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Für die Getreideernte ist das trockene Wetter optimal. 

Dürre in Hessen

Winzige Kirschen, die keiner will

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Hessens Bauernverband zieht eine erste Erntebilanz. Für den Weizen war es zu heiß.

Für die Getreideernte ist dieses trockene Wetter optimal. Mit den Erträgen sind die Landwirte allerdings nicht so zufrieden. Schlecht sieht es bei den Kirschenbauern in Friedberg-Ockstadt aus. Entweder sie haben ihre Bäume im Frühjahr so beschnitten, dass die Früchte zwar dick sind, die Erträge aber zehn bis 15 Prozent niedriger als üblich. Oder ihre Kirschen sind so klein, dass sich damit überhaupt nichts verdienen lassen könne. Winzige Kirschen nimmt der Handel nicht ab.

Am Wochenende brummten vielerorts die Mähdrescher. Jetzt zeigen sich die ersten Stoppelfelder in der Landschaft. „Die Wintergerstenernte in den Frühdruschgebieten ist weitgehend abgeschlossen“, meldet der hessische Bauernverband. Lediglich in Nordhessen und den Mittelgebirgslagen sei sie noch in vollem Gange. Anlass zu Klage gibt es nicht: „Die bisher ermittelten Erträge sind durchschnittlich.“

Bauernverband Hessen zur Dürre 2019

Weniger gut sieht es beim Winterweizen aus, sagt Verbandssprecher Bernd Weber. Das sonnige, trockene und sehr warme Wetter im Juni und der ersten Juli-Woche habe die Erwartungen für eine gute Ernte stark gedämpft. Aus Winterweizen wird das Mehl für Brot und Brötchen. Für Hessens Bauern ist es das Hauptgetreide. Rund 283 000 Hektar beträgt ihre gesamte Getreide-Ackerfläche. 

Auf mehr als der Hälfte (54 Prozent) bauten sie im vergangenen Jahr Winterweizen an. 23 Prozent entfielen auf Wintergerste, die überwiegend als Tierfutter dient. Anders als die Sommergerste, die auf 19 000 Hektar wuchs. Die wird für das Bierbrauen benötigt.

Eins lässt sich jedenfalls jetzt schon erkennen, sagt Weber: „So schlimm wie das vergangene Jahr wird dieses nicht.“ Die Auswirkungen der Dürre 2018 sind allerdings bis heute zu spüren. Das liegt nicht alleine am Grundwasserspiegel, der längst noch nicht aufgefüllt ist. Große Sorge bereitet Hessens Landwirten der Winterraps, aus dem hochwertiges Speiseöl gemacht wird, Biodiesel und Eiweißfutter für das Vieh. 

Bauern hoffen auf ein, zwei Tage Regen

Gesät wird er im August. Der war 2017 so nass, dass die Felder kaum zu befahren waren. Das Jahr darauf so trocken, dass die kleinen Saatkörner vielfach nicht keimten. Erschwerend hinzu kamen die niedrige Erzeugerpreise, ergänzt der Verbandssprecher. Die Folge seien deutlich niedrigere Rapsanbauflächen: 55 000 Hektar waren es im Vorjahr, jetzt sind es nur noch rund 35 000 Hektar.

Die Wintergerste ist nun eingefahren, demnächst sind Raps und Weizen dran: „Wir befinden uns jetzt in der Übergangsphase“, sagt Weber. „Ein, zwei Tage Regen wäre jetzt optimal.“ Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln könnten ergiebige Regenfälle gut gebrauchen. Gleiches gelte für das Gras auf Wiesen und Weiden. Dieses Jahr sei für die Futterbetriebe zwar nicht so schlimm, wie das vergangene. Doch ein dritter und vierter Schnitt täte ihnen gut, damit sie ihre Vorräte in den Scheunen wieder auffüllen können.

Insgesamt gibt es in Hessen rund 16 000 landwirtschaftliche Betriebe. Sie bewirtschaften knapp 300 000 Hektar Grünland und 466 000 Hektar Ackerland.

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