MARKTFÜHRER

Ein Bier, das keinen Stress kennt

Mit Waldemar Thomas beim Brauhaus Castel in Mainz-Kastel

In Franz Kellers Adlerwirtschaft hatte sich der Marktführer als Apéritif ein kleines Bier kommen lassen. Sie zapften es in Ruhe, es hatte die richtige Temperatur (war also nicht eiskalt) und schmeckte derart gut (also nicht bloß bitter nach Hopfen), dass die Neigung, die gut sortierte Weinkarte mal beiseite zu lassen, groß war. Was da dem Rheingauer Wein beinahe die Schau gestohlen hätte, war Bier vom Brauhaus Castel. Also nichts wie hin.

Die Gasthausbrauerei wurde 1990 in einem geräumigen, gemütlichen Haus am Stadtrand von Mainz-Kastel eröffnet. Im Jahr 2001 übernahm sie die Frankfurter Gastronomen-Familie Sonne, bekannt von der Heddernheimer "Speisekammer". Am bewährten Konzept des Hauses Veränderungen vorzunehmen, dafür gab es keinen Anlass.

Nach wie vor werden aus Bamberger Malz, Tettnanger Doldenhopfen und Wasser aus einer Taunus-Quelle die Biere gebraut, von denen man nicht genug kriegen kann, so wunderbar süffig sind sie. Da fehlt es nicht an Gästen, die dem Bier zu deftigen, gut zubereiten Speisen eifrig zusprechen. In den lichten, nach alpenländischer Manier mit hellem Holz vertäfelten Gasträumen oder bei passendem Wetter im Biergarten. Der Bahnhof ist übrigens nur 20 Minuten Fußweg entfernt. Braumeister Friedrich Schulte weist darauf hin, dass sein Bier auch gesünder sei als das der Konkurrenz aus den Großbrauereien. Denn es wird nicht filtriert und auch nicht pasteurisiert, weil es ja keinem Transportstress ausgesetzt ist.

Es enthält also noch all seine wertvollen Inhaltsstoffe. Die machten Bier zu Zeiten, die noch gar nicht so lange vergangen sind, zum wichtigen, überaus geschätzten Nahrungsmittel, zum wahrhaft flüssigen Brot. "Heute back ich, morgen brau ich..." - aus gutem Grund nennt das Märchen vom Rumpelstilzchen das Backen und Brauen in einem Atemzug.

Zur Qualität der Kasteler Biere trägt zudem bei, dass sie mindestens drei, oft genug auch sechs Wochen lagern, bevor sie zum Durstlöschen frei gegeben werden. Die Großbrauereien gönnen ihrem Gerstensaft gerade mal fünf, sechs Tage Zeit zum Reifen. Bei kostenlosen Führungen, die nach Voranmeldung für Gruppen ab fünf Personen möglich sind, kann man sich das genauer ansehen.

Nach Hause tragen lässt sich das helle oder dunkle Bier im mit zwölf Halbliter-Flaschen gefüllten, zünftigen Holzkasten für 12,60 Euro. Oder im 20-Liter-Fass für 36 Euro. Für größere Veranstaltungen sind 30- und 50 Liter-Fässer erhältlich. Der mit zehn Flaschen geladene Kasten Hefeweizen kostet 7,10 Euro. Mit einer Zweiliter-Bierkanne, die mit Hell, Dunkel oder Weizen gefüllt ist, erwirbt man für 15,80 Euro ein apartes Geschenk. Erst recht, wenn man sich eines der Saisonbiere hinein gießen lässt, wie sie die Kasteler je nach Jahreszeit brauen: Weihnachtsbock, Maibock, Märzen oder Fastnachtsbock.

Zu all dem schmeckt garantiert ein handfester Schweinsbraten mit Knödeln und ungemein leckerer Biersauce (die mit Laugenbrezeln gebunden wird).

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