Nur wer ein Flugticket hat, ist näher dran: Mit dem Bus geht es für die Gewinner direkt an die Urlaubsflieger, Frachter und Schlepper.
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Nur wer ein Flugticket hat, ist näher dran: Mit dem Bus geht es für die Gewinner direkt an die Urlaubsflieger, Frachter und Schlepper.

Frankfurter Flughafen

Zu Besuch auf dem Vorfeld des Flughafens

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Ganz nah dran: Bei der FR-Aktion "Ferien zu Hause" kann man auf dem Frankfurter Flughafen dem Bodenpersonal direkt über die Schulter schauen.

Eins, zwei, sieben Jumbos mit Kranichen auf ihren Flügel stehen vor den Terminals. Dazwischen wuseln Gepäcktransporter und Arbeiter in Warnwesten. Auf dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens ist viel los. Drinnen, vor dem Schalter in Terminal 1, Halle C, Ebene 2 sammeln sich die Menschen. Die Frau hinter dem Schalter ist nervös – sie kämpft mit ihrem Computer: „Sie müssen sich noch ein bisschen gedulden. Das ganze Buchungssystem ist abgestürzt.“ Aber nach zehn Minuten geht es los mit der 45-minütigen Führung über das Rollfeld.

Die Besuchergruppe ist durchmischt – von alt bis jung ist alles dabei. Julia, Ida, Franzi und Karina sind 18 Jahre alt. Sie haben vor kurzem ihre Ausbildung zu Kinderpflegerinnen beendet. Ihre Abschlussfahrt führt sie hierher. „Viele aus unserer Klasse waren noch nie auf einem Flughafen“ sagt Julia. Ida stimmt ihr zu: „Hoffentlich sehen wir Flugzeuge.“

Flugzeuge gibt es hier genug – in allen Größen, Formen und Farben. Die Maschinen kommen aus Taiwan und Rumänien, London und Rom. 150.000 Menschen werden jedes Jahr als Besucher durch den Flughafen geschleust. Bevor die Besucher auf das Rollfeld dürfen, müssen sie durch die Sicherheitskontrolle. Taschen leeren, Gürtel ausziehen und ab durch den Metalldetektor – das erste „Highlight“ für die frischgebackenen Kinderpflegerinnen.

Im Bus rollen die Besucher über das Flughafengelände. Hier wird klar, warum sich viele Anwohner über Fluglärm beschweren. Auf den drei Landebahnen im Hintergrund hebt ständig irgendwo ein Flugzeug ab oder landet. Der Bus hält neben einem A380 der Lufthansa. Ein Förderband spuckt graue Würfel aus dem Bauch des Flugzeugs. „30 bis 40 Koffer passen in einen solchen Container hinein“, sagt Sascha Gebhardt, der seit Oktober 2012 Besuchergruppen über den Flughafen führt. Neben dem Flugzeug steht ein Tankwagen. Um 13.40 Uhr geht es in die indische Millionenstadt Delhi. „Dann muss der Tank voll sein“, sagt Sascha Gebhardt. Die Besucher haben ihre Kameras gezückt, viele sind aufgestanden. „Schaut genau hin“, fordert Gebhardt, „wenn die Tanks voll sind, biegen sich die Flügel etwas zum Boden.“

Der Bus bringt die Besucher auch vorbei an Feuerwache und Tanklagern. Vor dem Frachtzentrum stapeln sich Holzkisten voller Kühlschränke und Zierfische. „Von 100 Millionen Tieren, die jedes Jahr hier umgeschlagen werden, sind 80 Millionen Fische“, sagt Gebhardt. Die Frachtpiloten seien immer glücklich, „denn Fracht motzt nicht und kotzt nicht“. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr nutzten knapp 61 Millionen Fluggäste den Flughafen.

Vor Terminal 2 wird ein anderer A380 auf seinen Abflug vorbereitet. Ein Schlepper schiebt die Maschine auf die Startbahn. Der Koloss rollt auf den Bus zu. Einen Rückwärtsgang hat der A380 nicht. „Hoffentlich funktioniert die Lenkung“, sagt Gebhardt. Die Kinder im Bus kreischen vor Vergnügen. Der Airbus steht jetzt mitten auf der Bahn, nur wenige Meter neben den Besuchern in ihrem klimatisierten Bus. Der Pilot holt das Flugzeug aus seinem Schlaf. Die Triebwerke röhren und lassen den Bus zittern. In der Luft liegt Kerosin und Spannung. Digitalkameras sind im Dauereinsatz. Die Jüngeren schicken ihre Selfies vor dem Airbus direkt in die sozialen Medien.

Edgard Köhler hat keine Kamera dabei. Der Rentner ist früher selbst viel geflogen. „Ich war überall unterwegs, sogar ein paarmal in Asien.“ Jetzt ist er 83 Jahre alt und bleibt am Boden. Mit seinem Schwerbehindertenausweis kann er kostenlos an den Führungen teilnehmen. „Ich mache hier mit, um nicht zu vergessen, wie es ist, das Fliegen“, sagt er und lächelt.

Der A380 ist inzwischen auf der Start- und Landebahn. Das Flugzeug wird immer schneller. „Jetzt geht’s hoch“, ruft ein begeisterter Vater. „Kaum zu glauben, dass diese Kiste fliegen kann“, sagt eine Frau zu ihrem Begleiter. Das Flugzeug ist in den Wolken verschwunden, die Tour geht weiter. Die wichtigste Regel auf dem Rollfeld: Flugzeuge haben immer Vorfahrt. „Und ein bisschen Abstand zu den Triebwerken halten wir besser auch“, sagt Gebhardt, „sonst wird aus unserem Bus ein Airbus.“ Zwischen seinen Witzen erzählt der Guide von Flugzeugtypen und Urlaubsorten. Seine Faszination für die Fliegerei hat er auch nach fünf Jahren nicht verloren: „Ich habe immer meine Kamera dabei, falls ich mal ein seltenes Flugzeug oder eine besondere Lackierung sehe.“

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