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Simon und Jan.

Aschaffenburger Hofgarten

Treuherzige Bengel

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Als Engel lassen sich Simon und Jan schon mal ablichten, aber als Bengel kommen sie im Aschaffenburger Hofgarten daher.

Den sympathischen Mitdreißigern aus dem hohen Norden gelingt es schon in der ersten Minute ihres Auftritts, das Publikum für sich zu gewinnen. Tief gebeugt über ihren akustischen Gitarren sitzen sie da auf der Bühne des Aschaffenburger Hofgartens; Simon Eickhoff, der Komponist und Arrangeur des Duos, der außer dem Gesang während des gesamten Abends kaum ein Wort herausbringt, und Jan Traphan, dem Texter und Moderator, mit einer jesuanischen Leidensmiene, als ob er die Sorgen der Welt auf seinen Schultern zu tragen hätte.

So fängt das Programm „Halleluja“ denn auch an. Es sei ja alles nur gelogen und Betrug, heißt es im ersten Stück: Da kriegt Obama den Friedensnobelpreis. Armen Irren werden 72 Jungfrauen im Himmel versprochen, die – wenn es sie denn gäbe – wohl auch solche bleiben wollen. Und wenn man onaniert, dann stirbt ein Kätzchen. „Ich hab' die Leichen nie gezählt...“

So weit her ist es mit dem Weltschmerz also doch nicht, trotz des engelsgleichen Harmoniegesangs, der schon einmal mit Simon & Garfunkel verglichen wurde. In beinahe jedem Stück funkeln uns auch Teufelsaugen entgegen. Der Kontrast zwischen scheinbarer Harmlosigkeit und knallharter Gesellschaftskritik macht den besonderen Reiz der Stücke aus.

An letzterer lassen es die Kabarettisten nicht fehlen: „Aus Schröder wird Merkel, aus Raider wird Twix. Sie ändern die Namen, aber es ändert sich nix.“, heißt es da, oder: „Wir spritzen uns Gift in unsere Falten und lassen Chirurgen unser Lächeln verwalten.“ Ein deutliches „Leck mich“ setzen die ehemaligen Musikstudenten allem entgegen, was sie verachten, ob Trump, Heidi Klum oder Heino. Diese Vokabel schleudern sie auch allen Ismen entgegen, ob Rassismus, Fanatismus oder Kapitalismus. Das aber wird so zart herübergebracht, dass ihnen kaum jemand böse sein kann, selbst wenn er auf der anderen Seite steht.

Wiederauferstehung der Blödelbarden

Für die „alten Knacker“ unter den Besuchern ist das Duo ein bisschen wie die Wiederauferstehung der Blödelbarden und Liedermacher aus den 70er Jahren: Ulrich Roski, Reinhard Mey, Hanns-Dieter Hüsch, Schobert und Black, um die wichtigsten zu nennen. Sie galten als die Erfinder des „höheren Blödsinns“. Nach heutiger Computer-Zeitrechnung wären Jan und Simon demnach die 2.0 Fassung.

Kein Wunder, dass die beiden, die seit 2006 zusammen spielen und singen, inzwischen etliche Kabarettpreise abgeräumt haben, auch wenn dies nicht bei jedem Gewinner ein Qualitätssiegel ist.

Bei allem wohlverdienten Applaus für den warmen, kurzweiligen und heiteren Abend. Einiges aus dem Repertoir wie etwa das Lied über die „süßen Tiere“, könnten Simon und Jan getrost streichen. Insbesondere zum Ende des ersten Teils flachten die Texte merklich ab. Dabei haben die beiden genügend Stücke in petto, um zwei, drei Stunden niveauvoll zu füllen. So war es auch nicht vermessen, sie mit dem „Hallelujah“ von Leonard Cohen enden zu lassen.

Wer noch nicht weiß, wie er die Walpurgisnacht beginnen soll: Simon und Jan spielen am Sonntag, 30. April, um 18 Uhr in der Frankfurter Käs. Weitere Auftritte sind am 6. Mai im Alten Hallenbad in Friedberg, am 21. und 22. Juni im Badehaus Bad Nauheim geplant. Weitere Infos unter www.simonundjan.de.

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