+
Umzugshelfer: Mitglieder des Bad Vilbeler Anglervereins fischen den Burggraben ab, der nun saniert wird.

Bad Vilbel

Behutsamer Umzug der Fische

  • schließen

Die Sanierung des Burgweihers beginnt. Der Damm zur Nidda ist undicht. Für die Fische steht ein Umzug an. Der ASV Bad Vilbel packt mit an.

Der Umzug soll nicht zu einem Schock werden. Mehr als ein Dutzend Mitglieder des Angelsportvereins (ASV) Bad Vilbel bilden eine Eimerkette zur Nidda, um die Transporttanks zu füllen. Vom Burggraben aus geschieht dies zusätzlich mit Hilfe einer Motorpumpe. „Fische, die in die Nidda passen, werden dorthin gleich ausgesetzt, die anderen bringen wir in ihrem gewohnten Wasser in den Ritterweiher“, erläutert Gewässerbiologe Gottfried Lehr am Samstag. Die Stadt hat ihn mit der Sanierung des Burggrabens beauftragt. Die Gewässerqualität hat sich über die Jahre zunehmend verschlechtert und ließ sich auch mit einer zusätzlichen Fontäne zur Belüftung nicht in den Griff kriegen. Zudem ist der Damm zwischen Graben und Nidda, auf dem ein Fuß- und Radweg verläuft, undicht und weich.

Bevor dort nach der Ursache gesucht und saniert werden kann, muss das ringförmige Gewässer trockengelegt werden. Aus Tierschutzgründen sind jedoch zuvor Fische und mögliche Schildkröten umzusiedeln. Für die Mitglieder des ASV ist es ein Fischen mit Keschern im Trüben. Mit aus Neopren bestehenden Wathosen arbeiten sie sich mühselig im Restwasser und vor allem durch den bis zu hüfttiefem Schlamm, um handgroße Rotaugen und Flussbarsche oder einige Kilogramm wiegende Karpfen einzusammeln. Insgesamt mehr als 100 Kilogramm Fisch, berichtet Marco Weller vom ASV. „Durch das Ablassen des Wassers, was zum Teil schon am Freitag begann, sind die Fische aufgescheucht und aus ihrem Schlammversteck gekommen“, sagt Weller. Das mit dem Abfischen alle Tiere herausgeholt werden, sei nicht gesichert, daher soll der Graben nicht komplett auslaufen.

In ihren frühen Jahrhunderten hatte die Wasserburg keinen Wehrgraben nötig, weil sie von der Nidda umspült wurde und auf einer Insel im Sumpfland stand. Der Graben kam später und war trocken. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er von einem Bauer verfüllt, der die Burg als Hofgelände nutzte. In den 1960ern kaufte die Stadt die Burg, baggerte den Graben wieder frei und flutete ihn. Weil die Nidda-Sohle im Zuge der Kanalisierung bereits deutlich tiefer lag als die des Burggrabens, wird seither dort mit einer Pumpe der Pegel gehalten, über die auch Fischlaich in den Graben gelangte. Damit löst sich auch das Rätsel, wie die Fische dorthin gelangten.

Fische soll es weiterhin geben

Fische soll es nach der Gewässersanierung weiterhin geben, aber im ausgewogen Verhältnis mit mehr natürlichen Fressfeinden. Knapp soll auch die Entenpopulation gehalten werden. Das Problem der einst in Scharen vorhandenen Nutrias hat sich mit dem Fütterungsverbot weitgehend erledigt. Die tierischen Hinterlassenschaften setzen dem Gewässer zu. Hinzu kommen pflanzliche Stoffe wie Laub, dass im Burggraben verrottet.

„Die Schlammschicht auszubaggern ist sehr teuer, auch wegen der Entsorgung, und ein schwerer ökologischer Eingriff“, sagt Lehr. Es soll eine „minimalinvasive Methode“ angewendet werden, die sich bereits seit rund drei Jahren beim Ritterweiher zwischen Kernstadt und Stadtwald bewährt hat. Auf dem Grund wurden Reihen mit perforierten Schläuchen verlegt. Ein Kompressor drückt Luft hinein, die aus Tausenden Löchern strömt und das Wasser durchperlt. „Die intensive Belüftung baute die organische Schlammschicht ab, dass bestätigte eine Gewässeruntersuchung“, sagt Lehr. Allerdings muss der Kompressor quasi als Ewigkeitslast stets laufen.

Mit der Sanierung des 200 Meter langen Burggrabens wird dessen Erscheinung als technisches Gewässer gemildert. Schilf und Röhrich sollen in der Uferzone gepflanzt werden, nicht nur der Optik wegen, sondern weil sie als natürliche Kläranlage fungieren. Auch soll nicht mehr kontinuierlich Nidda-Wasser in den Graben geleitet werden, das selbst viele Nährstoffe enthält, die den Wuchs der Wasserpflanzen fördern. Laut Lehr kann der Ringteich nach der Sanierung jedoch nicht sich selbst überlassen werden, sondern benötigt fortwährend Pflege. 2018 haben die Stadtverordneten für die Burggrabensanierung 400 000 Euro bewilligt. Die Arbeiten sollen bis zum Beginn der Burgfestpielsaison im Mai beendet sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare