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Die Handwerkskammern haben allen Grund, den erfolgreichen Nachwuchs zu feiern.

Wirtschaft

Die besten ihrer Zunft in Hessen

Hessisches Handwerk zeichnet 62 Gesellen und Gesellinnen aus. Doch die Nachwuchssorgen bleiben.

Aylin Hummel hat ein Herrensakko in blau-grauem Karomuster geschneidert, Samuel Bartl lässt einen Dämon eine Sandsteinstele hinaufklettern, und Felix Fritz hat eine Werbetafel mit Neonröhren im Stil der 70er Jahre gebaut. Die Maßschneiderin, der Steinmetz und der Schilder- und Lichtreklamehersteller gehören zu den 62 besten Gesellinnen und Gesellen, die das hessische Handwerk am Donnerstag im Wiesbadener Kurhaus als die jeweils Besten in ihrem Beruf ausgezeichnet hat.

Die Handwerkskammern haben allen Grund, den erfolgreichen Nachwuchs zu feiern. Seit Jahren hat das Handwerk Konjunktur – und klagt zugleich über den Mangel an Mitarbeitern. Vor allem die Neigung vieler Schulabgänger zum Studium und die insgesamt zuletzt rückläufigen Jahrgangsstärken setzen den Betrieben bei der Suche nach Fachkräften und Auszubildenden zu.

Während etwa von 2008 bis 2018 die Zahl der Betriebe von knapp 70 000 auf knapp 75 000 anstieg und die Umsätze im selben Zeitraum um fast ein Viertel auf mehr als 36 Milliarden Euro im Jahr zunahmen, sank die Zahl der Lehrlinge von 30 000 auf 25 000 und ging die Zahl bestandener Gesellenprüfungen von knapp 7000 auf 5500 zurück.

„Begabte und fleißige junge Handwerkerinnen und Handwerker sind die beste Werbung für unser Schaffen“, sagte Bernd Ehinger, Präsident des Hessischen Handwerkstags. Der Vizepräsident der Handwerkskammer Wiesbaden, Andreas Brieske, forderte die ausgezeichneten Gesellen und Gesellinnen auf: „Seien Sie Botschafter für das Handwerk, und werben Sie für eine Karriere mit Lehre.“ Nur so lasse sich ein Wandel im Bewusstsein junger Menschen herbeiführen. Sie könnten auf das Geleistete stolz sein und sollten dies auch anderen zeigen, so Brieske.

Oliver Franz (CDU), Wiesbadens Wirtschaftsdezernent, warnte, aufgrund des Personalmangels könne das Handwerk an seine Wachstumsgrenzen stoßen. Junge Menschen sollten früh mit handwerklichen Tätigkeiten vertraut gemacht werden. An Schulen der Stadt gebe es deshalb seit einiger Zeit Lernwerkstätten.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) betonte die Bedeutung des Handwerks für die duale Berufsausbildung. So stellten die Betriebe zwei Drittel aller hessischen Auszubildenden. Er ermunterte die Preisträgerinnen und Preisträger, sich weiterzubilden, eventuell den Meister zu machen und vielleicht einen eigenen Betrieb zu eröffnen, um selbst auszubilden.

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