Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) war am 18. März der Erste, der sich im Rodgauer Testcenter der Covimedical GmbH testen ließ. Foto: Stadt Rodgau
+
Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) war am 18. März der Erste, der sich im Rodgauer Testcenter der Covimedical GmbH testen ließ.

Rhein-Main

Betreiber von Corona-Testzentren wartet auf Geld aus Berlin

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
    schließen
  • Annette Schlegl
    Annette Schlegl
    schließen

Das Unternehmen Covimedical, das im Rhein-Main-Gebiet mehrere Testzentren betreibt, stoppt die kostenlosen Bürgertests, weil vom Bund bisher noch kein Geld geflossen ist.

Das Unternehmen Covimedical GmbH, das im Rhein-Main-Gebiet mehrere Testzentren betreibt, nimmt aktuell keine Terminbuchungen für die kostenlosen Bürgertests mehr an, weil der Bund die entstandenen Kosten bisher nicht bezahlt hat. „Mindestens bis zum 15. April, eher aber bis zum 20. April“, sagt Firmengründer und Geschäftsführer Christoph Neumeier. Kostenpflichtige PCR-Tests sowie Firmentestreihen werden in den Testzentren aber nach wie vor durchgeführt genauso wie die kostenlosen Schnelltests, die die Bürger und Bürgerinnen schon gebucht haben. „Alle Tests, die uns jetzt noch zur Verfügung stehen, werden auf die Testzentren aufgeteilt“, sagt Unternehmenssprecher David Timm.

Das Unternehmen Covimedical wurde am 11. Dezember 2020 in Dillenburg gegründet und hat inzwischen deutschlandweit 69 Testzentren eröffnet. In Hessen bietet es per Buchung auf www.15minutentest.de an 13 Standorten die kostenlosen Bürgertests an – unter anderem in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Rodgau und Heusenstamm.

Seit dem 9. März gibt es die kostenlosen Bürgertests. Schon am 1. April hatte die Firma an die Gesundheitsminister des Bundes und des Landes sowie an die Kassenärztliche Vereinigung in einem offenen Brief einen dringenden Appell gerichtet. Geschäftsführer Neumeier bat darin um finanzielle Unterstützung, weil sein Unternehmen mit sämtlichen Kosten für die kostenlosen Tests in Vorleistung gegangen sei. „Bis heute haben wir weder eine schriftliche Zusage der Kostenübernahme erhalten, die uns helfen würde, kurzfristige Zwischenfinanzierungen oder Kredite zu erhalten, noch eine konkrete Information, von wem wir wann die Kosten erstattet bekommen“, hieß es damals in dem Schreiben.

Covimedical wartete jedoch vergebens auf die Erstattung der Kosten für die Bürgertests – und zog deshalb am Donnerstag die Reißleine. Nach über 350 000 durchgeführten Tests stoppe man vorübergehend die Vergabe von neuen kostenlosen Bürgertests, heißt es nun auf der Internetseite. Die weitere Finanzierung des Verbrauchsmaterials und der Tests aus eigenen Mitteln sei nicht mehr möglich.

Nach Aussage von Timm stehen acht Millionen Euro an Zahlungen aus. Allein am Osterwochenende habe Covimedical deutschlandweit 250 000 Tests durchgeführt, für die es in Vorkasse getreten sei. Um solche Testcenter wie in Frankfurt oder Darmstadt am Leben zu halten, wo an Ostern täglich rund 1000 Tests durchgeführt wurden, brauche man 170 000 Euro pro Tag. „Sobald eine Zahlung kommt, können wir wieder Bürgertests anbieten“, sagt Timm. Die Lieferanten würden „Gewehr bei Fuß“ stehen, könnten die Materialien aber nicht mehr auf Pump abgeben.

Mitte April könnten die Unternehmen mit der Überweisung vom Bundesamt für soziale Sicherung rechnen, informiert die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, die das Geld auszahlt. Rund 700 Teststellen listet das Sozialministerium auf seiner Homepage auf, von der Apotheke bis zur DM-Drogerie. Das Problem von Covimedical, so der KV-Sprecher, sei „kein flächendeckendes“.

Man sei mit der KV in Gesprächen, sagt Unternehmenssprecher Timm. Am 15. April solle die erste Zahlung für den Monat März geleistet werden – „mit der Ansage, dass das Geld am 19. April da ist“. Die rückwirkende Zahlung der KV werde das Problem aber nicht beseitigen, so Timm, weil sie zu gering ausfalle. Im März sei die Nachfrage nach Bürgertests kleiner gewesen, weil die Inzidenzen geringer waren. Jetzt werde viel mehr getestet, was auch heiße, dass Covimedical viel höhere Kosten entstünden. „Wöchentliche Abschlagszahlungen würden uns helfen oder eine Zwischenfinanzierung vom Bund“, sagt Timm. „Wir brauchen 10 bis 15 Millionen Euro für den steigenden Bedarf.“

Er habe das Unternehmen gegründet im Vertrauen darauf, dass die Politik Wort halte, sagt Firmenchef Neumeier – auch wenn anfangs noch kein Abrechnungsweg klar gewesen sei. Mittlerweile sind mehr als 1100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt; fast alle stammen wie der Firmengründer selbst aus der Veranstaltungsbranche. „Wir haben in vielen Städten Menschen aus der Kurzarbeit geholt“, sagt Timm.

Die hessische SPD-Abgeordnete Daniela Sommer bat die Landesregierung am Freitag um Klärung. „Wenn Betreiber mitteilen, dass sie gezwungen sind, den Betrieb der Teststationen bis zur Abrechnung der Vorleistungen zu schließen, dann ist das ein deutliches Warnsignal, auf das Sozialminister Klose reagieren muss.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare