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Bioladen „Regenbogen“ schließt

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Marlu Müller-Bremm hofft, dass sie noch jemanden für ihren Bioladen findet. schuchhardt © Harald Schuchardt

Im September vergangenen Jahres hatte der Bioladen „Regenbogen“ in der Lindenstraße sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Damals war für die Kundschaft noch nicht abzusehen, dass das Naturkostgeschäft wohl vor der Schließung steht. „Wir schließen am 29. Oktober“, steht auf zwei Zetteln an den Türen des Geschäfts.

Doch es gibt noch einen Hauch von Hoffnung. Derzeit spricht Inhaberin Marlu Müller-Bremm mit einem Interessenten, der das gut laufende Geschäft übernehmen möchte. „Das erste Gespräch war sehr gut, die Verhandlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen“, sagt Müller-Bremm, deren Entschluss, den Bioladen nicht mehr weiterzuführen, schon seit zwei Jahren feststeht. „Ich bin jetzt im Rentenalter und ich bekomme auch Rente, im Gegensatz zu vielen anderen Selbstständigen“, sagt die Geschäftsfrau, die schon lange einen Nachfolger sucht.

Dass es möglicherweise zur endgültigen Schließung kommt, hätte sie ebenso wenig gedacht wie ihr Vermieter und die vielen Stammkunden, vor allem aus dem Westgebiet, für die der „Regenbogen“ der Nahversorger schlechthin ist. „Wir sind morgens, mittags und auch abends für viele der Bäcker, bei dem man Brot und Brötchen holt“, erzählt Müller-Bremm.

„Ich habe viele Gespräche geführt, Interessenten gab es genug, doch es muss ja auch passen.“ Über den Einzelhandelsverband, die Unternehmensbörse und auf weiteren Wegen versuchte die Inhaberin, einen Nachfolger zu finden - bisher vergebens. „Das wäre so schade, wenn der Regenbogen für immer schließen muss“, sagt Müller-Bremm, die zu den Initiatoren des wohl ersten Bioladens in der Wetterau gehört hat.

Die Geschichte des Geschäfts dürfte in der Region vermutlich ziemlich einmalig sein: Im Jahre 1981 gründete ein zwölfköpfiges Kollektiv den Laden. Dabei handelte es sich um Menschen, die sich in der Umwelt-, Anti-Atomkraft- und Dritte-Welt-Bewegung engagierten. Das Angebot bestand in den Anfangsjahren zu gleichen Teilen aus Wolle, Büchern und Naturkost.

Nach und nach verlagerten sich die Schwerpunkte des Sortiments. Im Jahre 1990 wurde Marlu Müller-Bremm alleinige Inhaberin, und vor zehn Jahren zog das Geschäft in das mit 160 Quadratmetern Verkaufsfläche wesentlich größere Ladengeschäft im selben Gebäudekomplex direkt um die Ecke. Heute ist der „Regenbogen“ ein erfolgreiches Fachgeschäft mit einer breiten Palette von weit über 6000 Produkten. Von Beginn an ist der Bioladen Mitglied im Bundesverband Naturkost.

Überwiegend stammen die Produkte von Anbietern aus der Region, mit denen Marlu Müller-Bremm schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Diese gehören bekannten Bioanbauverbänden wie Bioland oder Demeter an.

Vielfältig ist das Angebot an Biolebensmitteln. Täglich werden Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Fleisch und Wurst sowie Backwaren frisch angeliefert. „Unsere Kunden wollen, dass dieses Angebot erhalten bleibt“, sagt die Inhaberin und fügt hinzu: „Ich natürlich auch.“

Die Reaktionen auf die Bekanntgabe der Schließung waren zum Teil höchst emotional, wie Müller-Bremm erzählt: „Hier haben ältere Kundinnen gesessen, geweint und gefragt: ‚Wo soll ich denn jetzt einkaufen?‘“ Selbst Kinder hätten Tränen in den Augen gehabt, sagt die Inhaberin, die immer noch auf einen Nachfolger hofft.

„Ich habe allen Interessenten angeboten, sie einzuarbeiten und in den ersten Monaten vor Ort zu unterstützen. Es muss doch weitergehen“, sagt die Baldrentnerin, die immer wieder betont, dass sie keinerlei finanzielle Probleme habe. „Auch wir haben Umsatzrückgänge, das darf man aber nicht mit den beiden Corona-Jahren vergleichen. Uns geht es, gemessen an den Vor-Corona-Jahren, gut.“

Auf jeden Fall will der Vermieter dafür sorgen, dass - sollte der „Regenbogen“ tatsächlich für immer schließen - dort weiter Lebensmittel verkauft werden. Malu Müller-Bremm freut sich auf ihren Ruhestand und vor allem auf ihren fünf Monate alten Enkel, den sie dann öfter als bisher sehen kann.

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