Sexueller Missbrauch

Bistum Limburg: Kirche soll zum „Schutzraum“ werden

  • Peter Hanack
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Bischof Bätzing kündigt die schnelle Umsetzung der Handlungsempfehlungen gegen sexuellen Missbrauch an. Das Bistum könnte damit zum Vorbild für andere werden.

Im Bistum Limburg soll es einen innerkirchlichen „Kulturwandel“ geben. Diese Erwartung äußerte der Limburger Bischof Georg Bätzing angesichts der am Samstag veröffentlichten Studie zum Missbrauch in seinem Bistum. Kirche sei ein wesentlicher Träger von Kinder- und Jugendarbeit und wolle dies auch sein, sagte Bätzing in einem Pressegespräch am Mittwoch. Dafür müsse es in der Kirche für diese Gruppe einen „sicheren Schutzraum“ geben.

Bätzing kündigte an, die in der Studie genannten Reformen schnell umsetzen zu wollen. „Wir nehmen die Handlungsempfehlungen an“, versicherte er. Veränderungen müsse es unter anderem bei der Rolle der Priester, der Gleichberechtigung, Gewaltenteilung und der katholischen Sexualmoral geben. Einige der von den Verfassern der Studie vorgeschlagenen 61 Maßnahmen ließen sich allerdings „rascher umsetzen als andere“.

Kurzfristig könne es auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz ein Gesetz zur einheitlichen Führung von Personalakten geben. Auch ein Beschwerdemanagement könne zügig eingeführt werden. In Limburg stehe zudem ein Gesetz für mehr Einfluss von Frauen in Gremien der Kirche vor dem Abschluss. Auch eine Ombudsstelle für Betroffene könne schnell eingerichtet werden.

Beschuldigte

47 Priester, Diakone oder Ordensleute
werden im Abschlussbericht des Bistum Limburgs des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen beschuldigt.

Insgesamt sind bisher 89 Opfer bekannt geworden. pgh

Ingeborg Schillai, Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, hatte das Projekt im vergangenen Jahr gemeinsam mit Bätzing in Auftrag gegeben. Sie kündigte an, die Umsetzung der Maßnahmen begleiten und überwachen zu wollen.

70 Fachleute hatten in den vergangenen neun Monaten an dem Projekt „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ mitgearbeitet. In neun Teilprojekten hatten sie den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Diözese seit rund 70 Jahren analysiert und Vorschläge entwickelt, wie dieser künftig verhindert werden könne. Neben anderen war dabei auch die Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller als externe Beobachterin beteiligt, die bereits in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule mitarbeitete.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hatte die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche durch das Bistum Limburg gelobt. Die Ergebnisse des Projektes müssten eine Signalwirkung für alle anderen Bistümer haben.

Bätzing, der auch Vorsitzender Deutschen Bischofskonferenz ist, ermutigte die anderen Bistümer, dabei ebenfalls auf eine externe Kontrolle und Perspektive zu setzen.

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