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Frauen, sagt der Angeklagte, sollten sein wie "Geschenke unterm Weihnachtsbaum ? schön verpackt".

Prozess in Frankfurt

15-Jährige bei Behandlung missbraucht

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Ein 53 Jahre alter Physiotherapeut wird in Frankfurt wegen Missbrauchs einer 15-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Prozess wirft auch ein Schlaglicht auf den Antisemitismus.

Der Vorwurf, gegen den sich Mustafa M. am Donnerstag vor dem Amtsgericht verteidigt, ist unappetitlich, aber nicht außergewöhnlich. Außergewöhnlich ist die Art seiner Verteidigung. Die ist eher ein Angriff. Ein Angriff auf den ewigen Feind.

Dem 53 Jahre alten Physiotherapeuten wird sexueller Missbrauch einer Minderjährigen unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses vorgeworfen. Er soll im Februar 2017 eine damals 15 Jahre alte Patientin, die wegen einer Fußverletzung zur Lymphdrainage gekommen war, massiv belästigt haben. Laut Anklage habe er dem Mädchen vor allem Bereiche massiert, die M. selbst vor Gericht als „Bikini-Zonen“ bezeichnet, in diesem Fall die untere. Das, was darunter verborgen sei, finde er in ihrem Fall „zum Anbeißen“, soll er der 15-Jährigen gesagt und einen Biss hauchzart angedeutet haben. Ein Kuss auf die Stirn und ein Klaps auf den Hintern sollen die Behandlung abgerundet haben.

M., bislang unbescholtener Familienvater, bestreitet die Vorwürfe. Es habe sich um eine ganz normale Lymphdrainage gehandelt, wie er sie seit mehr als zwei Jahrzehnten praktiziere. Wenn das Mädchen diese als unsittlich empfunden haben sollte, täte dies ihm leid. Obszöne Bemerkungen bestreitet er. Small Talk räumt er ein.

Als die Richterin ihn fragt, warum seiner Meinung nach das Mädchen ihn angezeigt habe, legt M. los. „Ich bin Palästinenser“, also israelischer Staatsbürger muslimischen Glaubens, und also per se Opfer einer Weltverschwörung, deren Strippenzieher man ja nicht nennen muss – was er auch nicht tut. Nur soviel: Vor ein paar Jahren sei das Haus, in dem er seine Praxis hat, verkauft worden. „Die neuen Besitzer sind Juden.“

Er wolle niemanden beschuldigen, aber seit die Juden Herren im Haus wären, würde seine Praxis von russischen Patienten geflutet, die ihn zu Gesetzeslosigkeiten zu animieren versuchten, was er immer ablehne. Auch das Mädchen käme aus Russland. Vielleicht steckten hinter der Anklage ja genau dieselben Leute, die alle Nächte wieder „Scheiß-Moslem“ an seine Hauswand schmierten.

Nur der Ehemann soll die Schönheit sehen

Deutlicher müsse und wolle er nicht werden. Aber das langt ja auch schon. Bedenklich auch der Small-Talk, den M. einräumt. Er habe die junge Patientin von den Segnungen eines Kopftuchs überzeugen wollen und hätte sie sogar eins zur Probe anziehen lassen. Hätte aber nicht gepasst. Also das Kopftuch dem Mädchen schon, aber dem Mädchen nicht das Kopftuch. Er verstehe nicht, warum. „Viele Frauen hier zeigen zuviel. Das ist nicht gut.“

Denn Frauen, erklärt er auf gut abendländisch, sollten sein wie „Geschenke unterm Weihnachtsbaum – schön verpackt“. Zudem seien Frauen „wie Perlen“, also auch unverpackt ganz gut, aber „nur der Ehemann darf ihre Schönheit sehen“, daher diene das Kopftuch „dem Schutz der Gesellschaft, dem Schutz der Familie“. Dann weist er noch einmal den Vorwurf der Fummelei an der 15-Jährigen zurück: „Ich mache doch auch viele Lymphdrainagen mit noch viel hübscheren Frauen.“

All das grenzt an akustischen Missbrauch, ist aber nicht strafbar. Das Gericht zu überzeugen vermögen die Reden freilich nicht. M. wird, nachdem auch das Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Aussage gemacht hat, zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Er muss 2000 Euro Geldbuße an den Kinderschutzbund zahlen. M. nimmt das Urteil kopfschüttelnd zur Kenntnis. 

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