichsdorf sein. Er wurde Ende Oktober festgenommen. Allerdings laufen die Ermittlungen
noch.

Ebenfalls in Gießen beginnt mehr als fünf Jahre nach der Schließung des Betriebs der umstrittenen Mineralfaserfirma Woolrec das gerichtliche Nachspiel. Vor dem Landgericht müssen sich Ende Januar der frühere Geschäftsführer der Firma aus Braunfels und ein Gutachter
verantworten. Woolrec war nach langem Streit um eine mögliche Schadstoffbelastung und teils sich widersprechenden Gutachten 2012 geschlossen worden.

Tödlicher Roboterunfall im VW-Werk

In Wiesbaden beginnt am 22. Januar der Prozess um den Tod eines 19-Jährigen nach einer Messerattacke in der Innenstadt. Drei Männer sind wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagt. Einer von ihnen war zum Tatzeitpunkt Polizeianwärter und bereits wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung registriert. Das Auswahlverfahren für die Polizeianwärter wurde deshalb reformiert.

Einen tödlichen Roboterunfall im VW-Werk wird voraussichtlich das Amtsgericht Kassel verhandeln. Ein 29-Jähriger muss sich vermutlich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Er soll den Programmablauf des Roboters gestartet haben, ohne zu prüfen, ob sich sein 21 Jahre
alter Kollege noch im Gefahrenbereich befand.

Erneut vor dem Landgericht Kassel muss sich der frühere Chef des Versicherungsvermittlers MEG verantworten. Der Prozess beginnt am 8. März. Mehmet E. Göker wird der gewerbsmäßige Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen und ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz vorgeworfen. Der bundesweit bekannte Film „Versicherungsvertreter“ hat den Aufstieg und Fall Gökers dokumentiert.

Prozess um Mitschuld an tödlicher Geisterfahrt

In Limburg wird vor dem Landgericht mit einem Urteil um die mögliche Mitschuld von drei Justizvollzugsbeamten an einer tödlichen Geisterfahrt gerechnet. Ein Häftling war während eines Freigangs im Januar 2015 in ein Auto gestiegen und hatte den Unfall verursacht. Einen Führerschein hatte er nicht. Obwohl der Mann für eine Verlegung in den offenen Vollzug ungeeignet gewesen sei, hätten die Angeklagten zugestimmt, heißt es in der Anklage.

Das Landgericht Darmstadt wird sich 2018 vermutlich mit dem gewaltsamen Tod einer Rentnerin aus dem südhessischen Dieburg beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft hat im Dezember Mordanklage gegen ein Paar erhoben. Eine 38 Jahre alte Frau und ein 28 Jahre alter Mann sollen die Rentnerin Ende März 2017 in ihrer Wohnung aus Habgier mit einem Messer umgebracht haben.

Mit zwei Panzern, die der Designer und Modeschöpfer Harald Glööckler in Kunstobjekte verwandelte, könnten sich die Richter in Darmstadt in einem Berufungserfahren befassen. Glööckler selbst wird nichts vorgeworfen, da er nur der Künstler ist. Aber der Importeur der
Militärfahrzeuge soll gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben. Das Amtsgericht Bensheim hatte den Mann zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt, weil die Bergepanzer ihre schützenden Wannen noch besaßen und damit nicht entmilitarisiert waren. (dpa)

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