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Bischofsheim: Heikler Bombenfund am Umspannwerk

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Von: Jens Joachim

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Die Zufahrt zum Bischofsheimer Gewerbegebiet „Am Schindberg“ wurde gesperrt.
Die Zufahrt zum Bischofsheimer Gewerbegebiet „Am Schindberg“ wurde gesperrt. © Michael Schick

Eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe ist in einem Gewerbegebiet in Bischofsheim kontrolliert gesprengt worden. In Rüsselsheim musste eine Wohnsiedlung evakuiert werden.

Eine im Bischofsheimer Gewerbegebiet „Am Schindberg“ gefundene Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Dienstagnachmittag vom Kampfmittelräumdienst kontrolliert gesprengt worden. Nach Angaben von Christoph Süß vom Darmstädter Regierungspräsidium (RP) handelte es sich bei dem Blindgänger um eine 250 Kilogramm schwere britische Fliegerbombe, die mit einem chemisch-mechanischen Langzeitzünder ausgestattet war. Laut Süß waren sowohl der Zustand des Blindgängers als auch der Fundort in der Nähe eines Umspannwerks und einer Gasleitung „sehr heikel“.

Wegen des schlechten Zustands der Bombe habe der Sprengkörper nicht entschärft werden können und habe zügig gesprengt werden müssen. Um eine sichere Sprengung vorzubereiten seien stundenlang 1000 Tonnen Sand zum Fundort der Bombe gefahren und dort abgeladen worden. Schließlich, so Süß, sei am Nachmittag eine Sprengladung an der Bombe angebracht worden, so dass nach der Detonation die Metallhülle zerbarst. Unmittelbar nach der Sprengung fanden die erfahrenen Experten des Kampfmittelräumdienstes zirka 50 bis 60 Zentimeter große Metallteile an der Detonationsstelle, die bei einer unkontrollierten Explosion zu tödlichen Verletzungen hätten führen können.

Aus Sicherheitsgründen wurden daher Gebäude in einem Umkreis von 1000 Metern evakuiert. Die Sperrzone umfasste das Bischofsheimer Gewerbegebiet um den Bombenfundort, die Böllensee-Siedlung im Westen von Rüsselsheim und einen Teil des Opel-Geländes.

Nach Angaben der Groß-Gerauer Kreisverwaltung waren am Dienstagmorgen schätzungsweise 3500 Menschen von der Evakuierung ihrer Wohnhäuser in der Böllensee-Siedlung im Westen von Rüsselsheim betroffen. Für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger, die sich während der Evakuierungsphase nicht an einer anderen Stelle aufhalten konnten, wurde eine Betreuungsstelle in der Sophie-Opel-Schule eingerichtet. Hilfsorganisationen boten dort den Menschen – darunter etliche Seniorinnen und Senioren Unterstützung an.

Auch für Getränke und Essen war in der Betreuungsstelle laut einer Mitteilung der Stadt Rüsselsheim gesorgt. Den Bürgerinnen und Bürgern standen mehrere Klassenräume zur Verfügung. Kinder konnten Spiele und Malsachen nutzen. Zudem gab es Bewegungsangebote im Freien. Für bettlägerige Pflegebedürftige war kurzfristig eine Betreuung im Klinikum ermöglicht worden.

Auch zahlreiche Straßen mussten wegen der Sprengung gesperrt werden. Im öffentlichen Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn kam es zu Ausfällen und Umleitungen. Nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbunds waren die Bahnlinien zwischen Bischofsheim und Rüsselsheim sowie zwischen Bischofsheim und Groß-Gerau betroffen. Auf den S-Bahnlinien S8 und S9 sowie mehreren Regionalexpress- und Regionalbahnlinien kam es Teilausfällen und Umleitungen.

Die Deutsche Bahn leitete alle Fernzüge zwischen Wiesbaden beziehungsweise Koblenz und Frankfurt um, so dass der Mainzer Hauptbahnhof und der Frankfurter Flughafen nicht angefahren wurden.

Entgegen der ursprünglichen Planung verzögerte sich die komplette Evakuierung der Gefahrenzone. Zunächst hatte die Zentrale Leitstelle des Kreises Groß-Gerau in den frühen Morgenstunden mit Radiodurchsagen und Warnmeldungen eine Evakuierung bis um 9 Uhr angepeilt. Um kurz vor 11 Uhr teilte ein Polizeisprecher dann mit, die Räumung des Gebietes im Westen von Rüsselsheim und nordöstlich von Bischofsheim habe beendet werden können und die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes könnten nun mit ihrer Arbeit beginnen. Gegen 13 Uhr stieg ein Polizeihubschrauber auf, um nochmal über den evakuierten Bereich zu fliegen. Mit der Sprengung der Bombe sei „nicht vor dem späten Nachmittag zu rechnen“, teilte ein Polizeisprecher am Dienstagmittag mit. Um 15.50 Uhr wurde dann nach Angaben der Stadt Rüsselsheim die Weltkriegsbombe gesprengt. Nachdem die Fachleute den Bereich rund um die Gefahrenstelle überprüft hatten, konnten alle Sperrungen wieder aufgehoben und der Evakuierungsbereich wieder freigegeben werden, so dass die Bürgerinnen und Bürger wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren konnten.

In der Rüsselsheimer Sophie-Opel-Schule suchte auch eine Notfallseelsorgerin das Gespräch mit Seniorinnen und Senioren.
In der Rüsselsheimer Sophie-Opel-Schule suchte auch eine Notfallseelsorgerin das Gespräch mit Seniorinnen und Senioren. © Michael Schick
Das Gebiet in einem Radius von einem Kilometer um den Fundort der Bombe bei Bischofsheim wurde evakuiert.
Das Gebiet in einem Radius von einem Kilometer um den Fundort der Bombe bei Bischofsheim wurde evakuiert. © OpenStreetMap/GEVAS
Mit Sand beladene Lastwagen fuhren durch das Gewerbegebiet zum Bombenfundort.
Mit Sand beladene Lastwagen fuhren durch das Gewerbegebiet zum Bombenfundort. © Michael Schick
Nach der Sprengung: Ein Experte des Kampfmittelräumdienstes präsentiert zirka 50 bis 60 Zentimeter große Metallteile der zerborstenen Bombe.
Nach der Sprengung: Ein Experte des Kampfmittelräumdienstes präsentiert zirka 50 bis 60 Zentimeter große Metallteile der zerborstenen Bombe. © RP Darmstadt

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