+
Vor allem fehlt es in Hessen an Erzieherinnen und Erziehern. 

Fachkräfte

Bessere Bezahlung, mehr Personal

  • schließen

Im Landtag suchen alle Fraktionen nach Lösungen für den Fachkräftemangel.

Es fehlt an allen Enden an Fachkräften in den sozialen Berufen. Zum Beispiel an Erzieherinnen und Erziehern.

Die Bertelsmann-Stiftung kam in ihrer jüngsten Erhebung zu dem Schluss, dass 8000 Vollzeitkräfte an den hessischen Kitas eingestellt werden müssten, um eine „pädagogische Personalausstattung“ zu gewährleisten. Wenn auch die Kita-Leitungen angemessen ausgestattet werden sollten, müssten weitere 1500 Stellen besetzt werden.

Auch wenn die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher in Hessen auf knapp 50 000 Fachkräfte deutlich gewachsen ist – ein Mangel wird allseits gesehen. Denn vor allem kleine Kinder bis zu drei Jahren werden immer häufiger zur Betreuung gegeben. Der Anteil der Jungen und Mädchen, die in diesem Alter eine Kita besuchen, hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt.

Die schwarz-grüne Koalition sieht die Probleme, bei der Kinderbetreuung wie in Gesundheit und Pflege, und verspricht Aktivitäten. Man wolle „einen besonderen Schwerpunkt“ darauf legen, Erzieherinnen und Erzieher und Pflegefachkräfte zu gewinnen, heißt es im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen. Doch nachdem die Misere schon viele Jahre anhält, will die oppositionelle SPD verstärkt darauf hinweisen und eigene Lösungen anbieten.

SPD fordert Aufwertung

Nicht zufällig hat Generalsekretärin Nancy Faeser, die sich um die Nachfolge von Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel bewirbt, diesen Bereich zu einem der zentralen Themen ihrer Partei erkoren. Faeser fordert „die Aufwertung der sozialen Berufe“ und erklärt: „Da geht es um ganz konkrete Schritte, zum Beispiel die Übernahme der Ausbildungsvergütung für Erzieherinnen und Erzieher, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung in der Pflege – aber auch darum, das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein für die Bedeutung und die Unverzichtbarkeit der Arbeit im sozialen Bereich zu stärken.“

Nach den Vorstellungen der SPD gilt: „Wir brauchen für die Arbeit, die da ist, mehr qualifiziertes Personal. Das wiederum bekommen wir nur, wenn die sozialen Berufe auch finanziell attraktiver werden.“ Notwendig sei etwa eine höhere tarifliche Eingruppierung.

Kritik an „Projektitis“

Auch die anderen Oppositionsparteien haben das Thema auf dem Schirm. Die Linke fordert einen höheren Mindestlohn von 14,50 Euro in der Altenpflege. Auch eine bessere Personalausstattung müsse vorgeschrieben werden, sagt die Linken-Abgeordnete Christiane Böhm.

Zudem litten viele soziale Einrichtungen unter der „Projektitis“, also zeitlich befristeten Projekten. „Sie brauchen langfristige Arbeitsverträge, gute Arbeitsverhältnisse und eine auskömmliche Finanzierung“, fordert die Linke.

Nach Ansicht der FDP sollen auch ausländische Fachkräfte helfen, das Problem zu lösen. An einem Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild gehe kein Weg vorbei, sagt ihr Sozialpolitiker Yanki Pürsün. Auch er spricht sich für eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte aus. Mit Blick auf Erzieherinnen und Erzieher fordert die FDP einen Runden Tisch zum Thema Fachkräftemangel.

Die AfD vertritt die Auffassung, das Kernproblem schlechter Bezahlung sei nicht auf die soziale Arbeit beschränkt. Es ziehe sich „leider durch unsere gesamte Gesellschaft“, sagte ihr Abgeordneter Volker Richter. Die Tarifparteien seien gefordert, „entsprechende Gehälter auszuhandeln und eine breite Tarifanbindung zu erreichen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare