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Bei schönem Wetter ist viel los am Feldberg.

Biker

Biken und leben lassen im Hochtaunus

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Motorradfahrer nehmen geplante Sperrungen im Feldberggebiet gelassen.

Die Drohung hat sich längst rumgesprochen. Auch bis zu den Bikern, die aus der Kölner Kante stammen. Ihre Reaktion auf die geplante Sperrung der beliebtesten Zufahrt zum Feldberg passt zur Stimmung unter den Motorradfahrern, die auf den höchsten Taunusgipfel brausen, um Ausblick und Benzingespräche zu genießen. Stoische Gelassenheit trifft am ehesten die Tonlage, die hier vorherrscht, zu wertvoll die Biker-Zeit, um sich über so einen „Schmarrn“ zu echauffieren.

Zu Hunderten sind sie hinauf gepilgert, zum Teil Ohren betäubend laut, andere in moderater Tonlage. Nur leise schnaufend die unmotorisierten Biker auf zwei Rädern. Am höchsten Punkt des Plateaus stehen die in der Sonne glitzernden Maschinen aufgereiht, die Stimmung ist entspannt, hier oben sind alle lässig. Motorradfreaks in schwerer Kluft und leicht bekleidete Radler in friedlicher Koexistenz.

Hier lässt auch mal einer Wagners „Walkürenritt“ aus der Anlage in seiner „Gold Wing“ dröhnen. Am Kiosk ist die Schlange lang, die Currywurst mit Pommes ist beliebt, dazu Kaffee oder Cola. Keiner regt sich groß auf, dass die Polizei und „die Politiker“ sie hier im Mai und September zeitweilig aussperren wollen.

„Eine schwierige Lage“, sinniert Oliver Preiß (48) aus Hanau. Unterm Hintern hat er ein feuerrotes Geschoss, das mehr als 100 PS auf die Straße bringt und nie ausgefahren werden kann, weil bis zu 300 Stundenkilometer schnell. Muss auch nicht sein, der Vater zweier Kinder ist aus dem Alter der „Heißsporne“ raus, wie er die jungen Grenzgänger nennt. „Ich verstehe die Anwohner, die sich über Lärm aufregen, auch den Handlungsdruck der Politik, glaube aber nicht, dass durch solche Entscheidungen weniger Unfälle passieren. Das Problem wird nur auf andere Pisten verlagert.“

Das Problem sind „die paar Verrückten“, die den anderen den Spaß verderben. „So ist es halt immer“, heißt es an jeder zweiten Maschine. Sind die Helme vom Kopf, kommen viele graumelierte Köpfe zum Vorschein. Sie haben das Rennalter hinter sich gelassen, durchfahren zu ihrem Vergnügen die Taunuskurven und werden ungern zu „potenziellen Organspendern“, wie die „Kurvenkratzer“ und Geschwindigkeitsjunkies mit ihren aufgemotzten Maschinen in der Szene auch genannt werden. Im Umfeld der „Applauskurve“ zwischen Hohemark und Sandplacken etwa.

Was die Vernünftigen ärgert, ist der „massive Eingriff in Persönlichkeitsrechte“, wie es der Hanauer Preiß nennt. Auch der 20-jährige Robin Schön aus Bad Vilbel sieht das so. Gerne testet er den Sitz auf dem roten Feuerstuhl des Kollegen, aber er weiß auch, dass er so viel PS und Tempo noch nicht beherrschen kann. Infizieren lässt er sich gerne von der Lust, mit der Preiß seine Leidenschaft pflegt. Dessen Augen leuchten, „mit fast 50 ist es immer noch das schönste Hobby“.

Der Erfahrene und der Junge sind sich einig: Sperrung bringt nichts, verstärkte Kontrollen sind in Ordnung, auch sogenannte „Section Controls“, wo die zurückgelegte Strecke die Überschreitung des Tempolimits verrät. Und auch die Herausnahme von „schwarzen Schafen“.

Bei den zwei Jungs, die mit Gedröhn und hochgezogenen Vorderreifen am Kiosk vorbeibrettern, würden die anderen sofort dazu nicken. Die Verrückten, die alle in Verruf bringen, sind das Problem. „So ein Verhalten ändert sich auch nicht durch Unfälle“, glaubt Klaus-Peter Seeliger (63) aus Hofheim, der im jungen Rentenalter auf eine

„altersgerechte“ Harley Davidson umgestiegen ist, wie er es we-gen der bequemen Fahrhaltung nennt. Sperrungen scheren ihn nicht. „Es gibt andere Zufahrten, so schlimm ist es nicht.“ Sehen hier fast alle so.

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