Oberursel

Besucher kommen zu verkaufsoffenem Sonntag

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Das Markttreiben zu Ehren des Heiligen Martin mit Umzug und Feuershow auf dem Marktplatz lockt Besucher nach Oberursel.

Die Mülleimer in der innersten City quellen im ersten Abendlicht über. Ein untrügliches Zeichen, das Volk hat gut gefuttert. Pappe und Plastikbecher säumen das Umfeld. Der Mönchsspieß geht gut am heiligen Sonntag, der Pfaffendödel ebenso, die mittelalterlich gewandeten „Spiesser“ auf dem Marktplatz machen endlich das erhoffte Geschäft. Überschaubar das Publikum noch am feuchten Samstag, tags drauf dürfte auch der Einzelhandel ein wenig aufgeatmet haben, der zum wiederholten Mal in diesem Jahr zum verkaufsoffenen Sonntag rief. Jedenfalls die Geschäftsleute, die ihren Laden geöffnet hatten, auch in diesem Fall passte das Wort überschaubar.

Unverdrossen hämmert der Goldschmied an der Verkehrsachse Oberhöchstadter Straße vor seinem Geschäft, das pralle Mittelalterleben spielt sich ein Stück weiter oben im innersten Kern der City ab. Vor allen an den Tränken und den Futterstellen. Im Regen am überdachten Tresen der „Grafentaverne“, wo man enger zusammenrückt und den vorbeiziehenden Musikanten und ihren derben Liedern lauscht. Später dann auch vor der „Midgardschänke“ und überall da, wo es Met und ähnliche anregende Getränke gibt. Oder vor dem Stadtmuseum, wo der Gaukler Marbun seine Schau mit Taschenspielertricks und flotten Sprüchen abzieht.

Aber wo ist Sankt Martin, dem zu Ehren der Markt ja eigentlich stattfindet? Der rührige Mann, der einst seinen Mantel mit einem Bettler geteilt haben soll und fortan einen wichtigen Platz in der Geschichte eingenommen hat. Im kleinen gar nicht mittelalterlichen Zelt in der Fußgängerzone von Oberursel erfahren Kinder von den Taten des Edelmannes, erzählt werden sie von Damen der Pfarrei Sankt Ursula. Die Geschichte von Martinus, der eigentlich aus Ungarn kam und später mit seiner Familie nach Italien ging, weil der „Papa ja römischer Soldat war“, wie die gespannt lauschenden Kinder erfahren.

Laternen basteln

Am Basteltisch kann später noch letzte Hand an die Laterne gelegt werden, der Höhepunkt mit dem Umzug um die Kirche Sankt Ursula auf dem höchsten Punkt der Altstadt am frühen Abend wartet schon. Die Lampions leuchten meist von Batterien betrieben. Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne… Ein Stück weiter unten wird vor der Brunnenfigur der Heiligen Ursula eine kleine Feuershow geboten. Es ist nicht gar so angenehm draußen am regnerischen Samstagabend.

Aber am Sonntag, der die erhofften Massen in die Innenstadt und die Altstadt spült. Da müssen sich Trampeltier und Dromedar mit ihrer Führerin schon fast einen Weg bahnen auf dem ungefähr 160 Meter langen Weg am Rand des Marktgebietes. Ein paar Minuten für fünf Euro, dann ist der Spaß auch schon wieder vorbei, der Abstieg über die Klappleiter führt zurück auf den Boden der nüchternen Welt ohne Kamele. „Das eine Kamel hat Pipi gemacht und eine Taube ist durchgelaufen“, registriert Per (7) nach dem Abstieg aufmerksam. Im leichten Regen verziehen sich die Spielleute unter ein Zeltdach, um die Instrumente zu schonen. Zum Spielen gibt es genug, drei aus dem Quartett zücken sofort das Smartphone.

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