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Sand wird in einer Grube in Mittelhessen gefördert. Hessen ist ein rohstoffreiches Land.

Wirtschaft

Bauboom lässt Nachfrage nach Sand und Kies steigen

Hessen ist ein rohstoffreiches Land. Allerdings sind auf vielen Arealen keine Sand- und Kiesgruben erlaubt - etwa zum Schutz des Grundwassers. Müsste Hessen allein mit Rohstoffen aus heimischem Boden bauen - dann könnte es knapp werden.

Mit dem Bauboom wächst in Hessen die Nachfrage nach Kies und Sand. Von diesen Rohstoffen gibt es zwar im heimischen Boden große Lagerstätten - die jedoch nicht überall uneingeschränkt abgebaut werden dürfen. Könnte der Bau dringend benötigter Wohnungen - vor allem im Rhein-Main-Gebiet - wegen fehlender Baustoffe ins Stocken geraten? Ganz so dramatisch sehen Vertreter der Baubranche die Situation nicht. Allerdings ist vor allem Südhessen auf den Import von Kies und Sand aus anderen Bundesländern angewiesen.

Nach Einschätzung des Umweltministeriums sind Sand, Kies, Naturstein und Ton aus geologischer Sicht in Hessen ausreichend vorhanden. „Allerdings ist die tatsächliche Verfügbarkeit aufgrund der konkurrierenden Nutzungsansprüche, gerade in Ballungsgebieten wie dem Rhein-Main-Gebiet, stark eingeschränkt“, heißt es in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Landtags-FDP.

„Kies und Sand sind aufgrund der Baukonjunktur derzeit gut nachgefragt“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen Thüringen, Burkhard Siebert, in Wiesbaden. Allerdings baue Hessen nicht nur mit Rohstoffen aus heimischen Gruben. Allein zehn Millionen Tonnen Sand und Kies aus anderen Bundesländern würden allein pro Jahr nach Südhessen eingeführt, sagt Siebert. „Aktuell gibt es wegen fehlender Rohstoffe keine Verzögerung bei Bauprojekten. Auch das Geld ist da“, betont der Verbandschef. „Für Schwierigkeiten sorgt vielmehr, dass sich Planungen wegen ausstehender Genehmigungen verzögern. Die derzeit große Zahl an Bauanträgen müsste von den Behörden noch schneller abgearbeitet werden.“

Nach Erfahrungen des Verbandes der Bau- und Rohstoffindustrie (vero) hat es in den vergangenen Jahren nur in Einzelfällen Lieferengpässe gegeben. Grund war das lange Niedrigwasser im Rhein, da die nach Hessen importierten Rohstoffe aus Süddeutschland und Frankreich dadurch teils limitiert waren. „Diese Engpässe konnten jedoch durch die Kapazitäten der regional ansässigen Unternehmen aufgefangen werden.“ Vero vertritt in Hessen die rohstoffgewinnenden Betriebe der Natursteinindustrie.

Sandabbau in Hessen.

Bis auf wenige Einzelfälle habe es noch keine Verzögerungen von Bauprojekten gegeben. „Hessen ist noch relativ gut aufgestellt bei der regionalen Versorgung mit oberflächennahen Rohstoffen“, erklärt der vero-Landesvorsitzende Christoph Hagemeier. Die Nachfrage insbesondere nach Sand und Kies sei aufgrund der starken Hochbauaktivitäten in den Ballungsräumen hoch.

Nach Informationen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sind derzeit 86 Abbauflächen für Sand und Kies in Betrieb. Davon liegen 38 in Nordhessen, 33 in Südhessen und 15 in Mittelhessen. „Es gibt sehr große Flächen mit Sand- und Kiesvorkommen, aber auch große Einschränkungen, was den Abbau angeht“, sagt der Dezernatsleiter Rohstoffgeologie, Johann-Gerhard Fritsche, in Wiesbaden.

Viele Vorkommen liegen in Talauen entlang von Flüssen. In diesen Gebieten fließt das Grundwasser oft sehr oberflächennah, was den Abbau von Sand und Kies stark eingeschränkt. „Wenn die schützende Bodenüberdeckung entfernt wird, könnte das Grundwasser verschmutzt werden - etwa mit Bakterien“, erläutert Fritsche.

Im Hessischen Ried beispielsweise kämen viele Rohstoffe vor, die in Trinkwasserschutzgebieten nicht oder nur unter Auflagen abgebaut werden dürfen. Auch in Naturschutzgebieten - wie etwa Erlenwäldern in Flussauen - sind Kiesgruben tabu.

Auf anderen Flächen spricht zwar theoretisch nichts gegen den Kies- und Sandabbau, aber auf den Grundstücken stehen Gebäude oder es verlaufen dort Verkehrswege. „Nutzungskonflikte lassen sich vor allem in Ballungsgebieten nicht vermeiden“, sagt Fritsche. Experten hätten erst vor kurzem bei einer aktuellen „Lagerstättenerhebung“ abgefragt, welche Mengen an Rohstoffen die Betriebe in den nächsten Jahren fördern möchten und an welchen Stellen. Diese Daten fließen in die Regionalplanung ein.

Laut Umweltministerium fördert die Landesregierung den Einsatz von Recycling-Baustoffen, die durch eine Aufbereitung mineralischer Abfälle erzeugt werden. Allerdings könne es das Land nicht alleine schaffen, mehr solcher Rohstoffe auf die Baustellen zu bringen. „Hier sind alle am Bau Beteiligten gefordert: Bauherren, Planer, Baustofflieferanten und bauausführende Firmen.“ Hauptgeschäftsführer Siebert vom Bauindustrieverband sieht Recycling-Baustoffe als „intelligenten Ansatz“. Es könne unter anderem eine Menge Geld gespart werden, wenn lange Transportwege entfallen. (dpa)

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