Artenreiche Gärten verkraften die Auswirkungen des Klimawandels besser.
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Artenreiche Gärten verkraften die Auswirkungen des Klimawandels besser.

Tipp

Bedeckter Boden schützt vor Wasserverlust

  • vonDiana Unkart
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Starke Regenfälle, wochenlange Trockenheit, häufige Stürme: Mit wenig Aufwand kann der Garten an sich verändernde Klimabedingungen angepasst werden.

Ob es der Hortensie in fünfzehn Jahren noch in den deutschen Vorgärten gefällt? Fraglich. Heute schon machen ihr die heißen und trockenen Sommer zu schaffen. Für alte Pflanzenarten hingegen bietet der Klimawandel Chancen zurückzukehren. Ihre Namen klingen vielleicht nicht so aufregend wie, sagen wir: Paradiesvogelstrauch, dafür haben sie Erfahrungen mit Klimaveränderungen über die Jahrhunderte gesammelt und tragen sie quasi in ihren Genen.

Wer seinen Garten so gestalten will, dass er den Widrigkeiten des Klimawandels trotzt, sollte auf die richtige Pflanzenauswahl achten und für einen Boden sorgen, der Verdunstung verhindert.

Trockene Sommer, milde Winter, weniger Niederschlag bei gleichzeitig häufigerem Starkregen, Jahreszeiten, deren Trennung kaum mehr möglich ist und eine höhere Windintensität sind Kennzeichen des Klimawandels und haben Einfluss auf die Pflanzen im Garten.

Dass sich die Vegetationsperiode verlängert, mag als Vorteil des Klimawandels durchgehen. Aber er bringt auch Verlierer hervor. „Besonders trockenheitsempfindliche Pflanzen werden verschwinden“, sagt Frank Uwe Pfuhl, Experte für Landschaftsökologie und Vorsitzender der Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau. So, wie die Rotbuche, die seit Jahrtausenden in der Region wächst, künftig wahrscheinlich Steineichen oder Walnussgewächsen weichen wird und in der Landwirtschaft gerade nach Ersatz für wasserintensive Kulturzuckerrüben gesucht wird, so sind auch die Tage der Hortensie gezählt.

Sortenvielfalt wichtig

Ein Schlüssel für einen klimaangepassten Garten ist die Sortenvielfalt. Früher gab es viele verschiedene Sorten einer Pflanzenart. Jede Region habe eigene, an den Standort angepasste gehabt, sagt Frank Uwe Pfuhl. Beispiel Äpfel: Mehr als 3000 Sorten wuchsen einst in Deutschland. „Heute haben wir bei Nutz- und Zierpflanzen eine völlige Verarmung.“ Statt Hybridsaatgut im Baumarkt zu kaufen, sollte sortenreines in die Erde kommen. Wer im Garten auf Arten- und Sortenvielfalt setzt und dabei heimischen Pflanzen, die dem Standort angepasst sind, den Vorzug gibt, ist auf einem guten Weg.

Ein weiterer wichtiger Punkt: der Boden. Man kann den Pflanzen Stickstoff, Phosphor und Kalium zuführen. Das ist das Rezept künstlicher Dünger. Vergleicht man Menschen und Pflanzen sei es in etwa so, als bestünde die Ernährung aus Pommes und Bratwurst. Macht satt, hält aber nicht gesund. Wer sich so ernährt, entwickelt in der Regel weniger Widerstandskraft gegen Krankheiten. Den Pflanzen geht’s ähnlich. Eine gesunde Nahrung für sie ist Kompost. Experte Pfuhl sagt: „Gartenkompost ist ein absolutes Muss.“ Und wenn es so etwas wie ein Superfood für Gartenpflanzen gibt, dann ist das Terra Preta, auch schwarze Erde oder Pflanzenkohle genannt. Dem Kompost hinzugefügt, ergebe es einen idealen Nährstoff- und Wasserspeicher.

Boden  bedeckt halten

Nach dem Vorbild der Natur sollte der Boden nicht nur lebend, sondern auch bedeckt gehalten werden. Das beugt der Verdunstung vor und minimiert den Wasserbedarf. „In der Natur gibt es keinen unbedeckten Boden – außer nach Naturkatastrophen“, sagt Pfuhl. Im Garten sollte die Mulchart dem Standort angepasst sein.

Der Grundsatz des bedeckten Bodens gilt auch für Pflanzkonzepte. Im Nutzgarten werden die Flächen gedanklich aufgeteilt und die verschiedenen Pflanzen stehen eng beieinander. Eine geerntete Pflanze wird sofort durch eine neue ersetzt.

Für Hochbeete eignet sich das Quadratgärtnern. Die Fläche wird wie ein Schachbrett aufgeteilt, erklärt Pfuhl. Pro Quadrat wird eine Pflanzensorte angebaut. So entsteht auf kleinem Raum eine große Vielfalt.

In Gärten mit überwiegend heimischen Pflanzen und mit lebendem Boden ziehen bald auch heimische Tiere ein: Marienkäfer, Blaumeisen, Igel vielleicht. Sie helfen als Teil eines funktionierenden Ökosystems und als Schädlingsbekämpfer im Garten mit.

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