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Die IT-Ausstattung der Berufsschulen ist bisher noch sehr unterschiedlich.

Digitalpakt

„Berufsschulen zuerst anbinden“

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Wirtschaft fordert Bevorzugung beim Digitalpakt. Dezentraler Unterricht gewünscht.

Die hessischen Industrie- und Handelskammern fordern, die Berufsschulen beim Ausbau der digitalen Infrastruktur bevorzugt zu behandeln. Die flächendeckende Anbindung ans Glasfasernetz sei bereits vor zwei Jahren in der Digitalstrategie des Landes festgeschrieben worden, sagte Brigitte Scheuerle, beim Hessischen Industrie- und Handelskammertag (HIHK) zuständig für berufliche Bildung. Dies sei aber bis heute nicht geschehen. Nun müsse der Digitalpakt von Bund und Ländern genutzt werden, die Berufsschulen auf einen einheitlichen Standard zu bringen.

Dazu gehöre neben dem Breitbandanschluss für ein schnelles Internet auch die Ausstattung mit WLAN, ein verlässlicher IT-Support für Wartung und Updates sowie die Hilfe des Landes beim Erstellen von Lehrmaterial, sagte Scheuerle. „Leider haben wir bei Gesprächen mit dem Kultusministerium ein entsprechendes Signal vermisst“, beklagte HIHK-Geschäftsführer Robert Lippmann. „Das macht uns misstrauisch.“

Grundsätzlich ist der Bau und Unterhalt von Schulen Sache der Schulträger, also der Landkreise und Städte. Dies gilt auch für die berufsbildenden Schulen. „Die Kommunen allein sind aber nicht in der Lage, flächendeckend den nötigen technischen Standard herzustellen“, sagte Lippmann. Aus dem Digitalpakt stünden nun immerhin fünf Jahre lang jeweils rund 75 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. „Damit kann man schon etwas machen“, so der IHK-Vertreter.

„Die Ausstattung ist schon sehr heterogen“, sagte auch der IT-Unternehmer Hans-Joachim Giegerich, der bei der IHK Offenbach für Aus- und Weiterbildung zuständig ist. Vielerorts sei es daher nicht möglich, mittels internetbasierter Lernplattform individualisierten Unterricht für die Berufsschülerinnen und -schüler anzubieten. „Das wäre aber etwas, was sich die Betriebe wünschen“, sagte Giegerich.

Zudem würde ein leistungsfähiges Schulnetz es ermöglichen, dass auch dezentraler Unterricht stattfinden könnte. Dies sei besonders bei Berufen wichtig, bei der die Ausbildungsbetriebe in größerer Entfernung von den jeweils zuständigen Berufsschulen lägen. So wäre es dann laut Giegerich möglich, bestimmte Lerneinheiten via Bildschirm und Videokonferenz zu absolvieren. Berufsschüler müssten dann weniger zwischen Betrieb und Schule pendeln.

Der Pakt

Fünf Milliarden Euro hat der Bund den Ländern insgesamt für die Jahre 2019 bis 2024 zugesagt. Die Länder selbst müssen noch einmal 500 Millionen Euro aufbringen. 

Rund 372 Millionen Euro erhält Hessen aus dem Digitalpakt, das sind etwa 74 Millionen Euro im Jahr. Je Schüler sind das etwas weniger als 100 Euro im Jahr. (pgh)

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