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Betagte Schattenspenderin: Seit 200 Jahren steht die Libanon-Zeder im Schlossgarten.

Bad Homburg

Ein Baum in Bad Homburg hält zwei Rekorde

Die Libanon-Zeder vor dem Schloss in Bad Homburg gilt als die mit dem größten Stammumfang in Deutschland. Jetzt kommt ein zweiter Rekord dazu.

Bislang galt der Baum vor dem Bad Homburger Schloss mit 6,40 Meter Umfang „nur“ als die deutsche Libanon-Zeder mit dem größten Stammumfang, jetzt könnte sie auch die älteste sein.

Dafür verantwortlich ist kein Sturm, sondern in letzter Konsequenz der Vorschlag von Lesern der „Weinheimer Nachrichten“. „Es ist eine kuriose Geschichte, eigentlich hätte Weinheims Libanon-Zeder, die bisher als älteste ihrer Art in Deutschland galt, dieses Jahr ihren 300. Geburtstag feiern können“, sagt Redaktionsleiter Carsten Propp. „Doch Recherchen unserer Zeitung in Zusammenarbeit mit den Stadtarchiven Weinheim und Bad Homburg ergaben, dass die Weinheimer Zeder viel jünger ist als bisher angenommen. Damit dürfte die Bad Homburger Zeder künftig diesen Titel tragen“, so Propp.

Doch der Reihe nach: Am Fuß der Weinheimer Zeder ist auf einem Schild das Pflanzdatum 1720 vermerkt. Das fiel einem Paar auf, das einst im Schatten des Baums geheiratet hat und seitdem regelmäßig zurückkommt. Die beiden hatten die Idee, dass der „Geburtstag“ des Baumes standesgemäß gefeiert werden sollte. Doch die Journalisten, die den Vorschlag gern aufgreifen wollten, stellten bei ihrer Recherche fest, dass das Datum auf dem Schild alles andere als gesichert ist.

Frühe Belege waren nicht zu finden, ein Ölgemälde von 1867 und ein Foto von 1880 verstärkten die aufkeimenden Zweifel. Nach einer umfangreichen Prüfung dieser und weiterer Indizien, unter anderem waren die Weinheimer Stadtarchivarin Andrea Rößler und mit Professor Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof, ein ausgewiesener Baumexperte involviert, keimte an der Bergstraße die Erkenntnis: Wahrscheinlich ist ein Pflanzdatum um 1835.

Damit wären die Weinheimer den Titel los. Denn in Homburg ist die Datenlage nahezu perfekt. Als gesichert gilt laut Schlossgärtner Peter Vornholt, dass 1818 16 kleine Zedern aus den Royal Botanic Gardens im Südwesten Londons nach Homburg geliefert wurden. „Zwölf davon wurden 1819 im Englischen Garten gepflanzt, die sind aber allesamt im Winter 1829 erfroren. Zwei Zedern sind im Gustavsgarten gelandet – und zwei Bäume 1822 im Schlossgarten.“ Diese beiden Bäumchen, die stattliche Libanon-Zeder und die etwas kleinere Atlas-Zeder, haben sich gehalten.

Stadthistorikerin Gerta Walsh hatte sich 2018, zum 200-Jährigen, der Geschichte der 16 Bäumchen gewidmet. Fündig wurde sie in einem Bericht des Königlichen Hofgärtners G. K. Merle von 1895. Walsh kommt zu dem Schluss: „Die beiden Zedern vor dem Königsflügel konnten nur dank der Umsicht des Hofgärtners Hackel überleben. Wie Merle berichtete, räumte sein Vorgänger Hackel bereits 1818 zwei der 16 kleinen Bäume in Kübeln einen günstigen Platz in der Orangerie ein, bis sie 1822 ihren endgültigen Standort vor den Fenstern der Fürsten erhielten.“

Stadtsprecher Andreas Möring gibt sich ob des neuen Titels bescheiden: „Bad Homburg war auch ohne diesen Rekord schon immer stolz auf die eindrucksvolle Zeder.“

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