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Der Film „Ballon“ rekonstruiert die wagemutige Flucht einer Gruppe von DDR-Bürgern gen Westen. DFF

Schule

Kinofilm statt Unterricht für Schüler in Hessen 

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Die Schulkinowochen bieten Stoff zum Lernen und zur Unterhaltung. Sogar mit Robotern kann man dann diskutieren.

Nichts ist so spannend wie die Wirklichkeit, sagt man. Die abenteuerliche Flucht der Familien Strelzyk und Wetzel aus der DDR könnte spannender kaum sein. 1979 flohen sie mit einem selbst genähten Heißluftballon in den Westen. Michael „Bully“ Herbig hat die Geschichte jetzt verfilmt – und steht Schülern und Schülerinnen im Rahmen der hessischen Schulkinowochen Rede und Antwort.

„Ballon“ aus dem Jahre 2018 ist einer von mehr als 100 Filmen, die von 25. März bis 5. April in 77 hessischen Kinos laufen. Und zwar immer vormittags, wenn eigentlich Englisch, Deutsch oder Geschichte auf dem Stundenplan stehen. Sie sind Unterrichtsstoff. Und öffnen „ein Fenster zur Welt“, wie es Projektleiter Michael Jahn am Dienstag im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt anlässlich der Vorstellung des Programms formulierte.

Deutsche Geschichte, Überwachungsstaat, Diktatur, Solidarität und der Wunsch nach Freiheit sind Themen, die in „Ballon“ im Mittelpunkt stehen. Andere Filme führen hinaus aufs Land, wie etwa „Flussfahrt mit Huhn“, der eine ebenfalls abenteuerliche Reise auf der Weser erzählt. Oder machen, wie „Wackersdorf“, die Konflikte zwischen Gegnern und Befürwortern der Atomenergie anschaulich.

Das Angebot

3,50 Euro kostet der Eintritt in eine Vorstellung der Schulkinowochen.

Zwei Begleitpersonen sind frei.

Anmelden bis 8. März können sich Kurse oder Klassen aller Altersstufen und Schulformen, Kindertagesstätten und soziale Einrichtungen.

Spielorte sind 77 Kinos in Hessen. Gezeigt werden mehr als 100 Filme;

es gibt Gespräche mit den Machern, Workshops und Begleitmaterial.

Infos und Anmeldung gibt es unter www.schulkinowochen-hessen.de. pgh

Bereits zum 13. Mal machen die Schulkinowochen den Unterricht zu einem Kinoerlebnis, das Lehrkräfte mit ihren Klassen oder Kursen besuchen können. Zum Angebot zählen auch die Filmgespräche wie das mit Herbig am 5. April in Nidda in Lumos Lichtspiel & Lounge. Oder schon am 4. April im Delphi-Filmpalast in Weilburg mit Günter Wetzel, einem der Ballonfahrer von 1979. Ergänzt wird das Programm von Workshops für Kinder und Jugendliche sowie einer Reihe von Fortbildungen für Lehrkräfte.

Mehr als 37 000 Schülerinnen und Schüler sind bereits angemeldet, wie Caroline Fuchs vom Deutschen Filminstitut berichtete. Die Anmeldungen sind noch bis zum 8. März möglich. Insgesamt werden hessenweit rund 65 000 Besucher in den Kinos erwartet. Ein Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit der sogenannten Künstlichen Intelligenz. „Die Frage ist ja, welche Folgen das für uns Menschen hat“, erklärte Kultus-Staatssekretär Manuel Lösel. Filme wie „Wall-E“ und „Blade Runner“ werden in der Reihe gezeigt. Zumindest kurios scheint da auch der Termin am 27. März im Cineplexx in Marburg. Dort können die Besucher mit den humanoiden Robotern Yuki und Miki diskutieren.

Ein weiterer Fokus liegt auf der nachhaltigen Entwicklung, wie sie in den 17 Zielen beschrieben wird, die die Agenda 2030 der Vereinten Nationen aufzählt. Filme, die dazu gezeigt werden, sind beispielsweise „The true cost – der Preis der Mode“ oder „Die grüne Lüge“.

Zu allen Filmen bieten die Veranstalter der Schulkinowochen pädagogisches Begleitmaterial an, das kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Schulklassen können außerdem erstmals eine Patenschaft für einen Film übernehmen, diesen im Unterricht vorbereiten und dann Gleichaltrigen im Kino präsentieren, um dort weiter zu diskutieren.

Auch für die künftigen Abiturienten ist etwas im Angebot: Sie können sich mit den Verfilmungen von „Woyzeck“ und „To kill a Mockinbird“ auf ihre Prüfungen in Deutsch oder Englisch vorbereiten.

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