Baurecht

Bauen in Serie soll in Hessen erleichtert werden

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Häuser aus Fertigteilen gegen die Wohnungsnot: Dafür schafft die schwarz-grüne Koalition nun die Voraussetzungen. Angst vor Plattenbauten nennt sie unbegründet.

Vertreter der Wohnungswirtschaft begrüßen die geplante Erleichterung des „seriellen Bauens“ in Hessen. Die schwarz-grüne Koalition hat jetzt im Landtag einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Änderung der Hessischen Bauordnung (HBO) eingebracht. Mit der Erleichterung des Bauens mit vorgefertigten Serienteilen und im Baukastensystem wollen die beiden Regierungsparteien den Wohnungsbau in Hessen fördern.

Mit der sogenannten Typengenehmigung könnten Wohnungen in Zukunft schneller und günstiger gebaut werden, stellte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in Aussicht.

Axel Tausendpfund aus dem Vorstand der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft stimmt dieser Prognose zu: „Mit der Typengenehmigung darf ein einmal genehmigter Haustyp auch an anderer Stelle errichtet werden, ohne dass dazu das gesamte Genehmigungsverfahren noch einmal durchlaufen werden muss.“ Eine langjährige Forderung des Verbandes werde damit erfüllt.

Auch die Unternehmer äußern sich positiv: „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Thomas Reimann, Vorsitzender des Bau-Ausschusses der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Reimann fordert allerdings: „Die HBO sollte auch außerhalb des seriellen und modularen Bauens modernisiert und entschlackt werden.“

Serielles Bauen

Das Bauen in Serieund mit Fertigteilen orientiert sich an industriellen Prozessen, wie man sie etwa vom Autobau kennt.

Neubauten werden nicht mehrals Unikate geplant, sondern mit vorgefertigten Bauteilen errichtet.

Davon erhoffen sich Politikerund Unternehmer Kosteneinsparungen von rund 25 Prozent. jjm

Im Landtag traf das Vorhaben bei den Oppositionsparteien teilweise auf Zustimmung. Man könne sich darauf verständigen, „dass der Antrag so jetzt der richtige ist“, sagte Jürgen Lenders von der FDP.

Die SPD-Abgeordnete Elke Barth kritisierte, dass nur kleine Teile des Regelwerks überarbeitet würden anstatt einer „erforderlichen Generalüberholung“ der HBO: „Warum wagt die Koalition nicht endlich den großen Wurf?“ Vor allem beim barrierefreien Bauen bestehe Handlungsbedarf. Der Sozialverband VdK hatte wegen der Missstände eine Petition an den Landtag gestellt, die von fast 25 000 Menschen unterschrieben worden war.

Jan Schalauske (Linke) gab er zu Bedenken, dass das serielle Bauen triste Neubauten zur Folgen haben könnte. „Plattenbauten sind genau das, was wir nicht wollen“, sagte er. Dem entgegnete Minister Al-Wazir, dass es für Gebäude nach dem Baukastensystem heute vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten gäbe. Auch Lenders bekräftigte: „Den Menschen, die Angst vor Plattenbauten haben, kann man sagen: Mit der heutigen Baukultur kann man das gut in den Griff bekommen.“

Der Gesetzesentwurf sieht außerdem vor, dass Mobilfunkmasten künftig bis zu einer Höhe von 15 Metern keine Baugenehmigung mehr benötigen. Bisher waren es zehn Meter. Außerdem sollen die Abstandsregeln bei der Aufstellung von Masten gelockert werden. Mit diesen Erleichterungen im Baurecht will Schwarz-Grün die Digitalisierung Hessens beschleunigen und die Mobilfunknetze zuverlässiger machen.

Der AfD-Abgeordnete Dimitri Schulz warnte vor „massiven Auswirkungen auf das Umfeld der Sendemasten“ und forderte eine Überprüfung durch Experten.

Ende Januar könnten die Gesetzesänderungen mit den Stimmen der Koalition in Kraft treten.

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