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Wer in der Pflege arbeitet, ist im Schnitt deutlich häufiger krank als Angehörige anderer Berufe.
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Wer in der Pflege arbeitet, ist im Schnitt deutlich häufiger krank als Angehörige anderer Berufe.

Hessen

Barmer Hessen: Pflegen gefährdet die eigene Gesundheit

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Der Fachkräftemangel führt zu einem Teufelskreis. Jedes zweite Heim bietet keine Vorsorge für ihre Beschäftigten an.

Ihr Traumberuf war die Arbeit mit Pflegebedürftigen nicht gerade, sagt Marie Hausmann. Im Gegenteil: „Eigentlich wollte ich nichts mit Menschen machen.“ Erst nachdem sie ihre erste Ausbildung abgebrochen hatte, kam sie auf die Idee, diese Tätigkeit auszuprobieren. Zunächst Praktikum im Altenheim, dann Nebenjob im Pflegedienst. Und seit zwei Jahren absolviert sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin in den Ahnataler Hausgemeinschaften. „Ich habe gemerkt, dass mir das sehr viel Freude macht“, sagt die 21-Jährige.

Dieses Gefühl ist bis heute geblieben. „Ich habe ein tolles Team“, sagt sie. In ihrem Umfeld registriert sie „sehr viel Respekt“ und Anerkennung. Der Nordhessin begegnen aber auch Vorurteile – „etwa, dass man nur mit Waschen und Po-Abwischen beschäftigt ist“. Eine Aufklärungskampagne, die das Image des Berufs verbessert, käme nicht schlecht. „Gerade jetzt ist die Zeit gut, wo wir so präsent sind.“ Die Pandemie hat die Situation in den Pflegeheimen und derjenigen, die dort beschäftigt sind, in den Fokus gerückt. Erstmals beschäftigt sich auch der jährliche Pflegereport der Barmer Hessen mit der Branche, in der derzeit der Fachkräftemangel besonders dramatisch spürbar ist. „Die Corona-Pandemie hat die Situation deutlich verschärft und die ohnehin schon hohe Arbeitsbelastung der Beschäftigten noch einmal zusätzlich verstärkt“, sagt Landesgeschäftsführer Martin Till. „Viele Pflegekräfte fühlen sich physisch und psychisch überfordert.“

mehr fehltage

Eine krankgeschriebene Altenpflegefachkraft fehlte in den Jahren 2016 bis 2018 im Schnitt 18,6 Tage und damit 40 Prozent länger als Beschäftigte in sonstigen Berufen.

Beschäftigte in der Altenpflege wiesen bis zu 90 Prozent mehr Fehltage aufgrund von Depressionen auf als Erwerbstätige in sonstigen Berufen. Rückenschmerzen verursachten bei Fachkräften in der Altenpflege knapp 96 Prozent und bei Pflegehilfskräften etwa 180 Prozent mehr Fehltage. jur

Beleg dafür sind die für den Barmer-Report ausgewerteten Daten. Sie stammen aus dem Jahr 2019, also der Vor-Corona-Ära. Demnach sind Pflegekräfte in Hessen deutlich häufiger krank und werden öfter frühverrentet als viele andere Berufstätige. Umgerechnet verliert die Branche dadurch landesweit ein Potenzial von mehr als 1660 Pflegekräften.

Die am Freitag im Beisein von Marie Hausmann präsentierten Zahlen für Hessen sprechen eine eindeutige Sprache: Zwischen den Jahren 2016 und 2018 waren 8,2 Prozent der Hilfskräfte und 7 Prozent der Fachkräfte in der Altenpflege krankgeschrieben – in anderen Berufen lag der Schnitt bei 4,9 Prozent –, und sie werden häufiger und länger im Krankenhaus behandelt. „Die Arbeitssituation in der Pflege greift die Gesundheit der Beschäftigten massiv an“, bilanziert Till. „Wenn sie ausfallen, werden Kolleginnen und Kollegen zusätzlich belastet.“ Dieser „Teufelskreis“ müsse durchbrochen werden.

Eine Erkenntnis, die bei der Politik angekommen sei: „An vielen Baustellen wird derzeit gearbeitet, um Pflege auf Dauer attraktiver zu gestalten“, sagt Till. „Angefangen bei entsprechenden Gehaltsverhandlungen bis hin zu neuen Personalbemessungsinstrumenten.“ Neben geregelten Arbeitszeiten müssten Arbeitgeber:innen stärker auf Vorsorge setzen. „Es kann nicht angehen, dass nicht einmal jede zweite stationäre Pflegeeinrichtung Präventionskurse für ihre Beschäftigten anbiete.“ Etwa Rückenschule oder Yogakurse, die den Beschäftigten der Ahnataler Hausgemeinschaften zweimal pro Woche einen Ausgleich boten. Bis das Virus kam. „In der Corona-Pandemie geht das nicht“, sagt Marie Hausmann.

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