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„Baumarten wählen, die weniger Wasser benötigen“

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Revierleiterin Carolin Pfaff mit ihrer Hündin Alva. kreuzer
Revierleiterin Carolin Pfaff mit ihrer Hündin Alva. kreuzer © Stephanie Kreuzer

Carolin Pfaff ist neue Revierförsterin im Bereich Kronberg und auch fürs Arboretum zuständig

Main-Taunus - Über das Klischee des Försters, der mit der Flinte über der Schulter und dem Hund an der Leine geruhsam durch Wald und Wiesen streift, kann sie nur schmunzeln. Zwar hat Carolin Pfaff mit der einjährigen Deutsch-Drahthaar-Hündin Alva tatsächlich einen vierbeinigen Begleiter, aber ansonsten wird sie viel frischen Wind mitbringen. Im August trat die 28 Jahre alte Forstoberinspektorin die Nachfolge des langjährigen Revierförsters Martin Westenberger an und ist seitdem für mehrere Kommunalwälder in der Region - insgesamt 1100 Hektar Wald - zuständig. „Letztlich bin ich Dienstleisterin von sieben verschiedenen Kommunen, deren Waldgebiete teils recht versprengt liegen, und das macht die Tätigkeit besonders spannend und abwechslungsreich“, sagt Pfaff.

„Als quasi genau vor meiner Haustür das Revier frei wurde, war es klar, dass ich mich bewerbe, denn es ist natürlich ein Traum, wenn man in der Heimat bleiben kann“, freut sich die gebürtige Königsteinerin. Bei ihr war es das Interesse für die Natur, das sie zum Studium der Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar motiviert hat. Nach dem Staatsexamen 2017 war sie zunächst bei einem Baumpflegeunternehmen tätig, bevor sie 2020 als forstliche Beratung und stellvertretende Geschäftsleiterin zum Naturpark Taunus wechselte.

Zwar müsse sie sich im hiesigen Revier in erster Linie nach den Wünschen der Kommunen richten, die unterschiedliche Schwerpunkte in der Bewirtschaftung ihrer Waldgebiete setzen. Allerdings sei die aktuelle Waldsituation, die mit der Trockenheit zu kämpfen hat, eine der größten Herausforderungen, die die Forstwirtschaft je hatte. „Wir müssen jetzt neue Wege gehen, denn wir wissen einfach nicht, was das Klima in den nächsten Jahren bringt.“ Daher könne das Thema Wiederbewaldung nicht so weiterbetrieben werden: „Wir müssen umdenken und zum Beispiel Baumarten wählen, die weniger Wasser benötigen. Da sind wir eben auch auf die Forschung angewiesen, außerdem abhängig von gesetzlichen Vorgaben.“

Zusätzlich seien gerade Rot- und Rehwild ein Problem, da sie große Verbissschäden verursachen und den Aufforstungseffekt vielerorts direkt wieder zunichtemachen. „Gerade durch den hohen Besucherdruck wird das Wild ,heimlich’, stellt sich also in Bereiche, wo niemand entlangläuft. Dort sieht man dann ein erhöhtes Schadensbild, weil sich das Wild nicht so ausbreiten kann, wie es gerne möchte“, weiß die Revierleiterin und betont, dass gerade in Zeiten der Wiederbewaldung eine scharfe Bejagung wichtig sei. Dies gelte allerdings weniger fürs - zwischen Schwalbach, Sulzbach und Eschborn gelegene - Arboretum, da dort immer Leute unterwegs seien.

Das rund 76 Hektar große Areal beheimatet mehr als 500 unterschiedliche Baum- und Straucharten. Für Pfaff ist das Arboretum etwas ganz Besonderes: „Wir haben hier ja weniger einen Wald als einen Park, und da gelten andere Kriterien. So gibt es keine größeren Eingriffe.“ Ziel sei es, die Charakteristika der Baumgesellschaften stärker herauszuarbeiten. „Ich bin froh, diesen schönen Beruf gewählt zu haben.“

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