Die Polizei will verstärkt prüfen, ob Maschinen zu laut sind.

Südhessen

Polizei warnt Motorradfahrer

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Eine Kampagne in Zulassungsstellen richtet sich an Motorradfahrer. Mit Kontrollen gehen die Behörden gegen Lärmbelästigung vor.

In Südhessen sind vergangenes Jahr 19 Motorradfahrer gestorben, mehr als 100 wurden bei Unfällen schwer verletzt. Insgesamt ereigneten sich 448 Unfälle mit Motorrädern. 2017 starben dagegen nur sechs Motorradfahrer. Die drastisch gestiegenen Unfallzahlen gaben den Anstoß, in diesem Jahr eine breitangelegte Kampagne für mehr Sicherheit bei Motorradfahrern zu starten, sagte der Polizeipräsident von Südhessen, Bernhard Lammel, bei einer Pressekonferenz in Groß-Gerau. Der Kreis Groß-Gerau ist nach Darmstadt, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem Odenwaldkreis der letzte Partner, der im Rahmen der Kampagne „Du hast es in der Hand“ präsentiert wurde.

Biker, die ihre Maschine für den Verkehr zulassen möchten, werden im Rahmen dieser Präventions-Kooperation mit den Zulassungsstellen schon bei der Anmeldung auf Gefahren und Risiken hingewiesen. Zu den Hauptunfallursachen bei Motorradfahrern zählen immer wieder zu hohe Geschwindigkeit, geringer Sicherheitsabstand und riskantes Überholen. Auch sollen die Fahrer dafür sensibilisiert werden, mit Fehlern anderer zu rechnen. Zudem werden hierbei problematische Straßen-,Sicht- und Wetterverhältnisse thematisiert.

Lammel gab zu bedenken, dass über die Unfalltoten hinaus eine große Zahl an Menschen leiden würden, wie etwa der Unfallgegener und die Angehörigen. „Es eine erhebliche Belastung für viele Menschen und in höchstem Maße tragisch.“

Nun ist der Kreis Groß-Gerau nicht unbedingt ein klassischer Motorradkreis, allerdings reizen die Biker laut Lammel, der selbst auch gerne mal auf eine Maschine steigt, die langen gerade Strecken. Zudem würden viele Motorradfahrer in die benachbarten Regionen, etwa den wegen seiner Kurven beliebten Odenwald fahren. Dort sind Strecken wie die Hutzwiese bei Reichelsheim, das Reußenkreuz am Krähberg oder die ehemalige Rennstrecke bei Zotzenbach beliebte Strecken.

Dass sich die Informationskampagne in den Zulassungsstellen lohnen könnte, liegt daran, dass viele Besitzer ihre Motorräder über den Winter stilllegen und derzeit wieder anmelden. Im Kreis Groß-Gerau sind das laut Zulassungsstelle 60 Prozent der knapp 15 000 registrierten Maschinen.

Fahrverbote wie am Feldberg im Taunus hat die südhessische Polizei indes nicht geplant. Diese würden phasenweise an bestimmten Strecken ausgesprochen werden, wenn es dort gehäuft zu Unfällen komme, so Lammel.

Ein weiteres großes Problem ist laut Lammel die Lärmbelastung der Anwohner. Dagegen würden Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht helfen, denn ein Motorrad, das man im zweiten Gang auf 70 oder 80 Stundenkilometer hochreiße, erreiche eine Dezibelzahl, die an die Schmerzgrenze gehe. Das Polizeipräsidium Südhessen schafft sich deswegen ein mobiles Schallpegelmessgerät an, dass über eine Smiley-Anzeige den Vorbeifahrenden signalisiert, ob sie zu laut sind. Zudem sollen verstärkt Kontrollen stattfinden, in denen etwa überprüft wird, ob der vorgeschriebene Schallauspuffdämpfer ausgebaut wurde. Ist dies der Fall, droht nicht nur ein Bußgeld, sondern die Maschine wird sofort aus dem Verkehr gezogen und muss abgeschleppt, instandgesetzt und neu zugelassen werden. Das bedeutet laut Polizei Kosten im vierstelligen Bereich.

Unter Motorradfahrern herrsche andererseits die Devise: „Loud pipes save live“, was soviel heißt wie „laute Rohre retten Leben“. Zu einer Harley gehöre ein ordentlicher Klang, heißt es dann. Während in Wohngebieten viele Rücksicht nähmen, dächten sie nicht daran, dass in den Tälern des Odenwalds die Motorengeräusche auch außerhalb der Ortschaften sehr störend wirkten.

Lammel betonte ausdrücklich: „Unsere Maßnahmen richten sich nicht gegen die große Masse der Motorradfahrer, die sich an die Verkehrsregeln halten, sondern gegen jene, die zu schnell und zu laut unterwegs sind.“

Sicherheitstraining

Die Polizei lädt für Sonntag, 28. April, von 13 bis 17 Uhr gemeinsam mit dem ADAC zu einer Veranstaltung auf dem Parkplatz am Skilift von Beerfelden (B45), einem typischen Biker-Treffpunkt. Superbike-Champion Markus Reitberger wird Autogramme geben und erklären, wie man als Motorradfahrer auf Rennstrecken kommt. An Aktionsständen besteht die Möglichkeit, sich bei Experten zu den Themen Technik und Fahrsicherheit zu informieren, einen Motorrad-Schräglagentrainer auszuprobieren und an einer kostenlosen Gefahrensensibilisierungsfahrt der Polizei teilzunehmen. Der ADAC bietet an diesem Tag eine Rabattaktion an, um an einem vergünstigten Motorrad-Fahrsicherheitstraining teilnehmen zu können. (cka)

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