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"Besorgte Bürger" gegen rechts

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Wir sitzen uns gegenüber. Doch als der Redakteur die Namen der beiden Männer notieren will, winken sie ab. Sie seien "besorgte Bürger" und würden es vorziehen, in diesem Fall nicht namentlich genannt zu werden - aus Sorge vor Repressalien aus der Szene. Laut ihrer Recherche sind es Rechte, die die Montags-Spaziergänge durch Bad Nauheim mit organisieren.

Aktuell informieren die "besorgten Bürger" die Fraktionen im Stadtparlament über die Gefahren durch "Querdenker", die bei ihren Streifzügen offensichtlich nicht nur für die "Corona-Freiheit" skandieren. Die letzte Demo ging im Mai unter dem Motto "Bad Nauheim bebt" über die Bühne. Für den 7. September ist die nächste angemeldet, weitere sollen jeweils mittwochs in jedem Monat folgen.

"Mitglieder rechtsradikaler Organisationen initiieren, planen, organisieren, leiten und steuern diese Spaziergänge der ‚Querdenker‘", erklärt einer der beiden. "Sie bestimmen auch in Bad Nauheim die Themen, das Motto, das Auftreten und den Rahmen. Sie sind verantwortlich für die Routen, Parolen und Symbole."

Nach Informationen der beiden handele es sich bei den Teilnehmern der Spaziergänge durch die Kurstadt eben nicht nur um "Freiheits-Kämpfer" gegen die Corona-Auflagen, sondern auch um Nazis, Faschisten, Rassisten, Antisemiten, Staatsskeptiker oder Reichsbürger. Aber auch Wissenschaftsskeptiker, Anthroposophen oder Esoteriker würden sich unter die "Querdenker" mischen, die ja ursprünglich als Impfgegner und Corona-Verharmloser aufgetreten sind, vermuten sie. "Diese Leute lehnen die freiheitliche demokratische Grundordnung ab und reklamieren unbegrenzte persönliche Freiheitsrechte für ihre Zwecke", klagen die beiden und berichten über ihre Diskussionen mit den politisch Verantwortlichen. Die hätten unter anderem verlauten lassen, dass nicht jeder Impfgegner gleich ein Nazi sei, und überhaupt habe man hier das Recht, für demokratische Werte zu demonstrieren.

"Man sagte uns, dass diese Leute von alleine wieder verschwinden, wenn es keine Corona-Auflagen mehr gäbe. Dass sie im Prinzip friedlich seien und irgendwann die Lust am Demonstrieren verlieren", erzählt einer der beiden. Schlimmer, so erinnert er sich an ein Zitat eines Politikers, seien die Schmierereien der Linken auf den Bürgersteigen.

Peter Heidt, Bad Nauheimer Bundestagsabgeordneter der FDP, hält das Engagement der "besorgten Bürger" für vorbildlich. Heidt will sich an allen kommenden Diskussionen beteiligen. "Ich unterstützte das in vollem Umfang. Denn wir brauchen dieses zivile Engagement, wenn die Politik mal nicht der richtige Ansprechpartner ist."

Warum die Montags-Spaziergänger sich bis Mai lange in der Kurstadt versammelt haben, ahnen die "besorgten Bürger" auch. "Diese Leute ziehen hauptsächlich wegen der überregionalen Außenwirkung von Bad Nauheim durch unsere Straßen. Sie verstehen es vortrefflich, die ihnen überlassenen Freiräume für ihre Zwecke zu nutzen." Deshalb fordern sie nun mehr Widerstand. "Denn unsere Zurückhaltung verleiht den Demonstranten eine Aura der Legitimität, die ihnen nicht zusteht."

Dass die Protestbewegung überhaupt in Gang gekommen ist, erklärt einer der beiden so: "Ich denke, dass viele Impfgegner die Position der Verweigerung gewählt haben, weil diese Haltung für sie den einzigen Ausweg aus dem Gefühl der Minderwertigkeit darstellt. Genau an dieser Stelle treffen sich Impfgegner, Nazis und alle andere Menschen ohne Perspektiven hier. Es geht ihnen eigentlich nicht um Fakten und schon gar nicht um Corona, sondern allein um Anerkennung. Und weil wir außer Fakten nichts anzubieten haben, erreichen wir sie auch nicht."

Deshalb, so befürchtet der "besorgte Bürger", könnten diese Konflikte auch nach Corona nicht beendet sein. "Wenn wir es nicht schaffen, das Auseinanderdriften der Gesellschaft umzukehren, wird sich die Lage sogar noch verschärfen. Es könnte auch eine Eskalation der Gewalt zwischen Bürgern und Demonstranten drohen. Aber auch gezielte Angriffe gegen Presse, Parteien, Amtsträger und engagierte Demokraten sind zu befürchten."

Kritisiert wird zudem, dass es in der Kurstadt keine Kooperation mit anderen Städten gebe, die in diesem Fall erfolgreich Gegenwehr betrieben hätten. Doch auch die sind machtlos, wenn die Emotionen hochkochen.

Die beiden erinnern an eine Demonstration am vergangenen Samstag in Frankfurt, bei der 300 Protestierende durch die Straßen zogen und aggressiv "Frieden" und "Lügenpresse" geschrieen haben.

Laut Informationen der beiden Männer aus Bad Nauheim handele sich bei den in Frankfurt beteiligten Demonstranten im Großteil um dieselbe Gruppe, die in der Wetterau ihre Spaziergänge organisiert. red

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