+
Die klassische Haltekelle ist bei der hessischen Polizei auch weiterhin im Einsatz.

Verkehrsunfälle in Hessen

Beuth fordert null Promille für Berufsfahrer

  • schließen

Minister Beuth will eine Änderung des Bundesgesetzes, um den Kontrolldruck im Verkehr zu erhöhen.

Beim Fahren lässt sich nebenbei viel erledigen. Eine Frau stillt ihr Kind hinterm Steuer. Ein Lastwagenfahrer putzt sich die Zähne und rasiert sich: Bei rund 25 Prozent aller Verkehrsunfälle ist Ablenkung mit im Spiel. „Das hat mittlerweile Dimensionen erreicht, die nachdenklich machen“, sagte Landespolizeipräsident Udo Münch am Mittwoch bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik 2018.

Die stillende Mutter und den Lastwagenfahrer hatten Beamte bei Verkehrskontrollen entdeckt. Seine Leute würden gerne Menschen besser ausspähen können, die während der Fahrt nicht die Finger vom Handy lassen können oder von anderen Dingen, die die Gefahr eines Unfalls erhöhen – erst recht wenn sie schnell oder zu nah am Vordermann unterwegs sind.

Innenminister Peter Beuth (CDU) kündigte einen höheren Kontrolldruck an. Alle sieben Polizeipräsidien verfügten jetzt über mobile Blitzanlagen, die sie an Unfallschwerpunkten einsetzen können, etwa Baustellen. Die Videostreife für die Autobahn wurde auf 14 Fahrzeuge verdoppelt. Die sind mit verbesserter Technik ausgestattet, um gerichtsfeste Aufnahmen von Autofahrern zu erstellen, die keine Rettungsgassen bilden oder gaffen. Für die Kontrolle von Motorradfahrern gibt es die „Videostreife Krad“ mit zehn Zweirädern. Und Lastwagenfahrer können sich künftig auch nicht mehr ungestört fühlen. Hessens Polizei verfügt über einen ziviler weißer Kastenwagen, der mit hochauflösenden Kameras in die Fahrerkabine filmen kann.

Hessen sei ein Transitland, sagte Beuth. Deshalb seien hier besonders viele Lastwagen unterwegs. In den Zwangspausen an den Wochenenden sprechen einige Fahrer übermäßig dem Alkohol zu. Das hatte die Polizei bei einer hessenweiten Kontrolle Ende Januar belegt. 190 Personen hatten getrunken, 79 so viel, dass sie nicht losfahren durften. Spitzenreiter war eine Bulgare mit 1,6 Promille im Blut.

Beuth will sie jetzt auf Bundesebene dafür einsetzen, dass für Berufskraftfahrer die Null-Promille-Grenze gilt, so wie für Lenker von Bussen, Taxen oder Gefahrgut. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass für einen 18-jährigen Fahranfänger mit seinem Kleinwagen null Promille gelten, ein Sattelzugfahrer seinen 40 Tonnen schweren Lkw aber noch mit bis zu 0,49 Promille im Blut fahren darf.“ In den vergangenen drei Jahren hätten sich in Hessen 382 Verkehrsunfälle ereignet, an denen alkoholisierte Lastwagenfahrer beteiligt waren. Vier Personen sind demnach dabei ums Leben gekommen, 29 wurden schwer und 101 leicht verletzt.

Keinen Bedarf sieht Beuth, die Promillegrenze für sämtliche Fahrzeugführer auf Null zu senken: Das 0,5-Limit habe sich bewährt. Trotz der hohen Verkehrsdichte auf den Autobahnen lehnt der Minister auch eine generelle Tempobeschränkung von 130 ab: Die Erfahrung zeige, dass die meisten Unfälle innerorts oder auf Landstraßen passierten.

Bilanz der Verkehrsunfallstatistik in Hessen

Die Gesamtunfallzahlen sind gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 146 941 gesunken. Im Jahr 2009 waren es 130 075.

Bei den Schwerverletzten sank die Zahl auf 4630, die der Getöteten stieg auf 239. Darunter waren 28 Radler.

Bei jedem dritten Getöteten war Geschwindigkeit die Unfallursache.

Innerorts passieren die meisten Unfälle (65 Prozent), die wenigsten auf Autobahnen (12 Prozent). Bei Unfällen außerorts starb mehr als die Hälfte der Todesopfer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare