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Wer abseits der Strecken fährt, riskiert ein hohes Bußgeld.

Bad Homburg

Biker bauen illegale Rennstrecken in den Wäldern

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Allein im Wiesbadener Stadtwald gibt es 20 bis 30 Pisten. Nun wollen die Förster Schilder aufstellen und die Strecken sperren lassen. Die Polizei soll kontrollieren.

Die Wiesbadener Forstamtsleiterin Sabine Rippelbeck spricht von einer exponentiellen Zunahme. Der stellvertretende Leiter des Forstamts Königstein, Hubertus Behler-Sander, sagt: „So was wie in diesem Jahr habe ich überhaupt noch nicht erlebt.“ In den Wäldern im Taunus und im Wiesbadener Stadtwald sind in den vergangenen Wochen unzählige illegale Mountainbikestrecken entdeckt worden. Wegen geschlossener Sportanlagen, vermuten die beiden, zieht es die Biker in die Wälder. „Aber das ist und bleibt verboten“, sagt Rippelbeck.

Unterhalb des Herzbergturms bei Bad Homburg war Revierleiter Philipp Gerhardt bei einem seiner Kontrollgänge kürzlich auf einen am Boden liegenden Baumstamm gestoßen. Unbekannte hatten den Stamm mit dem Hinweis „Racetrail“ und einem Pfeil besprüht. Gerhardt folgte dem Pfeil durch junge Baumbestände, kroch durchs Dickicht und fand schließlich weit abseits der befestigten Wege, dort, wo unterem anderem die unter Schutz stehende Rote Waldameise ihre Behausungen baut, eine neu errichtete Anlage. „Da mussten wir sofort reagieren“, sagt Behler-Sander. Schilder sollen nun auf die rechtlichen Grundlagen hinweisen. Die Zufahrt soll demnächst mit Gattern gesperrt und die Strecke mit Kronenholz möglichst unpassierbar gemacht werden.

Das Hessische Waldgesetz verbietet das Anlegen von Wegen im Wald ohne Zustimmung der Eigentümer. Es droht mit Bußgeld bis zu 25 000 Euro. Doch die schrecken nicht ab.

Der Leiter des Reviers Eppstein, Peter-Friedrich Lepke, hat in den Wäldern rund um die Stadt mehrere Trails entdeckt. Manche, wie der am Hammersberg zwischen dem Eppsteiner Stadtteil Ehlhalten und Oberjosbach, sind mit Schanzen ausgestattet. Dort wurden Bäume gefällt, an andere wurden Bretter genagelt. Ins abschüssige Terrain seien steile Kurven gebaut worden. 90 Prozent der Biker hielten sich an die Regeln, sagt Lepke. Die wenigen aber, die abseits der Wege unterwegs sind, richten großen Schaden an. Sie zerstören junge Bäume, nehmen keine Rücksicht auf geschützte Arten, dringen dort ein, wohin sich Tiere zurückziehen. Um die illegalen Trails entfernen zu lassen, die Strecken und Zufahrten zu sperren, ist ein personeller und finanzieller Aufwand nötig, den die Forstämter nicht leisten können. „Wir müssen die Borkenkäferschäden beseitigen, dafür brauchen wir jeden Mann“, sagt Behler-Sander.

Die Förster wollen mit den Radsportlern zusammenarbeiten und suchen das Gespräch. In den vergangenen Jahren gab es runde Tische zu dem Thema, sind im Taunus und in Wiesbaden offizielle Strecken freigegeben worden.

Wenn Gespräche, Schilder und Absperrungen keine Wirkung erzielen, bleiben nur noch Polizeikontrollen. Und selbst die zeitigen nur bedingt Erfolge. Im Wiesbadener Stadtwald, schätzt Forstamtsleiterin Rippelbeck, gibt es 20 bis 30 illegale Abfahrtsstrecken. Um dort zu kontrollieren, seien mehr Ordnungskräfte notwendig, aber die würden auch woanders benötigt. Letztlich sei das, was einige Biker in den Wäldern anrichten, „eine Frechheit auf Kosten der Allgemeinheit“.

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