Von Angesicht zu Angesicht: Wenn schon Lernen auf Distanz, dann wenigstens mit Bild. Und einem Lächeln.

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„Bei uns funktioniert das Homeschooling sehr gut“

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Die Alexander-von-Humboldt-Schule im Vogelsberg hat früh auf digitales Lernen gesetzt. Das zahlt sich in der Krise aus.

Das Lernen zu Hause ist für viele Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer eine Zumutung. Und ein Ende ist nicht absehbar. Vergangene Woche haben wir berichtet, wie Familien darunter leiden und wie eine Gesamtschullehrerin damit zu kämpfen hat, den Kontakt zu ihren Schülern zu halten – weil die technische Ausstattung fehlt, der Umgang mit digitalem Lernen nicht vertraut ist und viele Kinder und Jugendliche daheim kaum Unterstützung finden.

Doch die Lage an Hessens Schulen ist sehr unterschiedlich. „Bei uns funktioniert das Homeschooling sehr gut“, sagt Joachim Gerking, stellvertretender Leiter der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach im Vogelsbergkreis. Und das hat Gründe.

Bereits seit dem Jahr 2010 hängt dort in jedem Klassenzimmer eine elektronische Tafel, seit 2014 nutzt die Schule IServ, ein Programm zur internen elektronischen Kommunikation. „Unser Lehrpersonal ist es gewohnt, sich auf Innovationen einzulassen und sie mitzutragen“, sagt Schulleiterin Gitta Holloch.

Sie führt das auch darauf zurück, dass das Gymnasium seit 2012 eine selbstständige Schule ist, also große Teile des Budgets selbst verwalten darf. „Wir haben dadurch auch viele pädagogische Freiheiten; unser Leitbild heißt, wir sind modern, entwickeln uns weiter“, sagt Holloch. Häufige Fortbildungen für Lehrkräfte sind Standard und werden ebenfalls aus dem schuleigenen Budget bezahlt.

100 Videochats täglich

Schon vor der Corona-Krise hatte jeder Schüler, jede Schülerin und jede Lehrkraft eine eigene Schul-Mail-Adresse und konnte die Programme von Microsoft Office nutzen. „Wir mussten jetzt nur noch das Programm Teams draufsatteln, um auch Videokonferenzen zu ermöglichen“, erklärt Maximilian Sauer, der IT-Beauftragte der Schule. Gerade mal eine Arbeitswoche habe es gedauert, bis alle einen Zugang dazu hatten.

Seit Ende der Osterferien läuft das Homeschooling nun also auch von Angesicht zu Angesicht. „Das ist viel besser, als nur Mails zu schreiben oder zu chatten“, sagt Marina Schmirmund, die in die Oberstufe geht. Die Kommunikation mit Teams funktioniere „erstaunlich gut“, sagt die 17-Jährige. „Man kann wirklich direkt miteinander reden, das ist echt ein Fortschritt.“ „Ich finde gut, dass man dann auch mal die anderen Leute wiedersieht“, sagt auch Robin aus der Jahrgangsstufe 7.

Rund 100 Videokonferenzen gebe es an der Alexander-von-Humboldt-Schule täglich, berichtet IT-Experte Sauer, von Klassenstufe 5 bis zur Oberstufe. 78 Prozent nutzten diese Art der Kommunikation regelmäßig.

Damit alle zu Hause an die Technik angebunden sein können, hat die Schule Tablets und Laptops als kostenlose Leihgeräte zur Verfügung gestellt. „Bis zu 50 hätten wir gehabt, tatsächlich ausgeliehen wurden lediglich zehn“, sagt Schulleiterin Holloch.

Das Homeschooling habe allerdings auch die Anforderungen an Lehrer und Schüler verändert, sagt der stellvertretende Schulleiter Gerking. „Lehrer müssen Aufgaben so gestalten, dass es für die Schüler zu Hause die Möglichkeit zur Selbstkontrolle gibt“, sagt Gerking. Lösungsbeispiele müssten gut nachvollziehbar sein, weil nicht alles unmittelbar – wie im Präsenzunterricht – nachgefragt und geklärt werden könne.

Auch die Konferenzen selbst seien anstrengender als ein Schulbesuch, sagt er. „Gestern hatte ich zum Beispiel zwei Videokonferenzen, und das ist dann schon stressig“, erzählt Alexandra, die die siebte Klasse besucht. Um das Kommunizieren und Lernen etwas leichter zu machen, würden Klassen und Kurse in Gruppen unterteilt, statt 90 Minuten am Stück für alle gebe es je Gruppe dann 25 Minuten Videokonferenz.

Persönlicher Austausch

Gerking kann den besonderen Umständen der Corona-Krise auch etwas Gutes abgewinnen. „Es ist in den vergangenen Wochen ein persönlicher Austausch zwischen Schülern und Lehrkräften entstanden, auch außerhalb der eigentlichen Unterrichtszeiten“, sagt er. „Ich hoffe, dass das beibehalten wird.“ Und Schulleiterin Holloch hat beobachtet, dass trotz gut funktionierendem Homeschooling „alle wieder in die Schule wollen“. Und diese Erkenntnis, wie schön das Miteinander an der Schule sei, die könne man für später behalten.

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