Hessen

Bald Sprechstunde per Video in Hessen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Patienten mit Smartphone und Co. können demnächst in per Videochat eine Diagnose bekommen. Zwei Krankenkassen bieten auch elektronische Rezepte an.

Ein verstauchter Fuß, Halsweh, der dubiose Ausschlag am Arm: Wer außerhalb der Sprechzeiten ärztlichen Rat benötigt, muss sich künftig nicht zwangsläufig auf den Weg zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst machen: Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) bereitet ein Projekt zur Videosprechstunde vor. Bis zum Sommer soll es nach FR-Informationen hessenweit für alle Patienten möglich sein, den Arzt digital um eine Diagnose zu bitten. Mitglieder von AOK und DAK erhalten zusätzlich die Möglichkeit, sich ein elektronisches Rezept ausstellen zu lassen. Beide Krankenkassen beteiligen sich ebenso an dem Projekt wie der hessische Apothekerverband.

Wer ist zuständig?

Bei lebensbedrohlichenKrankheiten Rettungsdienst rufen (112).

Außerhalb der Praxissprechzeiten die 116 117 anrufen oder die nächste Znetrale des Ärztlichen Bereitschaftdienstes aufsuchen. Bei Zahnschmerzen hilft der Notdienst der Kassenzahnärzte.  

www.bereitschaftsdienst-hessen.de

Adressat des Angebots sind Menschen mit Bagatellerkrankungen, die in den Notaufnahmen eines Krankenhauses nichts zu suchen haben. Ist die Arztpraxis um die Ecke geschlossen – etwa am Wochenende – wenden sie sich entweder telefonisch an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst, wo medizinisch geschultes Personal berät und die nächstgelegene Zentrale ermittelt. Oder sie suchen gleich eine der 56 Zentralen auf. In Städten sind die Wege meist kurz. Nicht aber auf dem Land, zumal außerhalb der Werktage der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt ist.

Sämtliche Zentralen sollen mit der Technik für Videosprechstunden ausgestattet werden. Das Projekt setzt auf eine in Estland bereits genutzte Plattform und Verbindungstechnologie, die den sicheren Austausch der Daten ermöglicht. Patienten benötigen ein Smartphone, Tablet oder anderes Gerät mit Kamera. Um Missbrauch einen Riegel vorzuschieben, müssen sie sich zuvor registrieren lassen, sagt KV-Sprecher Karl Roth auf Anfrage. Ein konkretes Anfangsdatum stehe noch nicht fest. Mit dem Projekt trage die KVH der Tatsache Rechnung, dass Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung ein Trend ist: „Telemedizin spielt in der Zukunft eine relevante Rolle.“ Hessen wolle „ganz vorne dabei sein“. Der Ärztliche Bereitschaftdienst soll nur der Vorreiter sein. Nach erfolgreicher Einführung soll die Videosprechstunde auch von niedergelassenen Ärzten in Hessen angeboten werden. „Unser primäres Ziel ist es, die ärztliche Versorgung in Hessen flächendeckend und langfristig zu sichern“, sagt KVH-Vorstandschef Frank Dastych. „Dies wird realistisch nur dann funktionieren, wenn wir mit dem frühzeitigen Ausbau der telemedizinischen Möglichkeiten schon heute die Weichen für die Zukunft stellen.“

Deutschlandweit sei die KVH eine der ersten, die Videosprechstunde und elektronisches Rezept gemeinsam an den Start bringen. Holger Seyfarth, Chef des Apothekerverbands, sieht seine Kollegen gut gerüstet: „Sie sind heute schon hervorragend digital aufgestellt“, versichert er. „Für sie ist das Projekt die logische Weiterentwicklung dessen, was sie bereits tun.“

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