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Baustart für Kläranlage

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Dirk Herrmann war 18 Jahre Leiter der Kläranlage Ober-Eschbach. Jetzt betreut er den Neubau.
Dirk Herrmann war 18 Jahre Leiter der Kläranlage Ober-Eschbach. Jetzt betreut er den Neubau. Konopatzki © Konopatzki

Mit den Arbeiten für die acht Meter tiefen Belebungsbecken beginnt das 60 Millionen Euro teure Projekt

BAD HOMBURG - Rund 25 000 Kubikmeter Erde müssen bis Mai alleine für den ersten Bauabschnitt der neuen Kläranlage Ober-Eschbach bewegt werden. Da reichen keine Spaten, nicht mal zum symbolischen Auftakt. Also setzte sich Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) ans Steuer eines Baggers, um den Auftakt des Mammutprojekts zu markieren.

Voraussichtlich 60 Millionen Euro werden investiert, avisierte Bauzeit: sechs Jahre. Alles unter Vorbehalt. Denn wie es mit Inflation, Energie- und Baustoffmangel weitergeht, steht in den Sternen. Zumal die Kläranlage das Ergebnis einzelner Aufträge sein wird. „Früher hat man so etwas einen Generalunternehmer bauen lassen, das ist heute nicht mehr praktikabel“, erklärt Projektleiter Dirk Herrmann. Stattdessen werden die Teilprojekte einzeln ausgeschrieben, so dass sich Fachfirmen eher melden. „Für den Erdaushub hatten wir 13 Angebote, so viele wie lange nicht mehr.“

Herrmann kennt die Kläranlage wie seine Westentasche, war er doch 18 Jahre deren Leiter. Einen besonderen Meilenstein werde die Zeit darstellen, wenn die ersten Teile des Neubaus in Betrieb gehen, die alte Anlage aber noch benötigt wird. Denn alle Umstellungen geschehen im laufenden Betrieb.

Vieles ist noch aus den 1950ern

Die jetzige Anlage wurde, so berichtete Hetjes, 1954 errichtet. „Und einiges hier stammt noch aus dieser Zeit. Kein Wunder, dass es schwierig wird, manche Ersatzteile zu bekommen.“ Der Neubau ist bitter nötig. Und die kleine Straßenreinigungsmaschine, die schon im Dauereinsatz ist, lässt erahnen: Es wird dreckig, wenn die bis zu acht Meter tiefen Baugruben für die beiden Belebungsbecken ausgehoben werden. Und weil, um die Grube zu stützen, zuvor Löcher bis zu 16 Meter tief gebohrt und mit Beton ausgegossen werden. Die biologische Reinigungsstufe ist später die zweite Station des Abwassers. Vorher wird es mechanisch gereinigt, die Feststoffe werden mit Rechen herausgefischt. Sind die ersten Abschnitte neu gebaut, wird ein Teil des Abwassers in die neue, der Rest in die alte Anlage geleitet. So kann genau und ohne Zeitdruck nachjustiert werden.

Mit der neuen Technik soll die Kläranlage den Anforderungen der regelmäßig verschärften Europäischen Wasserrahmenrichtlinie genügen. „Bis 2027 brauchen wir dringend die Verbesserung“, man arbeite diesbezüglich eng mit dem Regierungspräsidium in Darmstadt zusammen. Dort wurde der Neubau in den vergangenen Jahren mehrfach angemahnt.

„Das Wasser im Eschbach wird definitiv sauberer sein“, sagt Herrmann auch in Richtung Frankfurt. Am Unterlauf des Eschbachs wurde regelmäßig über die alternde Anlage der Kurstadt gemurrt. Durch den geplanten Membran Biologie Reaktor, die vierte Reinigungsstufe, könne das gereinigte Abwasser sogar zur Bewässerung städtischer Grünflächen genutzt werden.

Im Blick steht auch die energetische Bilanz. „Was können und was wollen wir uns leisten, um möglichst energieautark zu sein?“, das werde die Kernfrage sein. Schon jetzt trägt ein 1300 Kubikmeter fassender Biogas-Speicher dazu bei, den Eigenbedarf zu decken, doch es gibt viele weitere Ansätze, für die man die TU Gießen ins Boot geholt habe. „Auf den späteren Reserveflächen können wir Photovoltaik-Anlagen errichten“, so Hermann. 900 Quadratmeter im Bereich der Belebungsbecken und 2500 Quadratmeter am Eschbach stünden nach Abriss der alten Anlagen definitiv zur Verfügung.

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