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Die Digitalisierung schreitet voran. Deshalb wird in Offenbach ein großes Rechenzentrum gebaut, in das sich Unternehmen mit ihren Servern einmieten können.

Offenbach

Bau des riesigen Rechenzentrums beginnt in Offenbach

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Im Osten von Offenbach beginnt der Bau eines großen Rechenzentrums. Weil die Stromversorgung schwierig ist, realisiert der US-amerikanische Entwickler eine abgespeckte Variante.

Baumaschinen planieren derzeit 145 000 Quadratmeter Grund am Lämmerspieler Weg im Osten von Offenbach – und künden davon, dass dort Großes geschieht: Das Areal für eines der größten Rechenzentren Europas wird vorbereitet. Das US-amerikanische Unternehmen „CloudHQ“ lässt zwei zweistöckige Gebäude mit einer Fläche von jeweils 56 000 Quadratmetern entstehen – und realisiert damit seinen ersten europäischen Rechenzentrums-Campus. In 18 Monaten soll alles fertig sein.

Eigentlich sollte am Lämmerspieler Weg, an der Rückseite des großen Manroland-Werksgebäudes, ein Hochleistungs-Rechenzentrum der Superlative entstehen. „Noch im Januar 2018 war dort das größte Rechenzentrum der Welt geplant“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). Die jetzige Version ist deutlich abgespeckt – nur noch ein Drittel der vorher geplanten Kapazität. Trotzdem ist es noch „mindestens viermal größer“, so Schwenke, als das bestehende Data-Center auf dem EVO-Gelände am Kaiserlei.

„Es war nicht genügend Strom im Netz für die Megapläne von ,CloudHQ‘“, sagt der Oberbürgermeister. Die Stromversorgung sei eines der schwierigsten Themen in den Verhandlungen mit dem Unternehmen gewesen, blickt er zurück. Auch die jetzige kleinere Variante ziehe gewaltige Strommengen. „Wenn ,CloudHQ‘ mit dem Bau fertig ist, gibt es sehr wenig Reserven im Stromnetz“, erklärt Schwenke. Deshalb müsse der Übergabepunkt in Dettingen für die 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung nach Offenbach ertüchtigt werden. Die Energienetze Offenbach (ENO) stellen eine Anbindung an das Offenbacher Stromnetz her.

Das Areal hinter den Schrottplätzen am Lämmerspieler Weg war einst als Erweiterungsfläche für den Druckmaschinenhersteller „MAN Roland“ gedacht, der heute Manroland heißt. Er erwarb das Gelände Ende der 1980er Jahre von der Stadt, wollte dort ein weiteres Werk erstellen. Dazu kam es aber nie. Das derzeit stark gebeutelte Unternehmen verkaufte das Gelände deshalb an „CloudHQ“, den Entwickler von Rechenzentren. Er vermietet die Flächen an Firmen, die dort ihre Server betreiben – und rund um die Uhr Kühlung und eine sichere Stromversorgung brauchen.

„Das Rechenzentrum wird voll vermietet sein“, kündigt Schwenke an. Er kann sich auf Steuereinnahmen freuen. „Rechenzentrenbetreiber zahlen in den meisten Städten ordentlich Gewerbesteuer“, sagt er. Für die Stromnutzung fallen auch Netzentgelte an, die Offenbach zusätzlich profitieren lassen. Ganz zu schweigen von den zusätzlichen Arbeitsplätzen, die laut Schwenke vor allem im Sicherheits- und Überwachungsbereich entstehen.

Am 10. Oktober wird die Firma ihr Projekt und den späteren Betrieb bei einem virtuellen „Tag der offenen Tür“ vorstellen.

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