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Betreuungsdruck und Pillen-Knick

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Der Nachwuchs soll in den Kitas betreut und nicht verwahrt werden, genügend Fachpersonal ist das A und O. Doch daran hapert es auch in der Kurstadt erheblich. dpa
Der Nachwuchs soll in den Kitas betreut und nicht verwahrt werden, genügend Fachpersonal ist das A und O. Doch daran hapert es auch in der Kurstadt erheblich. dpa © picture alliance / dpa

Bei Bedarf an Kita-Plätzen spielen sinkenden Geburtenzahlen eine zunehmende Rolle

bad homburg - Nachdem sich der Jugend- und Sozialausschuss jüngst der Betreuung von Grundschulkindern gewidmet hatte, ließ sich der Jugendhilfeausschuss bei seiner Sitzung über die gesamte Kinderbetreuung informieren. Die „Fortschreibung der Kindertagesstätten-Entwicklungsplanung“ stand auf der Tagesordnung. Nachdem im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie die Datenlage zu dünn war, hatte die Politik beschlossen, sich außer der Reihe schon nach einem Jahr ein Update geben zu lassen - und zwar von Gabriele Bernhard aus der Verwaltung. Dabei zeigte sich, dass die Stadt zwar eifrig dabei ist, die baulichen Voraussetzungen zu schaffen, um das Angebot weiter auszubauen, dass jedoch die Fachkräfte der limitierende Faktor sein werden. „Die Träger sind gefordert, neues Personal zu generieren und altes zu halten.“

574 Plätze durch Neubaugebiete benötigt

Die Stadt schätzt mittlerweile, dass durch die diversen Neubaugebiete 574 Betreuungsplätze benötigt werden - 111 Krippenplätze, 262 Kindergartenplätze und 201 Betreuungsplätze für Schulkinder. „Im vergangenen Jahr sind wir noch davon ausgegangen, dass insgesamt 350 Plätze benötigt werden, jetzt haben wir aber Daten von den Familien, die bereits eingezogen sind und können hochrechnen“, so Bernard.Insgesamt rechnet die Verwaltung jedoch nur mit einem Mehrbedarf von rund 540 Plätzen. Schuld ist der demografische Wandel. So gehe man von einem fünfprozentigen Rückgang der Bevölkerung aus. Die Geburtenzahlen jedenfalls sprächen eine eindeutige Sprache. „2011 hatten wir 626 Neugeborene in der Stadt, 2015 gab es mit 631 den Spitzenwert“, sagt Bernhard. Seitdem sinke die Zahl, für 2021 stünden nur noch 450 Geburten in den Büchern. Derzeit durchliefen die geburtenstarken Jahrgänge die Grundschule, das werde sich aber mittelfristig ändern. Auch sei bislang zu beobachten gewesen, dass 30 bis 60 Prozent der Kinder in den Neubaugebieten schon vorher mit ihren Familien in der Stadt gewohnt hätten.

„Innerhalb von zehn Jahren so ein Unterschied bei den Geburten?“, konnte Alischa Kisser (CDU) den Rückgang um rund 30 Prozent kaum glauben. Doch den bestätigte Bernhard mit Verweis auf den „Pillen-Knick“, der sich nun in zweiter Generation auswirke, schränkte aber ein: „Bad Homburg ist mit dem Rhein-Main-Gebiet speziell. Wir haben einen hohen Zuzug, die Lage ist sehr dynamisch und schwer vorherzusagen.“

So oder so: In den kommenden Jahren sollen in der Stadt zahlreiche Betreuungsplätze geschaffen werden - und dann könne man flexibel auf die Entwicklung reagieren. So könnten etwa Krippen-Gruppen in Kindergarten-Gruppen umgewandelt werden, wenn der Bedarf an Krippenplätzen geringer sei als das Angebot. Langfristig sei das Ziel, die Gruppengrößen in den Kindergärten zu verringern, um eine bessere Betreuung zu gewährleisten - wenn den ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Im Deutschlandvergleich steht die Kurstadt jedenfalls gut da. Bei den Unter-3-Jährigen liegt die Versorgungskapazität bei 51,7 Prozent (Deutschland 34,4), die Homburger Zielvorgabe bei 55 Prozent. Im Kindergarten-Alter gibt es in Bad Homburg unter anderem wegen der Möglichkeit, dass Pendler ihre Kinder in der Stadt betreuen lassen, eine Versorgung von 124 Prozent (Ziel: 135 Prozent), deutschlandweit sind es 92,2 Prozent. Und für 66,2 Prozent aller Grundschüler stehen in Bad Homburg derzeit Betreuungsangebote bereit, 75 Prozent sollen es werden. In Deutschland liegt die Versorgungsquote bei 64 Prozent. Und Bernhard wagt einen Blick in die mittelfristige Zukunft: „Ich habe die Sorge, dass wir dann die Häuser haben und sie nicht voll bekommen.“

Bezogen auf den nötigen Ausbau der Kapazitäten, erklärte sie: „Der Druck ist jetzt schon da. Wir haben aber kein planerisches Problem, sondern eins mit der Umsetzung.“

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