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Bedrohung durch Attentäter von Hanau: Staatsanwalt weist Kritik zurück

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Von: Gregor Haschnik

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Dass eine Sexarbeiterin 2018 durch den späteren Hanau-Attentäter offenbar bedroht wurde, gehe aus der damaligen Akte nicht hervor, teilt die Münchner Staatsanwaltschaft mit.

Die Staatsanwaltschaft München II hat Kritik in Zusammenhang mit der Bedrohung einer Sexarbeiterin durch den Attentäter von Hanau zurückgewiesen. Dieser soll der Frau 2018 in einer Ferienwohnung in Bayern ein Gewehr sowie ein Messer gezeigt und später eine Kamera eingeschaltet und sie aufgefordert haben zu tanzen, als wäre es das letzte Mal. Dabei habe er sich auf einen Horrorfilm bezogen, in dem eine Frau getötet wurde. Ein von der Sexarbeiterin per Handy verständigter Freund alarmierte die Polizei, weil sie Todesangst gehabt habe.

Das hat die Betroffene bei einer späteren Vernehmung durch das Bundeskriminalamt (BKA), im Herbst 2021 ausgesagt, wie aus Unterlagen hervorgeht, die die FR ausgewertet hat.

Die Staatsanwaltschaft teilte jetzt auf Anfrage mit, aus der 2018 von der Polizei angelegten Akte ergebe sich weder eine Bedrohung noch ein Hinweis auf ein Messer oder eine Waffe. Demnach sei die Polizei wegen Problemen der Prostituierten mit dem Kunden – der zwei Jahre später aus rassistischen Motiven neun Menschen ermordete – aufgrund eines Streits über Filmaufnahmen gerufen worden, mit denen die Anzeigeerstatterin nicht einverstanden gewesen sei.

Weil er laut der Zeugin Drogen konsumiert habe und ein Joint-Rest gefunden worden sei, wurde ein Ermittlungsverfahren „wegen des Verdachts auf unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln“ eingeleitet. Es wurde eingestellt, auch weil in dem Joint keine entsprechenden Substanzen nachgewiesen wurden. Ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau wegen des Vorwurfs der Prostitution in einem Sperrgebiet habe die Staatsanwaltschaft München II nicht geführt. Ob gegen sie ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet wurde, „entzieht sich unserer Kenntnis“.

Frau hatte Todesangst

Das zuständige Polizeipräsidium erklärte, sich nicht mehr zu dem Fall zu äußern. Die Ermittlungen seien abgeschlossen, die Akten beim Staatsanwalt.

Die Angaben, die die Sexarbeiterin gegenüber dem BKA machte, sind detailliert und glaubwürdig. Sie beklagt darin, dass das Haus wohl nicht richtig durchsucht worden sei. Es sei vor allem darum gegangen, ob sie rechtmäßig der Prostitution nachgehe. Einem Beamten habe sie alles schnell erzählt, jedoch den Eindruck gehabt, dass ihr niemand glaube. In Bezug auf die BDSM-Utensilien sei mehrfach erwähnt worden, dass bestimmte sexuelle Vorlieben nicht verboten seien. Sie habe Panik und Todesangst gehabt, berichtete die Frau während der Befragung im vergangenen Jahr. Die Utensilien hätten nach enormer Gewaltanwendung ausgesehen. Sie habe gedacht, froh sein zu können, wenn er sie vergewaltigen, aber gehen lassen würde. Anfangs habe er sich wie ein Muttersöhnchen verhalten, am Ende wie ein Psychopath.

Anschließend sei sie wegen Prostitution in einem Sperrgebiet angezeigt worden. Das Verfahren sei eingestellt worden, wobei sie die Anwaltskosten habe tragen müssen. Zu den offenen Fragen gehört, ob die Polizei nach dem Amtsermittlungsgrundsatz, also von sich aus, tätig wurde oder der Attentäter die Anzeige stellte.

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