Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz
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Seda Basay-Yildiz erhält seit August 2018 Drohbriefe.

Rechtsextremismus

Belohnung für „NSU 2.0“-Hinweis

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Die bedrohte Anwältin Seda Basay-Yildiz bietet 5000 Euro – als „letzte Möglichkeit“, den Fall aufzuklären.

Seit mehr als zwei Jahren versucht die Polizei vergeblich, die Person zu ermitteln, die rechtsextreme Schreiben mit Morddrohungen an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz verschickt. Jetzt hilft die betroffene Anwältin selber nach und setzt eine Belohnung aus.

„Für Hinweise, die zur Aufklärung der Urheberschaft der NSU 2.0 Drohmails (Stichwort:Türkensau) und zur Ermittlung oder Ergreifung des Täters/der Täter führen, wird eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro (in Worten: fünftausend Euro) ausgesetzt“, twitterte Basay-Yildiz am Donnerstagabend. Sie hat zugleich eine E-Mail-Adresse freigeschaltet, an die sich Menschen wenden sollen, die zur Aufklärung beitragen können. Die Behörden haben bisher keine Belohnung ausgesetzt. Die Entscheidung darüber obliege der Staatsanwaltschaft, teilte das Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage der FR am Freitag mit.

Die Polizei bewertete die Auslobung der Belohnung durch die betroffene Anwältin nicht. Sie betonte allerdings, es sei „von grundlegender Bedeutung“, dass die eingehenden Hinweise dann auch bei den Strafverfolgungsbehörden landeten.

Chancen „sehr gering“

„Es soll die letzte Möglichkeit sein, alles zu versuchen“, sagte Basay-Yildiz der FR. Sie schätze die Wahrscheinlichkeit, dass die Polizei den Fall nach zwei Jahren und drei Monaten noch aufkläre, als „sehr gering“ ein, fügte sie hinzu. „Es sei denn, Kommissar Zufall hilft oder das Rechtshilfeersuchen an Russland.“

Die Anwältin und ihre Familie werden seit August 2018 von dem unbekannten Absender beleidigt und mit dem Tode bedroht. Die Schreiben sind mit „NSU 2.0“ unterzeichnet, in Anlehnung an die rechtsextreme Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die zehn Menschen getötet hat.

Die Drohmails liefen über einen Anbieter, der seinen Sitz in Russland hat. Daher versuchen die deutschen Behörden, die Identität des Absenders mit Hilfe der russischen Ämter herauszufinden.

Kurz vor den ersten Drohungen waren von einem Frankfurter Polizeicomputer persönliche Daten der Anwältin abgerufen worden, die in den Schreiben auftauchten. Später erhielten auch die Kabarettistin Idil Baydar und die hessische Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler Drohschreiben von demselben E-Mail-Absender, die ebenfalls mit „NSU 2.0“ unterzeichnet waren. Auch in diesen Fällen waren kurz zuvor persönliche Daten der beiden Frauen unbefugt von Polizeirechnern abgerufen worden, diesmal in Wiesbadener Revieren. Bis heute konnte die Polizei nicht ermitteln, wer die Daten abgefragt hatte.

Das LKA versicherte, die bedrohten Personen, würden, soweit sie in Hessen lebten, „intensiv durch die Experten des Hessischen Landeskriminalamts betreut“.

Hinweise_NSU2.0@protonmail.com

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