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Kommt ein Mensch mit Blaualgen in Kontakt, kann es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen kommen.

Seen in Hessen

Blaualgen trüben Badespaß

Wegen der Hitze breiten sich in mehreren hessischen Seen Blaualgen aus, die bei Badenden Durchfall und Erbrechen verursachen können. Im Schultheis-Weiher in Offenbach ist das Baden deshalb verboten.

Das Wasser ist blau-grünlich getrübt und Schlieren machen das Schwimmen nicht gerade zum Spaß: Blaualgen breiten sich derzeit in mehreren hessischen Seen aus. In manchen Gewässern wird inzwischen vom Baden abgeraten oder die Feuerwehr bereitet das Wasser mit Sauerstoff auf. „Wir haben derzeit in sieben bis acht hessischen Seen Probleme mit Cyanobakterien“, sagte Wilfried Staudt, im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zuständig für Badeseen, am Donnerstag.

Die oft Blaualgen genannten Cyanobakterien existieren in 2000 Arten auf der Erde, etwa 40 davon erzeugen unter bestimmten Umständen Gift und können Seen verseuchen. Kommt der Mensch mit ihnen in Kontakt, drohen Haut- und Schleimhautreizungen. Schluckt ein Badender belastetes Wasser, kann es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen kommen. Nicht alle Blaualgen erzeugten das Gift, betonte Staudt. Es mache aber auch keinen Sinn, die betroffenen Seen zu testen: „Bis das Ergebnis da ist, kann die Situation schon wieder eine ganz andere sein.“ Blaualgen vermehren sich besonders bei hohen Temperaturen und der Anreicherung des Wassers mit Pflanzennährstoffen wie Phosphor und Stickstoff.

Ob das Baden in dem See verboten wird, liege im Ermessen der lokalen Gesundheitsämter, sagte Staudt. Im Offenbacher Schultheis-Weiher ist das Baden derzeit wegen Blaualgen verboten, im Kasseler Buga-See wird davon abgeraten. Pumpen sollten dort das Wasser umwälzen. „So soll getestet werden, ob sich diese Maßnahme eignet, mehr Sauerstoff in das Gewässer zu bringen“, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. Der Algenwuchs habe wegen des heißen Wetters zugenommen, daher falle kaum noch Licht in tiefere Bereiche des Sees. Dies führe zu einem Sauerstoffmangel und damit zum einer Verschlechterung des Wassers.

Auch unter anderem der Nieder-Mooser-See und der Große Pfordter See im Vogelsberg kämpfen mit den Bakterien. Dort rät das Gesundheitsamt Badenden unter anderem kein Wasser zu schlucken, besonders auf Kinder aufzupassen und nach dem Baden zu duschen. Im Wißmarer Badesee in Mittelhessen wälzte die Feuerwehr nach einem Bericht von Radio FFH das Wasser bereits mehrfach mit Pumpen um und rät inzwischen vom Baden ab. Im Großen Woog in Darmstadt haben sich Zerkarien, Larven von Saugwürmern, ausgebreitet. Sie können beim Menschen Hautausschlag auslösen.

Jenseits von Blaualgen und Wurmlarven ist die Wasserqualität in den hessischen Seen derzeit gut. „Hygienisch haben wir trotz der Hitze kein Problem“, sagte Staudt. Es gäbe keine Gefahr durch die Verunreinigung durch Fäkalien von Mensch und Tier. Im verregneten Sommer 2017 sei das noch anders gewesen: Damals hätten sich hauptsächlich Wasservögel und Nilgänse an den Ufern der Seen breitgemacht. Der Regen habe ihre Ausscheidungen dann in den See gespült und das Wasser verdreckt. In der derzeitigen Hitzewelle sitzen nun hauptsächlich Menschen an den Ufern - und nutzen den Werten zufolge wohl zuverlässig die öffentlichen Toiletten. (dpa)
 

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