Der Hessenpark konnte erneut einen Rekordbesuch verzeichnen.

Neu-Anspach

Hessenpark: Von Beeten und Betten

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Der Hessenpark investiert 2019 mehrere Millionen Euro in seine Gebäude. Es gibt aber auch zahlreiche neue Angebote.

Derzeit dienen die Gewächshäuser noch ausschließlich den Gärtnern des Hessenparks zur Aufzucht der museumseigenen Pflanzen – im Laufe des Jahres soll die ehemalige Gärtnerei aus Rechtenbach aber auch für Besucher zugänglich werden. Wie Hessenparkleiter Jens Scheller am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Jahresprogramms mitteilte, wird in der wieder aufgebauten Gärtnerei eine Dauerausstellung eingerichtet, die anhand der Firmengeschichte der früheren Eigentümerfamilie Weidmann die Entwicklung des Gärtnerberufs, der Floristik und der Friedhofsgärtnerei im ländlichen Hessen nachvollzieht.

Und nicht nur das: Schüler können selbst Hand anlegen und im Rahmen des Projekts „Junges Gemüse“ die Arbeitswelt der Gärtner kennenlernen. Die erste Klasse habe sich bereits angemeldet, sagte Scheller. Die Mitarbeiter des Freilichtmuseums wiederum wollen in Gewächshäusern und Freibeeten historische Nutz- und Zierpflanzen nachzüchten und so für ihren Erhalt sorgen. Selbst manche Geraniensorten seien inzwischen vom Aussterben bedroht. Perspektivisch sei geplant, die nachgezogenen Pflanzen auch wieder in den Verkauf zu bringen.

Mit 246 691 Besuchern konnte der Hessenpark 2018 zum fünften Mal hintereinander einen Rekord verbuchen. Eine Serie, die die Verantwortlichen im laufenden Jahr gerne fortsetzen würden.

Publikumsträchtig dürfte schon die erste Sonderausstellung des Jahres mit Karikaturen des Duos Greser & Lenz werden, die am Sonntag, 17. März in einem der Gebäude am Marktplatz eröffnet wird. Auch Jens Scheller outete sich als „Riesenfan“.

Unter dem Titel „Hessen först“ sind 70 Arbeiten der Aschaffenburger Karikaturisten mit engem Hessenbezug angekündigt. Weitere Sonderausstellungen befassen sich mit der Grenzöffnung zwischen Hessen und Thüringen („Kleine Mauerfälle“ ab 7. April) und den „View Masters“, Geräten, die schon vor 80 Jahren beim Hineinschauen für 3-D-Effekte sorgten.

Dauerhaft eingerichtet wird eine Ausstellung, die den Besuchern das Alltagsleben einer Schreinerfamilie im 19. Jahrhundert nahebringen soll. Dabei wolle man neue Wege bei der Wissensvermittlung gehen, kündigte der Museumsleiter an. So sollen nicht nur Originalmöbel aufgestellt werden, sondern auch Rekonstruktionen zum Anfassen – es sei sogar erlaubt, sich ins Bett zu legen. Außerdem soll das Leben der Schreinerfamilie Heck, deren ehemaliges Gebäude aus Friedensdorf die neue Schau beherbergt, mittels Videosequenzen und einem großen Bühnenbuch zum Umblättern präsentiert werden.

Viel Geld und Arbeit investiert der Hessenpark in Sanierungen und Neubauten auf seinem weitläufigen Gelände. In den Jahren zwischen 2018 und 2020 würden dafür rund sieben Millionen Euro aufgewendet, rechnete Museumsleiter Scheller vor. Größter Brocken ist mit vier Millionen Euro ein neues Magazin, in dem künftig die komplette Sammlung des Museums mit ihren 240 000 Objekten unterkommen soll. Derzeit sind diese auf verschiedene Standorte verteilt, einige lagern sogar im westfälischen Lippstadt. Die Arbeiten für das acht Meter hohe und 80 Meter lange Gebäude sollen in der zweiten Jahreshälfte beginnen.

Bereits voll im Gange ist die Sanierung des vielleicht größten historischen Gebäudes im Hessenpark, des Fruchtspeichers aus Trendelburg. Das Erdgeschoss, das Platz für 200 Personen bietet, soll ab Herbst als Tagungsort und für private Feiern genutzt werden. Im ersten Stock ist eine Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes geplant.

Wie ein Fachwerkhaus energetisch auf den bestmöglichen Stand gebracht wird, möchte der Hessenpark anhand eines Musterhauses demonstrieren, das 2020 fertiggestellt sein soll. Ziel sei, dass sich interessierte Bauherren künftig Tipps für eigene Sanierungsprojekte holen könnten. So wolle man dazu beitragen, die historische Baukultur des Fachwerks zu bewahren, erklärte Jens Scheller.

Ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist der Umbau des Gasthauses „Zum Adler“, das für 700 000 Euro modernisiert und mit einer neuen Küche ausgestattet wird. Eine genaue Prognose, wann die Gaststätte wieder öffnet, möchte Scheller nicht wagen. Derzeit müsse noch das gesamte Wasserleitungsnetz erneuert werden. Er hoffe, dass noch im Frühjahr das große Wirtshausfest gefeiert werden kann, das die neuen Gastronomen zum Einstand planen.

Hintergrund: Museum und Programm

Der Hessenpark präsentiert auf seinem 65 Hektar großen Gelände bei Neu-Anspach mehr als 100 historische Gebäude, die das ländliche und kleinstädtische Leben in den hessischen Regionen früherer Zeiten dokumentieren.

Von März bis Oktober bietet das Freilichtmuseum zahlreiche Führungen, Mitmachaktionen, Thementage, Feste und Ferienangebote. Den Auftakt macht am kommenden Sonntag, 3. März, Museumsleiter Jens Scheller, der den Besuchern um 15 Uhr die neuen Angebote präsentiert und einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

Am 11. Mai gewährt das Museum aus Anlass des Europatags im Hochtaunuskreis freien Eintritt.

Im Juni geht es beim Thementag „Alte Sorten, alte Rassen“ um historische Pflanzen und Haustiere. Im August veranstaltet der Verein Historische Fahrräder e.V. eine Velocipediade mit einer Ausfahrt historischer Fahrräder.

Geöffnet ist das Freilichtmuseum ab 1. März täglich von 9 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen für die Tageskarte 9 Euro. Die Familienkarte (zwei Erwachsene mit bis zu vier Kindern) kostet 18 Euro. Kinder bis fünf Jahre haben freien Eintritt.

Das komplette Jahresprogramm gibt es unter www.hessenpark.de

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