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Bewährung nach Schlag mit der Bierflasche

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Kelkheim 27-Jähriger sieht sich selbst als Opfer, nimmt das Urteil aber an

Ein 27 Jahre alter Mann aus Somalia, der einem gleichaltrigen Landsmann im Streit am 10. April 2020 spätabends in Kelkheim eine Flasche auf den Kopf gehauen, ihm Zähne ausgeschlagen, ihn am rechten Auge verletzt und auch noch das Nasenbein zertrümmert haben soll, stand jetzt vorm Amtsgericht in Königstein. Der Mann bestritt im Prozess die Tat und drehte den Spieß um: Er sei das Opfer und nicht der Aggressor. Der andere habe angefangen, sich bei dem Angriff selbst verletzt und sich das eigene Blut im Gesicht und auf dem Kopf verschmiert - um es ihm, dem Angeklagten, in die Schuhe zu schieben. Das Gericht stufte diese Variante jedoch als wenig glaubwürdig ein und verurteilte den bis dato nicht vorbestraften Mann zu einer zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafe von zehn Monaten und der Auflage, 500 Euro in 20 Raten zu 25 Euro zu zahlen. Einen anderen Vorschlag zur Verurteilung hatte der anwaltlich nicht vertretene und um die Verlängerung seines Aufenthaltstitels besorgte Angeklagte nicht. Er nehme das Urteil an, auch wenn er unschuldig sei, sagte der Kelkheimer.

Es wurde viel getrunken

Angeklagter und Geschädigter waren sich nur in zwei Punkten einig: Es habe Streit gegeben und es sei mehr oder weniger viel Alkohol im Spiel gewesen. Der 27 Jahre alte Geschädigte will selbst nur leicht angetrunken gewesen sein. Deshalb erinnere er sich auch noch recht gut an den Vorfall kurz vor Mitternacht am Berliner Ring in Kelkheim. Der Streit sei religiös motiviert gewesen. Dem Angeklagten habe es nicht gepasst, dass er zum Christentum konvertiert ist.

Die zunächst nur verbale Auseinandersetzung sei daraufhin eskaliert, wobei ihm der Angeklagte eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen habe. Diese sei dabei zu Bruch gegangen, ob bereits auf seinem Kopf oder erst beim Aufschlagen auf den Boden, wisse er nicht mehr. Ihm, dem Zeugen, sei dabei eine kleine Schnittverletzung am kleinen Finger beigebracht worden. Wegen der Schmerzen am Kopf und am Auge habe er sich mit der verletzten Hand ins Gesicht gefasst.

Die Version des Angeklagten, der sich als glaubensmäßig total toleranten Menschen beschrieben hat, klingt anders. Er bestätigte, dass es Streit gegeben habe, nannte aber keinen Grund dafür. Möglicherweise sei es um Geld gegangen. Der 27-Jährige habe nach einer Glasflaschenscherbe auf dem Boden gegriffen und ihn damit angegriffen, sich dabei aber offenbar selbst verletzt. Er, der Angeklagte, habe sich nur gewehrt, aber gesehen, wie sich der andere sein eigenes Blut in Gesicht und Haare geschmiert habe - um sich der Polizei gegenüber, die sehr schnell zur Stelle gewesen sei, als Opfer zu präsentieren.

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