Personalie

Becker will „Wende in Handlungskultur“

Der neue  Antisemitismus-Beauftragter nimmt seine Urkunde entgegen.  Ziel ist eine Jüdische Akademie zu etablieren.

Der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker (CDU) hat am Donnerstag in der Staatskanzlei in Wiesbaden die Urkunde als neuer Antisemitismusbeauftragter des Landes erhalten. Ministerpräsident Volker Bouffier sprach von einer „zusätzlichen Belastung“ für den Frankfurter Bürgermeister, Kämmerer und Kirchendezernenten. Der 49-Jährige selbst erklärte: Mit einem ordentlichen Zeitmanagement werde er die Aufgabe mit Engagement angehen können. Becker nannte auch konkrete Projekte, die er in den kommenden Monaten angehen will.

So will Becker die Planungen für die jüdische Akademie in Frankfurt eng begleiten und unterstützen. Ziel sei, die Akademie, die in der Senckenberganlage entstehen soll, zu „etablieren“, erklärte Becker. Vor allem in der Bildung von Kindern und Jugendlichen gegen Antisemitismus wolle er sich einbringen. „Wir brauchen keine Wende in der Erinnerungskultur“, betonte er, „sondern in der Handlungskultur. Wir müssen aufstehen und einstehen für jüdisches Leben in unserem Land.“ Becker unterstützt die Bestrebung, eine Bund-Länder-Kommission gegen Antisemitismus zu gründen. Außerdem untermauerte er seine Forderung, die antiisraelische Gruppe BDS zu verbieten.

„Judenfeindschaft wurde lange unter der Decke gehalten“, erklärte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Jacob Gutmark, im Rahmen der Vorstellung Beckers. „Aber es hat sich etwas verändert. Antisemitismus ist hoffähig geworden.“ Gutmark und Professor Salomon Korn, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurts, gratulierten Becker zu seinem neuen Amt.

Der Ministerpräsident würdigte Becker als „außergewöhnlich renommiert und erfahren“. Auch er beobachte Entgrenzung und Enthemmung im Bereich Antisemitismus „Mein Wunsch ist ein Leben in Hessen ohne Angst“, sagte Bouffier. Ein Gefühl der Gleichgültigkeit dürfe nicht aufkommen. Vor diesem Hintergrund habe man die Stelle mit Becker besetzt.

Das Büro des Antisemitismusbeauftragten ist in der Staatskanzlei beheimatet, mit vorerst drei Mitarbeitern. Im April hatte sich das Kabinett für Becker ausgesprochen. Der 49-Jährige ist Nachfolger von Professor Felix Semmelroth, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegt hat.

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