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Behaglichkeit hat ihren Preis

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Wer im Hotel übernachtet, erwartet einen gewissen Komfort. Aber gleichzeitig sind die Betreiber mit hohen Energiekosten konfrontiert - eine Gratwanderung.
Wer im Hotel übernachtet, erwartet einen gewissen Komfort. Aber gleichzeitig sind die Betreiber mit hohen Energiekosten konfrontiert - eine Gratwanderung. dpa © dpa

Hoteliers müssen hohe Mehrkosten schultern / Energiesparen stößt an Grenzen

HOCHTAUNUS - Wer im Hotel eincheckt, will es behaglich haben. Eine warme Atmosphäre im eigentlichen wie übertragenen Sinne - so wünschen sich Gäste ihre Herberge. Was gemeinhin als Selbstverständlichkeit gilt, fordert die Gastgeber in Zeiten der Energiekrise besonders, vor allem wirtschaftlich. „Wir kalkulieren für das laufende Jahr für Gas und Strom mit Mehrausgaben von 200 000 Euro“, berichtet Michael Kain. Eine Prognose für 2023 kann der Direktor des Steigenberger Hotels Bad Homburg nicht abgeben - zu unvorhersehbar ist die Entwicklung auf dem Energiemarkt.

Die Möglichkeiten, auf die Schnelle den Verbrauch zu senken, sind begrenzt. Das Wasser kann zwei bis drei Grad kälter sein, die Beleuchtung der Fassade kann ausgeschaltet werden. Und in ruhigeren Zeiten müssen die Kühlhäuser nicht permanent laufen. Mittelfristig lässt sich Energie in größerer Menge aber meist nur durch Umbauten einsparen. Im Steigenberger wurde bereits der Brenner ausgetauscht, alte Rohre werden peu à peu ersetzt. Aber dabei soll es nicht bleiben. „Wir werden von Spezialisten prüfen lassen, wie wir uns künftig besser und nachhaltiger versorgen können“, kündigt Kain an. Die Homburger Nobelherberge mag dabei ein größeres Rad drehen als die Kollegen in anderen Hotels - am Thema Energiesparen kommt aber niemand in der Branche vorbei. Die Möglichkeiten indes sind - will man den Komfort nicht zu stark einschränken - limitiert.

„Im Büro mag man die Temperatur auf 19 Grad senken können, aber im Restaurant geht das nicht“, sagt Anton Ochs vom Kurhaus Ochs in Schmitten. Und auch ein Schwimmbecken lasse sich nicht einfach für ein paar Stunden runterfahren. „Wir müssen Licht und Heizung präsent halten, egal ob wir einen Gast, zehn oder fünfzig Gäste haben“, so Ochs. Obwohl man noch bewusster auf den Stromverbrauch achte oder die Heizung auf einer Etage zudrehe, die gerade nicht gebraucht wird, werde damit nur ein Teil der gestiegenen Kosten kompensiert.

Auf die Kundschaft könnten die Mehrkosten nicht in vollem Umfang umgelegt werden. Heißt: Die Betriebe müssen einen Großteil der Preissteigerungen selbst schultern, was nach der langen Corona-Zeit vielen schwerfallen dürfte. „In den vergangenen zwei Jahren war es jedenfalls schwierig, Rücklagen zu bilden“, gibt Ochs zu bedenken.

Höhere Preise nicht komplett umzulegen

Die Mehrkosten zeigen sich nicht nur im Übernachtungsbetrieb, auch Lebensmittel und Getränke sind merklich teurer geworden. „Weihnachtsgänse zum Beispiel kosten im Vergleich zu 2018/2019 fast das Dreifache“, so Ochs. Wer sich einen Festtagsbraten in der Gastronomie gönnen möchte, muss in diesem Jahr mit 45 bis 50 Euro pro Person rechnen.

Von massiven Mehrausgaben und begrenzten Einsparmöglichkeiten berichtet auch Stefan Hofmann, der das Parkhotel am Taunus an der Waldlust in Oberursel leitet: „Die Kosten sind in allen Bereichen immens gestiegen. Es ist allein schon gigantisch, was eine Tankfüllung Heizöl inzwischen kostet“, sagt der Hotelier. Aufs Jahr gerechnet geht Hofmann für sein Haus von zusätzlichen Ausgaben im sechsstelligen Bereich aus. Zwar wurden die Preise für Zimmer, Speisen und Getränke angepasst, aber zu 100 Prozent könne man die gestiegenen Kosten nicht auf die Gäste umlegen.

Kleinere Maßnahmen, um Energie zu sparen, hat Hofmann bereits ergriffen. Die Sauna im Parkhotel kann beispielsweise nicht mehr kostenlos genutzt werden, Gäste werden gebeten, beim Verlassen der Zimmer das Licht auszumachen.

Mittelfristig muss aber wohl in die Gebäude investiert werden. „Wir wollen weg vom Öl und schauen, dass wir künftig so viel erneuerbare Energie wie möglich einsetzen“, so der Hotel-Chef. Solar-Panels fürs Dach könnten dabei eine Möglichkeit sein. Trotz aller Probleme und Herausforderungen ist Hofmann, der das Haus in fünfter Generation führt, zuversichtlich: „Wir schauen positiv nach vorne.“

Zuversichtlich gibt sich auch der Chef des Maritim-Hotels im Bad Homburger Kurhaus - schließlich hätten sich die Gästezahlen nach der Corona-Delle wieder erholt. „Das Geschäft ist zurück, wir haben genügend zu tun“, sagt Jan Grunder. Wie seine Kollegen steht allerdings auch der Maritim-Direktor vor dem schwierigen Spagat, Energie zu sparen und der Kundschaft dennoch einen angenehmen Aufenthalt zu bieten.

In dem Haus in der Homburger City werden unter anderem Klimaanlagen „bedarfsgerechter gesteuert“ und wo noch nicht geschehen, soll die Beleuchtung auf LED umgerüstet werden. Zwar wurde auch im Maritim bei den Preisen nachjustiert. Grunder gibt aber zu bedenken, dass man dabei immer berücksichtigen müsse, „was am Markt umsetzbar ist“.

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