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Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen. L

Chronik

Was bisher geschah

Der Tod von Lübcke hat viele bewegt. Hier im Überblick die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage.

Ein Angehöriger findet den Regierungspräsidenten in der Nacht zum Sonntag, 2. Juni, gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse des Wohnhauses im 900-Einwohner-Dorf Wolfhagen-Istha. Versuche, Lübcke wiederzubeleben, bleiben erfolglos.

In der Nähe vom Wohnhaus der Familie Lübcke wird in der Tatnacht Kirmes gefeiert. Die Ermittler rufen auch per Fernsehfahndung Besucher auf, Fotos und Videos zur Verfügung zu stellen, da sich so eventuell Ansätze für die Ermittlungen finden lassen. Die Soko „Liemecke“, nach einem nahen Bach benannt, geht über 200 Hinweisen nach.

Eine rechtsmedizinische Untersuchung ergibt, dass Lübcke ein Schuss aus einer Kurzwaffe traf – dazu zählen Pistolen oder Revolver. Der Schuss wurde aus nächster Nähe abgegeben.

Ein Polizeieinsatz an der ostfriesischen Nordseeküste sorgt am vergangenen Wochenende für Aufsehen. Die Polizei stoppt zeitweise den Fährbetrieb zwischen Harlesiel im Kreis Wittmund und der Insel Wangerooge und nimmt einen Mann in Gewahrsam. Nach der Befragung wird er wieder auf freien Fuß gesetzt – ohne Anhaltspunkte, dass er an der Tat beteiligt war, hieß es.

Die Ermittler rekonstruieren laut Landeskriminalamt momentan das Ge- schehen vor, während und nach der Tat. Ziel sei, alle Abläufe minuziös nachzuvollziehen. Zudem prüfen sie die Hinweise. Wie lange diese Arbeit noch dauern wird, ist unklar.

Es gab Morddrohungen gegen Lübcke, der als Chef des Regierungspräsidiums Kassel in der Flüchtlingskrise vor vier Jahren für die Unterbringung von Flüchtlingen in Nordhessen federführend war. Er hatte sich auf einer Infoveranstaltung 2015 gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

Im Internet äußern insbesondere User aus der mutmaßlich rechtsextremen Szene unverhohlen Freude oder Häme über den gewaltsamen Tod des Politikers. Das löst eine Debatte darüber hinaus, ob solche Hasskommentare nicht rasch gelöscht werden müssen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nennt die Kommentare im Netz „zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig“. (dpa)

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