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Kriminalität

Bandenkrieg in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Nach einer Racheaktion im Gallusviertel nimmt die Polizei einen 21-Jährigen fest. Im Fokus der Ermittlungen steht eine türkische Großfamilie aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Nach einer Schießerei Ende Januar in der Frankfurter Innenstadt entwickelt sich offenbar ein offener Bandenkrieg. Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist die Polizei mit einem Großaufgebot von rund 200 Einsatzkräften gegen Beteiligte vorgegangen. Bei einer Razzia am Dienstag seien neun Wohnräume sowie eine Gartenparzelle durchsucht worden, ein 21-Jähriger wurde wegen des dringenden Tatverdachts der versuchten Tötung festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte. Durchsucht wurden dabei sechs Objekte in Frankfurt, zwei in Rüsselsheim sowie je eins in Mainz und Nauheim.

Die Aufregung war groß nach einer Schießerei in der Frankfurter Innenstadt Ende Januar. Zwei Dutzend teilweise vermummte Personen fahren in acht Fahrzeugen in der Allerheiligenstraße vor, um eine Gruppe anzugreifen, die sich vor und in einem Kiosk aufhält. Zwei der Angreifer sollen Schlagstöcke und Baseballschläger, zwei weitere Handfeuerwaffen dabeigehabt haben. Die Sache geht glimpflich aus, nur einer der Angreifer selbst erleidet einen Wadendurchschuss.

Anfang März kommt es dann in der Wallauer Straße im Gallus zu einem Racheakt der angegriffenen Personen. Fünf Männer im Alter zwischen 21 und 36 Jahren, mit Sturmhauben maskiert, schlagen auf einen 38-Jährigen mit Baseballschlägern und Totschlägern ein, einer der Männer sticht dem Opfer mit einem Messer in den Oberschenkel. Laut Staatsanwaltschaft dringt das Messer bis auf den Knochen ein und führt zu einer so stark blutenden Arterienschädigung, dass der 38-Jährige ohne schnelle Erstversorgung nicht überlebt hätte.

Den Vorfall am frühen Morgen des 2. März hatte die Polizei der Öffentlichkeit bislang verschwiegen. Denn zu diesem Zeitpunkt laufen bereits verdeckte Maßnahmen. Diese münden Mitte März in eine großangelegte Razzia, bei der 190 Einsatzkräfte 30 Objekte im Rhein-Main-Gebiet, in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen durchsuchen. Die Aktionen richten sich gegen die Angreifer in der Allerheiligenstraße: 18 namentlich bekannte Männer im Alter von 14 bis 39 Jahren, denen schwerer Landfriedensbruch und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen wird. Zwei Männer im Alter von 29 und 33 Jahren werden wegen des Verdachts des gemeinschaftlich versuchten Totschlags festgenommen.

Die Durchsuchungen am Dienstag richteten sich nun gegen die Gruppe der Rächer, die laut Staatsanwaltschaft einer türkischen Großfamilie im Rhein-Main-Gebiet angehören sollen. Der Verdacht richte sich gegen drei junge Männer mit türkischer Staatsangehörigkeit und zwei Deutsche mit türkischen Wurzeln, die bei dem Anschlag in der Wallauer Straße dabei gewesen seien sollen. Einen dringenden Tatverdacht gebe es bislang aber nur gegen einen 21-Jährigen, von dem die Polizei DNA-Spuren an einer Sturmhaube feststellte, die bei dem Angriff getragen wurde.

Als Motiv für den Bandenkrieg nannte die Staatsanwaltschaft bislang nur „Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen im Milieu“. Bei der Gegenseite handelt es sich aber um eine Bande ohne familiäre Strukturen. Zwar ist auch das Opfer aus der Wallauer Straße Türke, die 18 verdächtigen Männer seien aber deutscher, afghanischer, türkischer, kosovarischer, serbischer, griechischer und iranischer Nationalität, teilte die Staatsanwaltschaft nach der Razzia Mitte März mit.

Obwohl bei beiden Angriffen versuchte Tötungsdelikte im Raum stehen, werden die Ermittlungen in Frankfurt vom Kommissariat 62 geführt, das für Milieukriminalität zuständig ist. Unklar blieb bislang, um welche Geschäfte es in dem Bandenkrieg geht.

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