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Der Baumeister der Bergstraße

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Von: Claudia Kabel

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Heinrich Metzendorf.
Heinrich Metzendorf. © Archiv Stadt Bensheim

Zum 150. Geburtstag des Architekten Heinrich Metzendorf erinnert die Technische Universität an sein Schaffen.

Er gilt als der Baumeister der Bergstraße – insgesamt 370 Bauwerke hat Heinrich Metzendorf Anfang des 20. Jahrhunderts verwirklicht, unter anderem die Odenwaldschule in Ober-Hambach. Weniger bekannt ist sein Schaffen in Darmstadt, wo er im Fach Architektur im Wintersemester 1886/87 an der Technischen Hochschule (die heutige Technische Universität) hospitierte. Zu seinem 150. Geburtstag widmet ihm deshalb die TU in ihrem in diesem Jahr neu eingerichteten Kunstforum eine Ausstellung mit rund 100 Exponaten.

Nicht nur Architektenentwürfe, Zeichnungen, Aquarelle und alte Fotografien gibt es in dem Raum im Alten Hauptgebäude der TU zu sehen. Die Ausstellungskuratoren Dominic Delarue und Thomas Kaffenberger präsentieren auch Briefe, Urkunden und Exponate, wie eine verzinkte Dachrinne, Dachziegel oder Türgriffe. Zudem ist eine 3-D-Visualisierung vom Umbau der Merck-Apotheke – der heutigen Engel-Apotheke auf dem Luisenplatz – zu sehen.

In Darmstadt und der nahen Umgebung schuf Metzendorf ein Dutzend Bauwerke. Erhalten sind heute unter anderem noch das Grabmal Goldschmidt, das ehemalige Mädchenheim Marienhof in Weiterstadt-Braunshardt, das Haus Kempin auf der Mathildenhöhe und die Villa Haardteck im Herdweg, für deren Entwurf er 1901 vom Darmstädter Großherzog zum Professor ehrenhalber ernannt wurde, wie es im Ausstellungskatalog heißt.

Metzendorf, geboren am 4. Oktober 1866 in Heppenheim, begann eine Beamtenlaufbahn beim Garnisonsbauamt Darmstadt, kehrte aber 1895 an die Bergstraße zurück, um als freier Architekt zu arbeiten. Sein Büro in Bensheim etablierte sich schnell als erste Adresse für zeitgemäßes Bauen im südlichen Teil des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Auch wenn Metzendorf Anleihen aus dem Jugendstil übernahm, unter anderem das Konzept des Gesamtkunstwerks, bei dem Architektenentwurf als auch Innenausstattung aus einer Hand kommen, sei der Stil seiner Villen, Land- und Arbeiterhäuser eher neoklassizistisch beziehungsweise neobarock, wie die Kuratorin des Kunstforums Julia Reichelt sagt.

Seine Beliebtheit verdankt er einerseits seinen guten Kontakten zum Architekten Friedrich Pützer und zum Papierfabrikanten Wilhelm Euler. Früh erhielt er Aufträge der Industriellenfamilie Merck. Auch für den damaligen Oberbürgermeister Adolf Morneweg baute Metzendorf 1902 eine Villa zwischen Paulusviertel und Villenkolonie Eberstadt.

Bei der Bürgerschaft fand er laut Reichelt aber auch deshalb Anklang, weil er den Jugendstil nicht so radikal anwendete wie die Künstler der Mathildenhöhe. An deren Kunstausstellung nahm er 1908 dennoch teil.

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