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Viele haben Angst vor dem Coronavirus und besorgen sich einen Mundschutz.

Gesundheit

Bereitschaft für Corona

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Das Gesundheitswesen in Hessens rüstet sich für das Virus. Wissenschaftler suchen nach Wirkstoffen.

Am Wochenende Italien, jetzt die Fälle in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen: Das Coronavirus rückt näher. „Es gibt eine sehr dynamische Lage“, sagt Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden. Die Hotline werde von den Bürgern noch stärker als bisher frequentiert. „Es gibt zahlreiche Fragen.“ Täglich würden Verdachtsfälle geklärt. Alle hätten sich bislang, versichert er, als unbegründet erwiesen.

Das muss nicht so bleiben, räumt der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, ein. „Es ist jederzeit mit einem Fall zu rechnen.“ Deshalb ist der öffentliche Gesundheitsdienst laut Klose „in besonderer Bereitschaft“. Alle im Gesundheitswesen Verantwortlichen stünden in engem Kontakt.

Würde das Virus bei einer Person nachgewiesen, entspreche die hessische Strategie der in ganz Deutschland: isolieren, Kontaktpersonen ermitteln und in Quarantäne unterbringen. Sollte es einen triftigen Grund dafür geben, könnte auch ein einzelner Kindergarten geschlossen, vielleicht auch eine Großveranstaltung abgesagt werden, sagt Gottschalk. „In Deutschland einzelne Orte abzuriegeln halte in der jetzigen Situation für ausgeschlossen.“ Für einen solch starken Eingriff in die Grundrechte der Menschen verlaufe die Lungenkrankheit bisher zu mild.

Informationen

„Coronaviren – eine neue Gefahr für uns alle?“ ist Titel des Perspektivengespräch des House of Pharma & Healthcare am Montag, 2. März, um 18 Uhr im Casino, Nina-Rubinstein-Weg 1, Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mit dabei:
Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie der Universitätsklinik Frankfurt, und Professor René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts. Anmeldung unter www.houseofpharma.de/corona

Die Hotline hat die Nummer 0800 / 5554666.
Mehr Info online unter hessenlink.de/2019nCoV und www.rkid.de

Am Frankfurter Flughafen kämen täglich rund 3600 Passagiere aus China an. Noch an Bord müssten sie eine Einreisekarte mit speziellen Fragen ausfüllen. Dieses Vorgehen auf Reisende aus Italien oder anderen Ländern auszuweiten, sei unrealistisch. „Das ergibt keinen Sinn“ – zumal sie auch mit dem Zug oder dem Bus kommen könnten. Gleichwohl sind laut Klose weitere Vorkehrungen am Flughafen in Prüfung.

Gut aufgestellt sieht der Minister die 17 hessischen Gesundheitsämter. Sollte es zu einem lokalen Cluster kommen, werde das dort tätige medizinische Personal von Kollegen anderer Behörden unterstützt. Bis zu zehn Prozent der rund 35 000 Krankenhausbetten im Land könnten zu Isolierbetten umfunktioniert werden. Alle seien gut mit Schutzkleidung ausgestattet. Und auch die Laborkapazitäten reichten aus, ergänzt Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universitätsklinik Frankfurt. Sowohl in Frankfurt als auch in Marburg könnten zweimal täglich bis zu 100 Proben untersucht werden. Nach vier Stunden liege das Ergebnis vor. Ciesek und ihre Frankfurter Kollegen haben die zwei Corona-Patienten betreut, die Anfang Februar unter den Wuhan-Rückkehrern identifiziert worden waren.

Von ihnen haben sie gelernt, dass die Ansteckungsgefahr so groß sei wie bei einem Erkältungsvirus. Schon im Rachen- und Nasenraum sei es nachweisbar. Deshalb sei Händehygiene so wichtig. Auch habe sich gezeigt, dass ethanolbasiertes Desinfektionsmittel das Virus zerstören kann. „In wenigen Wochen werden wir erste Ergebnisse dazu haben.“

Auswirkungen hat die Corona-Krise auch auf den Tourismus in Frankfurt, der sich in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor entwickelt hat. Zuletzt sind die Übernachtungszahlen von Jahr zu Jahr gestiegen. Nun wäre Tourismus-Chef Thomas Feda schon froh, wenn es zu keinem Einbruch käme. Besonders treffen würde es die Branche dabei, wenn nach der „Light & Building“ weitere Messen verschoben würden oder gar ausfielen. (mit cm)

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