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Ist die Wette erfolgreich, ist der Jubel besonders groß.

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Bayern-Fan der Quote wegen

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Wie ein langweiliges Fußballspiel durch Live-Wetten zum Krimi wird. Ein Selbstversuch.

Ich mag Bayern München nicht. Ich mag die Arroganz nicht, die diesen Fußballklub umgibt, ich mag die Witze von Thomas Müller nicht, und vor allem mag ich nicht, dass die Bayern immer und immer und immer gewinnen. Aber das sind persönliche Animositäten, die ich mir an diesem Abend nicht leisten kann. Ich brauche ein Tor, es muss unbedingt zwischen Spielminute 15:01 und 30:00 fallen, und weil die Chelsea-Spieler nicht den Eindruck machen, als würden sie demnächst treffen, müssen es eben die Bayern richten. Dann bin ich nämlich reich. Also zumindest reicher. 6,40 Euro reicher.

Zehn Euro (meines privaten Geldes) darf ich an diesem Abend beim Selbstversuch setzen. So ist es mit der Redaktion vereinbart. Schließlich wollen wir hier nicht um hohe Summen spielen, sondern nur erfahren, wie sich Live-Wetten anfühlen. Dafür schaue ich ein Fußballspiel – in diesem Fall Chelsea gegen Bayern München in der Champions League. In der linken Hand die Chipstüte, in der rechten das Handy mit stets geöffneter App eines Sportwettenanbieters. Während die Partie läuft, platziere ich Wetten.

Fünf Euro setze ich also darauf, dass in den zweiten 15 Minuten des Spiels mindestens ein Tor fällt. Fortan steigt meine Nervosität immens. Lewandowski vergibt eine Chance für Bayern. Ich fluche. Dann wieder Lewandowski, diesmal ist er zu langsam. Ich rate lautstark zu mehr Sprint-Trainings und greife in die Chipstüte. Dann schießt Müller daneben, ich bin empört. Noch zwei Minuten, noch eine, noch 30 Sekunden, ein Chelsea-Spieler lässt sich beim Einwurf viel Zeit. 30 Spielminuten vorbei, Geld weg.

Erlösung beim 3:0

Noch fünf Euro darf ich setzen. Bislang ist es ein faires Spiel. Ich wette einen Euro darauf, dass es weniger als drei gelbe Karten gibt. Auch dieser Einsatz ist schnell futsch. Mittlerweile erarbeiten sich die Bayern Chance um Chance. Das hat zur Folge, dass die Quoten für einen Treffer für Chelsea steigen. In der 30. Minute setze ich einen Euro darauf, dass der Fußballverein aus London zur Halbzeit führt. Das gäbe knapp sechs Euro Gewinn. Gäbe. Konjunktiv. Zur Halbzeit steht es 0:0.

Langsam werde ich nervös, ich habe Angst vor den spöttischen Bemerkungen der Kollegen, wenn ich die zehn Euro verzocke. Aber dann die Wende: Ich sehe eine Wette, bei der es darum geht, was nach der Halbzeitpause als Erstes passiert – Abstoß, Freistoß, Ecke oder Einwurf. Ich setze meine letzten drei Euro auf Einwurf. Und gewinne. Mein Guthaben beträgt jetzt 4,70 Euro.

Nun heißt es geschickt vorgehen, die Quoten genau beobachten. Mittlerweile führen die Bayern 2:0. Ich platziere 3,70 Euro darauf, dass München genau 3:0 gewinnt. Den letzten Euro setze ich auf einen Sieg von Chelsea. Daran glaube ich zwar nicht, aber wichtig ist nur, dass ich die Gewinnquote (51 Euro bei einem Euro Einsatz) für gut halte.

In der 76. Minute schießen die Bayern das 3:0. Ja, ich gestehe: Ich jubele. Der Rest ist Zittern, dass bloß kein Tor mehr fällt. Es klappt. Ich habe aus meinen zehn Euro immerhin 14,41 Euro gemacht. Die Bayern sind mit dem Ergebnis faktisch eine Runde weiter. Das Rückspiel wird sterbenslangweilig. Es sei denn, ich setze auf die Zahl der gelben Karten.

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