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Zeichen gegen Antisemitismus: Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker beim Kippa-Tag auf dem Römerberg. 

Frankfurter Bürgermeister

Uwe Becker ist neuer Antisemitismusbeauftragter in Hessen

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Die hessische Landesregierung ernennt Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker zum Nachfolger von Felix Semmelroth. 

Der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker (CDU) ist neuer Antisemitismusbeauftragter der hessischen Landesregierung. Die schwarz-grüne Regierung berief ihn am Montagabend, wie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mitteilte. Becker sei „eine hoch angesehene Persönlichkeit, die sich seit vielen Jahren konsequent für jüdisches Leben und kompromisslos gegen jegliche Form von Antisemitismus“ einsetze, erklärte Bouffier.

Der erste Antisemitismusbeauftragte der Regierung, Felix Semmelroth, hatte das Amt im Januar nach wenigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Die Landesregierung hatte die Beauftragten jeweils in enger Abstimmung mit dem Jüdischen Landesverband Hessen und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt ausgewählt.

Im Juli feiert Uwe Becker seinen 50. Geburtstag. Im Handbuch der Stadt gibt er als sein Motto an: „Das Leben ist viel zu kurz und wichtig, um es nur an sich selbst zu verschwenden.“ Dessen ungeachtet hat der CDU-Politiker in den vergangenen zwei Jahrzehnten seine politische Karriere mit Nachdruck vorangetrieben. 

Uwe Becker ist ein Mann mit vielen Ämtern 

Er gehörte als CDU-Fraktionschef im Römer 2006 zu den Architekten der schwarz-grünen Koalition in Frankfurt. In diesem Bündnis war er zunächst Sozialdezernent und wurde 2007 Stadtkämmerer und Kirchendezernent. Seit 2016 ist er auch Bürgermeister. Zu seinen weiteren Aufgaben gehört das Amt des Präsidenten des Hessischen Städtetages.

Wann Becker angesichts dieser Funktionen Zeit bleiben soll, sich dem wachsenden Antisemitismus im Land Hessen entgegenzustellen, ist eine offene Frage. Man darf jedoch davon ausgehen, dass der Vater von Zwillingen keine Minute gezögert hat, auch noch die Aufgabe des Antisemitismusbeauftragten zu übernehmen. Denn der gelernte Bankkaufmann macht seit Jahren als vehementer Befürworter des Staates Israel und der umstrittenen Politik der israelischen Regierung von sich reden.

Durch sein Verhalten und seine öffentlichen Äußerungen zog der 49-Jährige immer wieder heftige Kritik auf sich. Jüngstes Beispiel: Als im Februar Amnesty International dazu aufrief, die Buchung von Ferienwohnungen in israelischen Siedlungen auf besetztem palästinensischem Land zu boykottieren, sah Becker darin die Aufforderung zu „ethnischen Säuberungen“. Die Menschenrechtsorganisation wolle „die Vertreibung von Jüdinnen und Juden“, behauptete der CDU-Politiker allen Ernstes. Er sah darin einen „schockierenden Skandal“.

Im Mai 2018 hatte Becker alle männlichen Erwachsenen in Frankfurt dazu aufgerufen, für einen Tag eine Kippa zu tragen, um so Solidarität gegen antisemitische Attacken in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Auch als Beauftragter des Landes dürfte sich der CDU-Politiker darum bemühen, viele Menschen gegen Antisemitismus zu mobilisieren. „Dieser Kampf ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dem sich nicht nur der Staat konsequenter annehmen muss. Jeder einzelne ist gefordert“, sagte Becker am Dienstag nach seiner Berufung.

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