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Wohnen wird für immer mehr Menschen in Frankfurt unerschwinglich. Es fehlt an Sozialwohnungen und behindertengerechte Wohnungen. (Symbolbild)

Wohnen in Hessen

Behinderte suchen dringend Wohnraum

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Die Lebenshilfe und andere Organisationen der Behindertenhilfe in Hessen fordern ein Kontingent für Behinderte beim Bau von Sozialwohnungen.

Der Wohnungsmangel in weiten Hessens trifft schwerbehinderte Menschen besonders hart. Darauf haben die Lebenshilfe und andere Organisationen der Behindertenhilfe am Donnerstag in Wiesbaden hingewiesen. „Die Zeit ist reif, um darüber mit dem Land und den Kommunen das Gespräch zu suchen“, sagte der Geschäftsführer der Lebenshilfe in Hessen, Alexander Mühlberger.

Gemeinsam mit anderen Einrichtungen der Behindertenhilfe forderte er, dass beim Bau von Sozialwohnungen von vornherein ein Kontingent für schwerbehinderte Menschen vorgehalten werden solle, die barrierefrei errichtet werden müssten. Geschaffen werden müssten Wohnungen unterschiedlicher Größe, damit Menschen mit Beeinträchtigungen auch in Wohngemeinschaften zusammenziehen könnten, fügte Lebenshilfe-Fachreferent Wolfgang Kopyczinski hinzu. Viele Betroffene müssten bei den Eltern wohnen bleiben, obwohl sie schon längst selbstständig leben wollten, fügte Volker Liedtke-Bösl vom Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Wohnen in Hessen hinzu. In der LAG sind 70 Träger der Behindertenhilfe zusammengeschlossen, die Wohnheime oder betreutes Wohnen anbieten. Bei der Wohnungssuche verlören viele Menschen irgendwann den Mut und „die Hoffnung, dass das noch was wird“, sagte Kopyczinski. „Dann nehmen sie doch ein Wohnheim-Angebot an.“

Zur Unterstützung ihrer Anliegen hat die Lebenshilfe eine Studie über die Chancen von Menschen mit Behinderung auf dem hessischen Wohnungsmarkt beim Pestel-Institut in Hannover in Auftrag gegeben. Der Diplom-Ökonom Matthias Günther befragte Fachleute aus 44 Verbänden, die stationäres oder betreutes Wohnen für behinderte Menschen anbieten.

„Die Ausgrenzung von benachteiligten Gruppen am Wohnungsmarkt hat mit dem Aufbau des Wohnungsmangels zugenommen“, stellte Günther fest. „Der Markt allein wird den Inklusionsgedanken nicht voranbringen“, fügte er hinzu. Nach seinen Berechnungen fehlen derzeit in Hessen bereits 80 000 Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment. Bis zum Jahr 2035 werde der Bedarf auf 260 000 bis 400 000 Wohnungen ansteigen.

Behinderte Menschen gingen ebenso wie andere Randgruppen in einer solchen Situation oft leer aus. Vermieter befürchteten, dass sie Ärger bekommen könnten oder Umbauten nötig würden, schilderte Günther.

Die Fachleute machten darauf aufmerksam, dass Barrierefreiheit für Menschen mit verschiedenen Arten von Behinderung ganz Unterschiedliches bedeute. Für machen seien ein Aufzug im Haus und ein barrierefreies Badezimmer wichtig, erläuterte Liedtke-Bösl. Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Beeinträchtigungen der Sinnesorgane könne es schlicht bedeuten, dass ein Bäcker, ein Supermarkt und ein Café in erreichbarer Nähe lägen.

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