+
„Freiheit wächst nicht auf Bäumen“, singen die Teilnehmer der Sonntagsdemo auf dem Darmstädter Karolinenplatz.

Pulse of Europe

Kampagne für Europa in Darmstadt

  • schließen

Die Bewegung hat in vielen Großstädten zur Sonntagsdemo aufgerufen. Auch in Darmstadt will sie Bürger gegen Populisten und Spalter aktivieren.  

Während die Narren in Dieburg das diesjährige Prinzenpaar in Empfang nahmen und andernorts die Fastnachtumzüge durch die Straßen rollten, hat die Bürgerbewegung Pulse of Europe (PoE) in Darmstadt auf dem Karolinenplatz und in über 100 Städten in Europa ihre Kampagne zur Europawahl vorgestellt. Etwa 130 Leute kamen vor dem Staatsarchiv zusammen, blaue Fahnen schwenkend und den umgetexteten Song „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen schmetternd.

In den drei Monaten vor der Europawahl wollen die Europaaktivisten in zahlreichen Veranstaltungen Bürger dazu motivieren, zur Wahl zu gehen, um nationalistischen und rechtsextremen Kräften etwas entgegen zu setzen. „Spalter und Populisten lassen nicht locker“, rief Eva Beuscher ins Mikrofon, „wir auch nicht!“

Klaus Konrad, der vor einer Woche auf der internationalen Mitgliederversammlung in Essen in den zwölfköpfigen Vorstand der Bewegung gewählt wurde und dort nun Darmstadt vertritt, fasste die Hauptziele zusammen: „Wir wollen die Wahlbeteiligung von denen erhöhen, die für Europa sind und eine Zivilgesellschaft erschaffen, die es so heute noch nicht gibt.“ Die Grundwerte der Europäischen Union – Freiheit, Frieden und Zusammenhalt – seien für viele selbstverständlich, aber in Gefahr, sagte Claudia Kataldi. „Es ist vielen immer noch nicht bewusst, dass Populisten unsere Freiheit beschneiden wollen.“ Auch sie warb dafür, zur Europawahl am 26. Mai zu gehen: „Es ist die einzige direkt gewählte Supernation der Welt. Wir entscheiden, wie es weitergeht oder ob es einen Rückschritt gibt.“

Gegen neue Grenzen, wie sie etwa der Brexit mit sich bringe, sprach sich auch Uwe Langbein aus, der als Zeitzeuge davon berichtete, wie er 30 Jahren aus der DDR flüchtete.

Zur geplanten Kampagne sagt Kataldi, man wolle zunächst Reichweite generieren, mit Flyern, Plakaten und Stickern. All dieses Infomaterial lasse sich ab sofort auch auf der Website der Bewegung herunterladen. Dann sollen Prominente aus Darmstadt gefunden werden, die sich öffentlich zu ihrer Heimat und Europa bekennen. In der dritten Phase der Kampagne, etwa zwei Wochen vor der Wahl, „sollen die Letzten angeschubst werden, die es immer noch nicht begriffen haben“, erklärte Cataldi. Zur Sonntagsdemo waren auch alle Parteien eingeladen, wie Aktivist Dieter Schröder am Rande der Veranstaltung sagte. Doch bis auf zwei Stadtverordnete machten sich die politischen Vertreter rar. „Wir arbeiten weiter daran“, so Schröder. Noch auszuarbeiten seien Themen weiterer Veranstaltungen und Workshops, wie etwa die Veranstaltung „We ride for Europe“, sagte der Mitbegründer des Darmstädter Zweigs der Initiative, Terenzio Facchinetti. Einen Schwerpunkt mache die Einbindung jüngerer Menschen aus. Hier seien zum Beispiel auch Veranstaltungen an Schulen geplant. Auch wolle man die großen europäischen Institutionen in Darmstadt wie Eumetsat und Esoc einbinden. Eine Kooperation gebe es bereits mit der Schader-Stiftung.

In Darmstadt hatte PoE erstmals im März 2017 demonstriert. Damals kamen 20 Leute, sagte Facchinetti. Später, als in Frankreich die Wahlen anstanden, seien es 600 gewesen. Letzten Monat, zur ersten Demo nach längerer Pause, seien 100 gekommen. „Ich bin heute mit 130 zufrieden. Ich denke, die Sache wächst.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare